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Fastenzeit Was bringt Fasten der Gesundheit?

Bis Ostern geht sie noch – die Fastenzeit. Seit Jahrtausenden gehört sie zu verschiedenen Kulturen. Auch in der christlichen Religion spielt Fasten eine große Rolle. Doch wer so richtig klassisch fastet, verzichtet nicht nur auf Genussmittel, sondern komplett auf feste Nahrung. Wie gesund ist das und was bewirkt dieses Fasten im Körper? 

Von: Katrin Frink

Stand: 02.03.2015

Familie Gruber zeigt mit Schildern, auf welche Dinge sie während der Fastenzeit verzichten | Bild: BR

56 Prozent der Deutschen halten Fasten aus Gesundheitsgründen für sinnvoll, das hat eine aktuelle Befragung der DAK ergeben. Fasten kann dabei vieles bedeuten: 70 Prozent verzichten auf Alkohol, 64 Prozent auf Süßigkeiten, 41 Prozent werden zeitweise zu Vegetariern und ganze 40 Prozent vermeiden das Rauchen, bei 33 Prozent bleibt der Fernseher aus und bei 27 Prozent das Handy.

Verzicht auf Genussmittel

Viele verzichten auf einige wenige Genussmittel, so wie Familie Gruber. Grete und Maximilian Gruber und ihre beiden Kinder Nelly und Leon werden bis Ostern kein Fleisch und keine Süßigkeiten essen. Die Eltern verzichten zusätzlich auf Alkohol. 

Da Maximilian Gruber vom Fasten überzeugt ist, gibt es auch eine Aktion in seinem Verein, dem 2. Karate Club Bayerwald. Die Kinder verzichten auf Süßes und bekommen dafür Bonuspunkte, um schneller an den nächsten Karate-Gürtel zu kommen. Statt Süßigkeiten sollen sie gesunde Alternativen essen.

"Wir wollen mit der Fastenaktion die Kinder unterstützen und fördern  in Sachen gesunder Ernährung. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie sich ein Ziel vor Augen halten können, sprich das Durchhaltevermögen fördern und natürlich die Disziplin, die ja auch ganz arg zum Karate gehört."

Maximilian Gruber

Nur Flüssignahrung

Ein Klassiker beim Fasten ist der komplette Verzicht auf feste Nahrung. Methoden gibt es viele: mal mit Brühe, mit  Milch und 2 Tage altem Brötchen („Milch-Semmel-Kur“), mit Saft, Tee, Buttermilch oder zum Beispiel mit Haferschleim.
Wer zum ersten Mal fastet, sollte das unbedingt unter Anleitung machen. Wer erkrankt ist, sollte klären, ob er überhaupt fasten darf und sich ärztliche Begleitung suchen.

Mit Fasten Krankheiten vorbeugen

In der Malteser Klinik von Weckbecker in Bad Brückenau, einer Fachklinik für Naturheilverfahren, werden Fastenkuren angeboten. Unter therapeutischer  Begleitung  fasten hier auch viele gesunde Menschen. Das Ziel: Sie wollen Krankheiten vorbeugen. Durch das Fasten spart der Körper die Verdauungsarbeit ein und somit den größten täglichen Energieverbrauch. Der Körper reagiert darauf positiv.

"Der Körper fährt seine Energie und auch Entzündungsprozesse herunter. Es werden eine Reihe von entzündungshemmenden Stoffen freigesetzt, genauso wie schmerzstillende, schmerzhemmende Hormone, das Endorphin zum Beispiel."

Dr. med. Robert Bachmann, Allgemein- und Fastenarzt, Naturheilverfahren, Malteser Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau

Fasten für chronisch Erkrankte

Neben dem präventiven Fasten gibt es noch das sogenannte therapeutische Heilfasten. Wichtige Indikationsgruppen sind entzündliche Rheumatische Erkrankungen und chronische Schmerzerkrankungen, das belegen eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen. Dokumentiert sind nicht nur die subjektive Verbesserung, wie weniger Schmerzen, mehr Beweglichkeit und abnehmende Morgensteifigkeit. Auch die im Blut nachweisbaren Entzündungsparameter werden durch das Heilfasten deutlich reduziert.

Eingesetzt werden kann das Heilfasten bei folgenden Erkrankungen:

  •  Stoffwechselerkrankungen (z.B. Blutfetterhöhung, Diabetes mellitus, Gicht, Übergewicht)
  • Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. Darmentzündung, Darmausbuchtungen, Stuhlverstopfung)
  • Migräne und Kopfschmerzen
  • Erkrankungen der Niere und ableitenden Harnwege (z.B. Blasenentzündung)
  • Herz-Kreislauferkrankungen (Herzkrankgefäßverengung, Bluthochdruck, Arterielle Verschlusskrankheit)
  • Erkrankungen von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse (wie z.B. Hepatitis, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Fettleber)
  • Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden (z.B. Gelenkentzündung und Abnutzung der Gelenke)

Das Ziel des Heilfastens ist eine deutliche Verbesserung der Beschwerden der Patienten. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass durch das Heilfasten Medikamente reduziert, zum Teil auch ganz weggelassen werden können. Da viele Patienten auch nach dem klinischen Fasten ihren Lebensstil ändern, hält die Wirkung bei vielen Patienten an.
Gerlinde Schneider hat schon seit zwei Jahren mit einem Reizdarm zu kämpfen. Bisher hat ihr keine Therapie geholfen. Immer wieder hat sie so starke Schmerzen, dass sie Schmerzmittel nimmt. Durch das Heilfasten soll sich ihr Darm erholen.   

"Beim Heilfasten wird der Darm erstmal ruhig gestellt, er ist ja entzündet, er ist verkrampft, wie ein schmerzhafter Muskel. Er wird erstmal vorsichtig gereinigt, er wird geschont durch das Fasten, das heißt, jetzt kann sich der Darm auch ohne Nahrungszufuhr erholen."

Dr. med. Robert Bachmann, Allgemein- und Fastenarzt, Naturheilverfahren, Malteser Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau

Zwei Wochen lang wird Gerlinde Schneider nur Flüssignahrung zu sich nehmen: Brühe, Gemüsesaft und Tee mit Honig, etwa 250 bis 300 kcal pro Tag.

"Zu empfehlen ist ein Möhrensaft am Morgen, die Carotinoide schützen die Schleimhäute. Eine Brühe am Mittag liefert wichtige Mineralien. Der Tee mit Honig am Abend stabilisiert die Blutzuckerkurve, so dass sich die Patienten gut und leistungsfähig fühlen."

Peter Faulstich, Dipl. oec. troph., Malteser Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau

Die Kohlenhydrate haben aber noch eine weitere Funktion. Würde man sie nicht geben, müsste der Körper sie selbst aufbauen, was er aber nur aus dem Abbau von körpereigenen Eiweißstrukturen kann. Das würde allerdings die Muskulatur betreffen und muss unbedingt verhindert werden. Aus diesen Gründen sollte man sich während des Fastens auch ausreichend bewegen. Dem Abbau von Muskelmasse wird so entgegengewirkt.
Zu Gerlinde Schneiders Heilfastentherapie gehören neben dem strengen „Ernährungsplan“ auch tägliche Bewegung, Anwendungen nach Kneipp, Osteo- und Physiotherapie, Phytotherapie und Stressabbau. Tägliche Leberwickel  entlasten das Entgiftungsorgan. Nach einer Woche Fasten spürt sie schon eine große Veränderung. Die Bauchkrämpfe sind weg, Schmerzmittel braucht sie nicht mehr.   

"Mir geht es so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr, ich hab ein tolles neues  Körpergefühl und hoffe, dass das jetzt in dieser Form so bleibt und so weitergehen kann."

Gerlinde Schneider

Sie hat weder ein Hungergefühl, noch fühlt sie sich während des Fastens geschwächt.  

"Normalerweise zieht der Mensch seine Energie aus der Nahrung, die er zu sich nimmt. Beim Fasten lebt er aus den gespeicherten Reserven und muss keine Verdauungsarbeit leisten. So ist es kein Wunder, dass man sich beim Fasten sehr leistungsfähig fühlt. Zudem ist es so, dass der Körper aus den Reserven genau die Energiemenge zur Verfügung stellt, die man benötigt, während man sich, wenn man sich normal ernährt, oft zu viel isst, was den Stoffwechsel eher belastet. Insofern kann man klar sagen, das Fasten nicht den Stoffwechsel belastet, sondern entlastet."

Peter Faulstich, Dipl. oec. troph., Malteser Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau

Jojo-Effekt– ja oder nein?

Ein netter Nebeneffekt: Gerlinde Schneider hat in einer Woche drei Kilo verloren. Denn nach einer Umstellungsphase wird hauptsächlich gespeichertes Fett verbraucht, der Körper stellt auf eine Ernährung von innen um. Dabei verlieren Fastende tägl. 200-300 Gramm Körpergewicht, Männer etwas mehr als Frauen. Kritiker behaupten, dass durch die Verminderung des Grundumsatzes beim Fasten es zu einer rapiden Gewichtszunahme nach der Nahrungspause kommt. Viele Untersuchungen aber zeigen genau das Gegenteil. Wichtig: ein langsamer Kostaufbau nach dem Fasten und eine Veränderung des bisherigen Lebensstils.

Tipps für das Fasten

  • am besten gelingt Fasten unter fachkundiger Anleitung in einer Gruppe oder Klinik
  • möglichen Stress während des Fastens vermeiden
  • Vorbereitung: Organismus mit 1-2 Entlastungstagen vorbereiten, ca. 600 kcal, überwiegend Kohlenhydrate, kein Fett, wenig Eiweiß, viele Vitamine, Obst, Reis, Hafer
  • Einstieg: Darmentleerung, in der Regel mit 4 Gramm Bittersalz  in einem Viertel Liter warmem Wasser, danach 1 Liter Wasser oder Tee. Dann beginnt die Darmentleerung, die 2-3 Stunden dauert
  • Während des Fastens 3 Liter täglich trinken, der Urin sollte farblos sein
  • Mit Leberwickeln oder einer Wärmflache kann die Leber angeregt und entlastet werden. 
  • Aufbautage: am letzten Fastentag einen Apfel oder eine dicke Suppe essen.  Erster Tag: 800 kcal, zweiter Tag: 1000 kcal und dann nicht zu schnell steigern. Fett und Alkohol in den ersten Tagen unbedingt meiden, tierisches Eiweiß langsam steigern

Vorsicht
Nicht auf feste Nahrung verzichten sollten Kinder, Schwangere und Stillende, außerdem Menschen mit Unterernährung, Mangel- oder Fehlernährung, schwerer Schilddrüsenüberfunktion, fortgeschrittener Leber- und Nierenkrankheit.


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