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Curcuma Ein Gewürz im Fokus der Forschung

Wer gerne indisch isst, weiß Curcuma längst zu schätzen. Aber auch für die Gesundheit ist das Gewürz interessant - in der ayurvedischen Medizin wird es vielseitig angewandt. Münchner Forscher haben Curcumin jetzt untersucht.

Von: Antje Maly-Samiralow

Stand: 21.04.2015

Curcumawurzel und gerieben als Gewürz | Bild: colourbox.com

Liebhaber der indischen Küche kennen und schätzen es – das gelbe Pulver, das in jedes gute Curry gehört: Curcuma, auch als Gelbwurz oder Tumaric bekannt. Die Wurzelknolle gehört zur Familie der Ingwergewächse. Sie wird in Indien und weiten Teilen Südostasiens angebaut.

Curcuma ist jedoch kein starker Geschmacksträger. Das Pulver schmeckt relativ neutral mit einem leichten Hang zum Bitteren. Dass es trotzdem einen festen Platz in der indischen Küche hat, kann zu einem gewissen Teil auf seine intensive, sattgelbe Färbung zurückgeführt werden, die den Speisen ein appetitliches Erscheinungsbild verleiht.

Beliebt wegen Farbe und Wirkung

Alfons Schubeck weiß, wie man mit Curcuma kocht.

Auch Alfons Schuhbeck setzt auf Curcuma, wenn er seine Gewürzmischungen zusammen stellt. Die Gelbwurz gehört zu den Favoriten des Fernsehkochs, und nicht nur der schönen Farbe wegen: Curcuma fördert unter anderem die Produktion von Galle und unterstützt so die Fettverdauung.

Zander auf karibischer Kokosnusssauce | Bild: BR zum Artikel Rezepte von Schuhbeck Curcuma in Höchstform

Alfons Schuhbecks Curcuma-Rezepte gibt es hier zum Nachlesen. Karibischer Zander, eine Suppe mit dem besonderen Gewürz und Gemüsesticks... [mehr]

Positive Wirkungen von Curcuma:

  • fördert Fettverdauung
  • krampflösend
  • fiebersenkend
  • antioxidativ
  • entzündungshemmend
  • schmerzstillend

Wegen seiner vielfältigen Heilwirkungen wird Curcuma in der traditionellen ayurvedischen Medizin bei einer Vielzahl von Krankheitsbildern angewandt.

Krankheiten, bei denen Curcuma angewandt wird:

  • Husten
  • Bronchitis
  • Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Ohrenentzündungen
  • Halsschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Ekzemen
  • Schnittwunden
  • Rheumatische Arthritis

Im Fokus der Forschung: der Farbstoff Kurkumin

Schon seit längerem steht Curcuma auch im Fokus der Forschung. Wissenschaftler schätzen das Potenzial der Pflanze und erhoffen sich davon auch Antworten auf die Krankheiten der westlichen Zivilisation, allen voran: Diabetes, Demenzerkrankungen und Krebs. Das Interesse der Forscher gilt in erster Linie dem gelben Farbstoff des Curcuma, dem Kurkumin.

Zahlreiche Studien lassen erkennen, dass Kurkumin einen Einfluss auf das Wachstum von Tumorzellen hat. So ist beispielsweise bekannt, dass Inder, die regelmäßig Curry essen und somit folglich größere Mengen an Curcumin zu sich nehmen, deutlich seltener an Darmkrebs erkranken als Westeuropäer.

Studien zum Darmkrebs

Eine klinische Studie in den USA widmete sich dem Einfluss von Kurkumin auf Darmkrebs. Untersucht wurden Patienten, die unter einer erblich bedingten adenomatösen Polyposis leiden. Das ist eine Krankheit, bei der sich unzählige Polypen im Dickdarm bilden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit entarten und zu Darmkrebs führen. Diese Patienten bekamen über einen Zeitraum von sechs Monaten eine Kombination aus Curcumin und Quercetin – einem Polyphenol, das unter anderem in Zwiebeln, Äpfeln oder Brokkoli vorkommt .

Die Auswertung zeigte, dass sowohl die Anzahl als auch die Größe der Darmpolypen deutlich reduziert werden konnte. Zwar nahmen an der Studie nur fünf Patienten teil. Aber die Reduzierung der Darmpolypen konnte bei allen fünf Patienten nachgewiesen werden.

Die meisten der bislang abgeschlossenen Studien zur Wirkungsweise von Curcumin auf das Tumorzellwachstum wurden am Tiermodell sowie an Zellkulturen durchgeführt.

Münchner Forschung zu Brust- und Prostatakrebs

In München erforscht ein Wissenschaftsteam unter Leitung von Frau PD Dr. rer. hum. biol. Beatrice Bachmeier das Kurkumin. Das Institut für Labormedizin der LMU München konnte zeigen, dass der Farbstoff die Metastasenbildung sowohl beim Mammakarzinom, also Brustkrebs, als auch beim Prostatakarzinom statistisch signifikant hemmt.

Wo genau zeigt sich die Wirkung von Kurkumin?

Die Forscher untersuchten zunächst im Zellmodell, welche Prozesse der beim Tumorwachstum durch Kurkumin beeinflusst werden können. Sie stellten fest, dass Kurkumin zum einen das Wachsen von Tumorzellen hemmt. Es fördert das natürliche Sterben dieser Zellen begünstigt den sogenannten Zelltod. Somit kann es das unkontrollierte Wachstum von Krebs bremsen. Zum anderen unterbindet Kurkumin bestimmte Prozesse, die dazu führen, dass Tumorzellen in die Blutbahn gelangen können. Sind nämlich Tumorzellen erst einmal in den Blutgefäßen, können sie mit dem Blutstrom in den ganzen Körper gelangen und an anderen Stellen bzw. Organen Metastasen also Tochtergeschwulste bilden.

Aus den im Zellmodell gewonnenen Erkenntnisse stellte Frau PD Dr. Bachmeier zusammen mit ihren Kollegen die Hypothese auf, dass Kurkumin anti-metastatisch wirken könnte.

"Gewürztes Futter" für Nacktmäuse

In einem Experiment injizierten sie Nacktmäusen Prostatakarzinomzellen mit hohem metastatischen Potenzial, um so eine Metastasenbildung im Körper der Mäuse zu provozieren. Die Tiere wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekam Futter, das zu 1% Kurkumin enthielt. Die Kontrollgruppe bekam normales Futter ohne Kurkumin. Nach fünf Wochen wurden die Mäuse getötet und auf eine Metastasenbildung hin untersucht.

Das Ergebnis war verblüffend: In der Gruppe der mit Kurkumin gefütterten Mäuse waren ganze fünf Tiere frei von Metastasen, sechs Mäuse entwickelten nur wenige und lediglich vier Tiere hatten mehr Metastasen gebildet. In der Kontrollgruppe, die normales Futter ohne Curcumin zu fressen bekam, hatten hingegen alle Tiere Metastasen gebildet und zwar deutlich mehr als bei den „Kurkumin-Mäusen“.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Curcumin die Metastasenbildung tatsächlich verhindert. Zu ähnlichen Ergebnissen ist Frau PD Dr. Bachmeier auch gekommen, als sie in einem vorangegangenen Experiment Nacktmäusen Mammakarzinom-Zellen mit metastatischem Potenzial injiziert hatte. Auch hier konnte gezeigt werden, dass Kurkumin die Metastasierung deutlich hemmt.

Große Hoffnung für den Menschen

Zwar können Ergebnisse aus Tiermodellen nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen werden. Dennoch ist die Hoffnung groß, dass Curcumin auch beim Menschen das Tumorzellwachstum und die Bildung von Metastasen hemmen oder vielleicht sogar der Entstehung eines bösartigen Tumors vorbeugen kann.

Um entsprechende Empfehlungen – auch im Hinblick auf Dosierung, Dauer und Art der Anwendung – geben zu können, bedarf es jedoch noch weiterer klinischer Studien.

Die Forschung in München geht weiter

In ihrer jüngsten Forschungsarbeit entdeckte Frau Dr. Bachmeier einen Biomarker, der in Zukunft helfen könnte, zu überprüfen, ob Krebspatienten von der Einnahme von Curcumin profitieren oder nicht.

Am Zentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde am Klinikum rechts der Isar der TU München wird Kurkumin als begleitende Therapie bei unterschiedlichen Krankheiten eingesetzt.

Curcuma-Rezepte von Alfons Schuhbeck – Wirksam und lecker

Für alle, die die antientzündliche Wirkung des gelben Pulvers für ihre Gesunderhaltung nutzen und dabei schlemmen wollen, hat Alfons Schuhbeck seine Rezepte zum Nachkochen zusammen gestellt:


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