BR Fernsehen - Gesundheit!


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Gesundes Tanzen? Fit mit Tango Argentino

Musik, Temperament und pure Leidenschaft: All das ist der besonders gefühlvolle Tango Argentino. Paartanz ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch noch gut für die Gesundheit! Reporterin Veronika Keller schwingt das Tanzbein.

Von: Manuel Steiger

Stand: 07.05.2019

Heute geht es um etwas, das Gesundheit! Reporterin Veronika Keller schon lange fasziniert: Tango. Tango tanzen sieht nicht nur schön aus und macht richtig Spaß, es kann auch noch gesund sein. Deshalb will Veronika es einfach einmal ausprobieren, zum Beispiel in der Tangoschule „Lo de Laura“ mit Tanzlehrer ist Ulrich Avenarius. Von ihm möchte sie wissen, was den Tango so leidenschaftlich macht. Wofür steht der Tango Argentino?

"Es hat definitiv was Sinnliches. Erotik entsteht beim Tanzen eher weniger. In der direkten Form entsteht eine sehr harmonische Verbindung. Wenn man auf ein Tangofest, eine Milonga, geht, dann umarmte man eben seinen Partner zwei bis drei Stunden lang. Also man wechselt beim Tango schon den Partner, aber man weiß, mit wem man gerne tanzt."

Ulrich Avenarius, Tanzlehrer München

Tango: lebendiges Kulturerbe

Der Tango ist dank der UNESCO sogar Kulturerbe der Menschheit. Dabei geht es aber nicht um das sture Auswendiglernen von Schritten, sondern vielmehr um die Nähe zum Tanzpartner. Mit dabei heute ist Rosalia.

"Also im Lo de Laura ist es immer so, dass wir zu zweit unterrichten. Selbst wenn wir nur ganz wenige Schüler sind, einfach weil die Beziehung im Paar so wichtig ist."

Ulrich Avenarius, Tanzlehrer München

"Tango ist dabei kein Tanz, bei dem es um Perfektion geht. Es geht vor allem um Körperbewusstsein: sich gegenseitig spüren, kommunizieren und Spaß haben. Wir haben heute sogar noch etwas Besonderes, eine Milonga, ein Tangofest."

Rosalia Delfina, Tanzlehrerin München

Tango Argentino: Spaß und Freude auch für Anfänger

Die richtigen Schuhe hat Reporterin Veronika Keller inzwischen angezogen, es kann losgehen. Als Partner tanzt sie heute zuerst mit Florian. Sie ist, als blutige Anfängerin, etwas aufgeregt, ähnlich wie auch Florian. Tanzen ist erst zuerst einmal eine Frage der Koordination. Sehnen und Bänder werden durch die Belastung stärker durchblutet. Und auch der Hormonhaushalt verändert sich. Arzt und Neurowissenschaftler Oliver Seemann tanzt selbst seit drei Jahren Tango. Was passiert dabei im Kopf?

"Das Charakteristische am Tango ist ja diese Umarmung. Dabei wird im Gehirn das Hormon Oxytocin freigesetzt, das so genannte Kuschelhormon. Das wird freigesetzt bei jeder Form von angenehmer Berührung.  Und es sind bestimmte Rhythmen, die im Gehirn Resonanzen erzeugen. Es werden auch Endorphine freigesetzt. Wenn man also länger tanzt, sind auch durchaus auch einmal körperliche Schmerzen weg. Ich würde ungern ohne Tango weiterleben."

Dr. med. Oliver Seemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Tango lässt Hormone tanzen

Diese Veränderung des Hormonhaushaltes durch den Tango haben übrigens auch schon mehrere internationale Studien untersucht. Das Ergebnis: Der Tango macht uns glücklich, egal, ob Mann oder Frau. Ulrich zeigt Veronika nun noch die letzten Schritte, die sie für die heutige Milonga braucht.

"Ein Schritt ist der Ocho. Eine Ocho-Bewegung, du wirst es gleich merken. Ich führe dich zur Seite, drehe dich. Du gehst vorwärts und vorwärts. Ich wechsle wieder das Gewicht und wir gehen raus. Um sich wirklich beim Tanzen wohlzufühlen, braucht man als Mann ungefähr ein halbes Jahr und als Frau kann das gleich am Anfang funktionieren oder vielleicht nach drei Monaten."

Ulrich Avenarius, Tanzlehrer München

Tanzen gegen Demenz

Gesundheit! Reporterin Veronika Keller besucht das Musik- und Tanzcafé der Alzheimer Gesellschaft München. Hier treffen sich Demenzkranke und deren Angehörige zum Tanzen. Immer am letzten Freitag im Monat tanzen die Senioren im Alten-und Service Zentrum Altstadt. Getanzt wird weniger Tango, sondern eher Standardtänze. Das Erstaunliche: Für Gesundheit! Reporterin Veronika Keller ist kaum erkennbar, wer nun unter Demenz leidet und wer nicht. Die Stimmung hier ist prima, meinen alle Tänzerinnen und Tänzer.

"Das ist schon ziemlich toll. Weil jeder sich traut, einen zu packen. Das ist schon gut. Das ist gut für die älteren Leute, die können sich da jugendlich fühlen. Das ist echt schön, und ich fühle mich toll, wenn ich nach Hause gehe."

Tänzerin mit Demenzerkrankung

Tanzen beugt Demenz vor

Tanzen wirkt übrigens wesentlich stimulierender auf das Gehirn als Kreuzworträtsel oder einfaches Lesen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Tanzen das Demenzrisiko um bis zu 76 Prozent senkt. Viele Teilnehmer haben eine Demenz im Anfangsstadium. Doch Iris Gorke von der Alzheimer Gesellschaft weiß: Tanzen kann auch bei schwer erkrankten Patienten helfen.

"Tanzen ist etwas, das erreicht den Menschen auf ganz vielen Ebenen. Also wenn ich tanze, dann bewege ich mich. Ich werde Musik, und ich setzte sie um in Bewegung. Ich bewege vielleicht auch meinen Partner. Ich bin also auch in Kontakt. Was auch wirklich zählt, ist der Moment. Ich erinnere mich in dem Moment. Mir geht es in dem Moment gut und das ist auch das Wichtigste für die Betroffenen."

Iris Gorke, Alzheimer Gesellschaft München

Tango: Auf zur Milonga

Zurück im Tangostudio steht die große Bewährungsprobe für Reporterin Veronika an, ihre erste Milonga, also Tangoparty. Mit Florian hat sie fleißig trainiert. Auch Ulrich lässt es sich nicht nehmen, ihre Tangokünste zu überprüfen. Schnell ist die Unsicherheit verflogen und sie hat richtig gute Laune. Irgendwie scheint das Tanzen doch glücklich zu machen, auch wenn es zu Beginn mit all den neuen Bewegungen und Koordinationen eine überraschende Herausforderung für den Kopf sein kann. Auf jeden Fall lohnt es sich, es selbst einmal auszuprobieren!


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