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Menstruation & Gesundheit Sind Tampons wirklich ungefährlich?

Eine Frau hat in ihrem Leben etwa 2000 Tage lang ihre Periode. Viele greifen dann auf Tampons zurück. Aber woraus besteht der Hygieneartikel eigentlich? Drei Tampon-Mythen im Check.

Von: Christina Schmitt und Julia Schweinberger

Stand: 19.03.2018

“Sicher und sauber” - so wurde DIE Erfindung in den 50er Jahren beworben: Der Tampon. Heute ist der Tampon nicht mehr aus dem täglichen Leben wegzudenken. Die meisten Frauen in Deutschland benutzen ihn regelmäßig.  So verbraucht eine Frau bis zu 12.000 Tampons in ihrem Leben. Doch ist das wirklich unschädlich? Schließlich tragen Frauen den Tampon für mehrere Stunden am Tag in sich, direkt an den besonders empfindlichen Schleimhäuten.
Wer im Internet recherchiert, der stellt schnell fest: Auch andere machen sich darüber Gedanken. Und es gibt viele Vorurteile um den Tampon. Manche Medien und Websites warnen sogar vor ihm. Was aber stimmt? Hier die drei wichtigsten Mythen im Check.

Mythos 1: Tampons sind krebserregend.

Mit Schadstoffen in Tampons beschäftigt sich unter anderem der Blog „Erdbeerwoche“ aus Wien. Die Macherin des Blogs, Bettina Steinbrugger, betreibt Aufklärungsprojekte, die unter anderen vom österreichischen Staat gefördert werden. Sie findet, Frauen sollten sich vielmehr überlegen, was sie da benutzen und kritisiert: die Schadstoffgrenze von Tampons ist dieselbe wie die von Taschentüchern.

"Aus unserer Sicht macht es einen Unterschied, ob ich für ein paar Sekunden in ein Taschentuch hinein schnäuze oder ob ich ein Produkt wie den Tampon eigentlich mehrere Tage in Monat im Körper an den Schleimhäuten trage."

Bettina Steinbrugger, Erdbeerwoche.com

Man müsse sich trauen auch bei einem Tabuthema wie der Menstruation genau hinzusehen und über die Inhaltsstoffe der Hygieneprodukte sprechen.

Ein gewöhnlicher Tampon besteht aus Viskose. Das Bändchen aus Kunststoff oder Baumwolle. Kritiker mahnen: In einem Baumwollfaden könnte, sofern es kein Bio-Tampon ist, Glyphosat zu finden sein und in der Tamponwatte Dioxin. Beides steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Krebserregende Stoffe? Öko-Test und BfR haben Tampons untersucht

Genauere Informationen hat Ökotest aus Frankfurt. Dort hat man bereits 2009 in mehreren Tampon-Marken Dioxin gefunden. Eine aktuelle, neue Untersuchung ist von 2017. Jürgen Stellpflug, Chefredakteur von Ökotest, gibt Entwarnung.

"Bis auf einen Fall - wo wir halogenorganische Verbindungen gefunden haben, sind alle von uns untersuchten Tampons schadstofffrei."

Jürgen Stellpflug, Ökotest, Frankfurt

Die Tamponhersteller hätten seit dem letzten Test 2009 nachgebessert, so Stellpflug, sodass fast alle Tamponmarken mit einem sehr gut bewertet worden seien.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung prüft regelmäßig, inwiefern Produkte gesundheitsschädlich sein könnten. Auf Anfrage des BR zum Thema, schreibt es:

"Es können Pestizidrückstände nicht ausgeschlossen werden. ... Das BfR ( ...) kam zu dem Ergebnis, dass die gemessenen Gehalte kein gesundheitliches Risiko darstellten."

Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR  

Rückstände können zwar nicht ausgeschlossen werden - doch sind sie inzwischen so selten und gering, dass es unwahrscheinlich ist, von Tampons Krebs zu bekommen.
Fazit: Mythos 1 hat sich nicht bestätigt.

Mythos 2: Tampons können tödlich sein

US-Model Lauren Wasser wäre fast gestorben, hätte man ihr nicht die Beine amputiert. Wegen eines Tampons bekam sie das sogenannte toxische Schocksyndrom. Töten Tampons?Ärztin Helga Schwarz von der Beratungsstelle Pro Familia kann genauer erklären, wie gefährlich das Toxische Schocksyndrom wirklich ist.  Es tritt zum Beispiel auf, wenn man  Tampons zu lange trägt. Dann können Giftstoffe (Toxine) freiwerden, die sich extrem schnell im Körper verbreiten.

"Das kann erst einmal aussehen wie Grippe oder ein Hautausschlag. Und dann geht es relativ rasant: Es kann mit Durchfall und Erbrechen weitergehen und Kreislaufschwäche."

Helga Schwarz, Ärztin, Pro Familia München

Im schlimmsten Fall führt es zum Tod. Allerdings gibt Schwarz Entwarnung: Das Toxische Schocksyndrom sei eine sehr seltene Erkrankung, die nicht nur Frauen bekommen können, die Tampons tragen, sondern auch Männer und Kinder.

"Über jede eiternde Wunde können solche Toxine freigesetzt werden. Und es ist dazu ein sehr seltenes Phänomen."

Helga Schwarz, Ärztin, Pro Familia München

Man kann das Risiko zusätzlich minimieren, indem man Tampons alle sechs Stunden wechselt.
Fazit: Der Mythos ist zwar richtig. Aber die Wahrscheinlichkeit an einem Tampon zu sterben, ist sehr gering.

Mythos 3: Tampons schaden der Scheidenflora

Ein Problem, das vor allem am Ende der Periode auftritt. Der Tampon saugt sich nicht richtig voll, sodass beim Herausziehen Watte-Rückstände zurückbleiben. Wie sehr schaden Tampons dem Scheidenmilieu?

"Sie müssen sich vorstellen, die Tampons saugen ja nicht nur das Blut, sondern auch Flüssigkeit auf, die normalerweise die Scheidenwände auskleidet. Das trocknet aus und kann dann dazu führen, dass die Schleimhaut nach der Periode anfälliger ist für Infektionen oder Pilze."

Helga Schwarz, Ärztin, Pro Familia München

Hausmittel gegen Pilzinfektionen: Tampon in Joghurt getränkt.

Ein Hausmittel, um Pilzinfektionen zu verhindern: Nach der Periode einen in Joghurt getränkten Tampon verwenden.
Fazit: Mythos 3 bestätigt!

Alternativen zu Tampons: Naturschwamm und Menstruationstasse

Zwei von drei Mythen haben sich nicht bestätigt. Frauen müssen sich also erst einmal keine Sorgen um krebserregende Stoffe in Tampons oder das Toxische Schocksyndrom machen. Wer sich dennoch vom Tampon verabschieden will, dem bieten sich neben herkömmlichen Binden noch vielmehr Alternativen, wie die Menstruationstasse oder ein Naturschwamm. Die sind nicht nur langlebiger als ein Tampon – sondern sparen auch viel Müll.


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