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Tai-Chi Heilsame Bewegungsmeditation für Körper und Geist

Tai-Chi ist faszinierend vielfältig: Die ruhigen und fließenden Bewegungen entspannen den ganzen Körper und wirken auf eine sanfte Art heilend. Gesundheit! gibt einen Einblick in die Kunst dieses alten chinesischen Volkssports, der inzwischen sogar an der Universität in Bayreuth unterrichtet wird.

Von: Peter Künzel

Stand: 20.07.2020

Ist Tai Chi jetzt Kampfkunst oder Gymnastik oder gar Meditation? Es ist eine Mischung aus verschiedenen Aspekten. Erstmal ist Tai Chi ein stilisierter Kampf mit einem imaginären Gegner und gilt insofern auch als Kampfkunst.

Reporterin Veronika Keller in einer Münchner Tai-Chi-Schule

Die Bewegungsabläufe, die zu jeder Bewegung die Gegenbewegung einschließen, stehen für das Wechselspiel der Kräfte im Körper, wie Yin und Yang, also zum Beispiel Spannung und Entspannung. So vereint Tai Chi die Idee eines Kampfes mit gymnastischen und meditativen Komponenten zu einer heilsamen Bewegungsmeditation.

Tai-Chi: physische und psychische Entspannung

Die Ursprünge dieser chinesischen Kampfkunst liegen möglicherweise schon 4500 Jahre zurück. Kaiser Huang-di - dessen Dynastie 2500 vor Christus begann - hat sich sehr für die Gesundheit seines Volkes und auch die Heilkünste interessiert. In diesem Zusammenhang soll er auch kultische Tänze als Gesundheitssport angeregt haben. Historiker vermuten in dieser Zeit den Ursprung von Tai-Chi. 

Tatsächlich ist die positive gesundheitliche Wirkung inzwischen erwiesen. Tai-Chi kann zu physischer wie auch psychischer Entspannung beitragen.

Das Erlernen der neuen Übungen erfordert hohe Konzentration auf die Koordination der Bewegungsabläufe. Dabei wird die Aktivität des Großhirns auf die motorischen Zentren gelenkt, alle anderen Areale können sich entspannen. Weil die Übungen sehr langsam und fließend ausgeführt werden, wird die Atmung ruhiger.

Tai-Chi: gut für die Haltung und den Rücken

Durch die Bewegungen werden gezielt auch die inneren Organe massiert. Durch den so aktivierten Stoffwechsel wird auch die Funktion vieler inneren Organe verbessert. Ebenfalls wird durch diese sanften Bewegungen das Verdauungssystem angeregt und der Kreislauf stabilisiert.

Auch Haltungsschäden können durch regelmäßige Tai-Chi-Praxis ausgeglichen werden und die Wirbelsäule wird immer beweglicher.

Tai-Chi ist vielleicht eine der schonendsten Arten Muskeln aufzubauen und dabei auch die Gelenke zu stärken ohne sie zu überlasten.

Über hundert verschiedene Übungen

Tai-Chi-Lehrerin Dr. Caroline Roblitschka, WuYuan Schule für Kungfu, Taiji und Qigong, München

Es empfiehlt sich allerdings, den Einstieg mit einem erfahrenen Lehrer anzugehen, da es im Tai-Chi mehr als hundert verschiedene Bewegungen gibt. Sie werden wie in Zeitlupe und gleichmäßig fließend geübt. Für die Wirkung ist es wichtig, die Übungen gut zu erlernen, um sich zu Beginn keine falschen Bewegungen anzugewöhnen.Für eine optimale Wirkung, sollte man täglich 20 bis 30 Minuten üben.

Tai-Chi hat nicht sportliche Höchstleistungen zum Ziel, es geht vielmehr um den schonenden Erhalt der Gesundheit und um körperliche sowie geistige Erholung.

Tai-Chi bei Multipler Sklerose

In der chinesischen Heilkunde der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Tai-Chi auch therapeutisch eingesetzt. Auch in Deutschland findet sich Tai-Chi immer öfter in der Rehabilitation oder in Therapien. In einer Studie der Universität Bayreuth wurde zum Beispiel die therapeutische Wirksamkeit von Thai-Chi bei Menschen mit Multipler Sklerose untersucht. Das Ergebnis:

"Wir haben auf fünf Faktoren positive Einflüsse sehen können: auf das Gleichgewichtsgefühl, die Koordinationsfähigkeit, Fatigue, Depression und auf die Lebenszufriedenheit."

Prof. Dr. Peter Kuhn, Lehrstuhl für Sportwissenschaften, Universität Bayreuth

Die chinesische Bewegungsmeditation vereint also vielfältig positive Effekte auf Körper und Geist und ist praktisch für jeden Menschen, egal wie jung oder alt, zu erlernen.


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