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Ernährung Süßkartoffel oder Kartoffel – Welche Knolle ist gesünder?

In keinem modernen Kochbuch darf sie fehlen: die Süßkartoffel. Von Trendfood oder Superfood ist die Rede. Aber hält das exotische Gemüse, was es verspricht? Gesundheit! über das Duell zweier Super-Knollen: Süßkartoffel versus Kartoffel.

Von: Susanne Wimmer

Stand: 20.04.2021

Die gute alte Kartoffel hat es nicht leicht. Seit einigen Jahren versucht ihr die exotische Süßkartoffel den Rang streitig zu machen. Dabei haben die beiden botanisch überhaupt nichts miteinander zu tun. Die Kartoffel zählt zu den Nachtschattengewächsen, die Süßkartoffel ist eine Windenpflanze und wird auch Batate genannt. Aber den direkten Vergleich muss keine der beiden scheuen.

Energiegehalt

Energetisch gesehen ist die Kartoffel das Leichtgewicht. 76 Kilokalorien gegen ganze 117 bei der Süßkartoffel. Klarer Fall, in der Exotin stecken deutlich mehr Kohlenhydrate und, wie der Name vermuten lässt, auch mehr Zucker.

Stolze fünf Gramm Gesamtzucker kommen hier auf 100 Gramm. Bei der Kartoffel liegt der Wert bei unter einem Gramm. Als Schlankmacher legt die Kartoffel noch eins drauf: Punktet nicht nur mit weniger Kohlenhydraten, sondern auch mit resistenter Stärke. Das macht sie unter anderem für Diabetiker interessant.

"Durch diesen Kochprozeß und dieses Abkühlen verändert sich die Stärke so, dass die Stärke sozusagen weniger verdaut wird, das heißt, sie wird vom Verdauungssystem wie ein Ballaststoff behandelt."

Agnes Streber, Ökotrophologin, München

Auch wenn die Süßkartoffel da nicht mithalten kann, zieht sie für Strebers Kollegin Nina Helleberg gleich: Durch ihren niedrigeren glykämischen Index.

"Das führt dazu, dass der Blutzucker-Spiegel langsamer ansteigt und dementsprechend hat man weniger Heißhunger-Attacken, ist länger satt."

Nina Helleberg, Ernährungswissenschaftlerin, München

Verfügbarkeit

55 Kilo Kartoffeln essen wir pro Jahr. Für das Grundnahrungsmittel gilt der ermäßigte Mehrwert-Steuersatz von sieben Prozent. Das macht sie für jedermann erschwinglich. Die Süßkartoffel wird als Luxusgut mit 19 Prozent versteuert. Für Agnes Streber ein Grund mehr, zur Kartoffel zu greifen.

"Bei der Kartoffel hat man eine große Vielfalt: Mehlig, festkochend. Und die Anwendbarkeit: von Püree bis Gratin, bis Auflauf. Das ist wirklich auch aromatisch eine sehr große Vielfalt, die wir da haben."

Agnes Streber, Ökotrophologin, München

Kartoffeln sind regional und nachhaltig

Kartoffeln sind nahezu 100 Prozent regional und somit nachhaltig. Die Knollen, die Landwirt Michael Pabst jetzt Mitte April anpflanzt, werden in Supermärkten im Umkreis von maximal 40 Kilometern verkauft.

"Die ist ans Klima angepasst. Wir haben nicht wie bei den Süßkartoffeln, dass wir künstlich eine Folie brauchen, um die Temperatur hochhalten oder bewässern müssen."

Michael Pabst, Landwirt Vierkirchen, Landkreis Dachau

Die Süßkartoffel hingegen wird in der Regel importiert. Hauptanbauland ist China. In Europa wird sie vor allem in Portugal, Spanien oder Italien angebaut, da sie ein subtropisches bis tropisches Klima benötigt. Doch auch in Deutschland gibt es immer mehr Anbauversuche. Aufgrund der kühlen Bodentemperaturen kommt die exotische Knolle hier jedoch erst ab Anfang Juni aufs Feld.

Vitamine und Mineralstoffe

Ihre rötliche Farbe zeigt es bereits: Die Süßkartoffel strotzt nur so vor Beta-Carotin, das der Körper in Vitamin A umwandelt. Am besten wird es aufgenommen, wenn die Süßkartoffeln mit etwas Fett gegessen werden. Ein ideales und sehr schnell zubereitetes Gericht ist daher Süßkartoffel-Püree mit einem Stich Butter oder Öl.

Auch bei den Vitaminen C und E hat die Exotin eindeutig die Nase vorn, bei Letzterem ist der Wert gar 90 Mal höher. Die Kartoffel hingegen punktet mit ihrem höheren Folsäure-Gehalt. Der kommt bei einem Kartoffel-Joghurt-Brotaufstrich gut zur Geltung.  Außerdem führt die Kartoffel bei den Mineralstoffen Kalium, Magnesium und Zink. Die Süßkartoffel allerdings hat noch einen Trumpf: Calcium. Hier bietet sie das Dreifache der Kartoffel.

"Das ist natürlich besonders spannend für alle, die sich vegan ernähren und vor allem auf den Calcium-Haushalt achten sollten. Kann man eben super kombinieren in Süßkartoffel-Brownies."

Nina Helleberg, Ernährungswissenschaftlerin, München

Einsatzmöglichkeiten

Ob roh oder gekocht, geraspelt in einem Salat, herzhaft oder süß in Waffeln oder Brownies – hier ist die Süßkartoffel unschlagbar. Ein weiteres Plus: Die Garzeit ist um etwa ein Drittel kürzer als bei Kartoffeln. Denn eins ist ganz wichtig: Kartoffeln müssen vor dem Verzehr gekocht werden. Doch auch sie sind sehr vielseitig einsetzbar: von Ofenkartoffeln über Gratin oder Knödel bis hin zu Schupfnudeln, Kartoffelsalat oder einem Pellkartoffel-Kuchen mit Nüssen.

Fazit

Ernährungsphysiologisch sind beide Knollen top. Wer auf den Zuckerkonsum achten muss, sollte häufiger zur Kartoffel greifen. Für beide gilt: Durch die Zubereitungsart haben wir es selbst in der Hand, wie hoch der ursprünglich niedrige Energiegehalt ansteigt.


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