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Aktuelle Studien Bluthochdruck erhöht Demenz-Risiko

Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen nimmt in Deutschland stetig zu. Ein bislang unterschätzter, aber entscheidender Risikofaktor für die Entstehung von Demenz ist offenbar Bluthochdruck.

Von: Anna Schubert

Stand: 06.07.2021

Studien weisen darauf hin, dass bereits geringfügig erhöhte Blutdruckwerte das Demenz-Risiko erhöhen können. In Deutschland gilt ein Blutdruck ab 140 zu 90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) als krankhaft.

Ursachen für eine vaskuläre Demenz

Dauerhaft erhöhter Blutdruck kann zu chronischen Durchblutungsstörungen im Gehirn führen. Durch Gefäßveränderungen kann eine vaskuläre Demenz entstehen. Dafür gibt es drei Ursachen:

  • Mini-Schlaganfälle: Sie ereignen sich in den Enden der kleinsten Blutgefäße. Wie bei einem großen Schlaganfall verstopft ein Pfropf aus Kalk oder geronnenem Blut das Gefäß. Mini-Schlaganfälle zerstören Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die betroffene Hirnregion erhält immer weniger Sauerstoff und Gewebe stirbt ab. Es entstehen Mikroverletzungen im Gehirn.
  • Mikro-Blutungen: Dabei treten winzige Blutmengen aus den Gefäßen aus. Die Betroffenen bemerken davon nichts, doch auf Dauer schädigen die Blutungen das Gehirngewebe und beeinträchtigen die Gehirnleistung.
  • Schädigungen der Blut-Hirn-Schranke: Bei einem zu hohen Blutdruck können winzige Eiweißpartikel durch die Gefäßwand gelangen, dadurch sterben Zellen im Gehirn ab.

Studie: Gehirnschädigung durch Bluthochdruck

In einer Studie haben Forscher und Mediziner des Leipziger Max-Planck-Instituts Kernspintomografien der Gehirne von mehr als 400 Probanden ausgewertet. Keiner der Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren hatte bis dahin einen diagnostizierten Bluthochdruck. Das Ergebnis überrascht: Schon bei Menschen mit niedrigen oder normalen Blutdruckwerten konnten die Experten Veränderungen sehen.

Es gab ähnliche Muster auf den MRT-Bildern wie bei älteren Menschen, die schon länger Bluthochdruck haben. Die Forscher sahen dabei keine Verletzungen, sondern eine Reduzierung des Gehirns - auch in den Bereichen, in denen das Gedächtnis liegt. Je höher der Blutdruck war, desto geringer war die Gehirnmasse. Die Anzeichen sind allerdings noch kein Beweis. Denn es ist unklar, ob die sichtbaren strukturellen Veränderungen des Gehirns tatsächlich eine Demenz zur Folge haben werden. Um das herauszufinden, sind weitere Studien nötig.

Experten zu Thema

Prof. Dr. Götz Thomalla, Leitender Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Kopf- und Neurozentrum 
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Neues Klinikum O 10, 2. OG
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr.  Arno Villinger, Direktor der Abteilung Neurologie
Dr. Lina Schaare, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Max-Planck-Institut – für Kognitions- und Neurowissenschaften
Stephanstraße 1A
04103 Leipzig
www.cbs.mpg.de

Weitere Informationen
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