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Gelenke Wichtiger Stabilitätsfaktor im Sprunggelenk: Die Syndesmose

Kaum einer kennt die Syndesmose, eine wichtige Bandstruktur im oberen Sprunggelenk. Die Bänder halten Waden- und Schienbein zusammen. Ist ein Band gerissen, wird das Gelenk instabil, was zu einer Arthrose führen kann – eine Operation des gerissenen Bandes ist deswegen meist unumgänglich.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 05.10.2020

Einmal unglücklich umgeknickt beim Wandern oder den Fuß verdreht am Bordstein, ein Foul beim Fußballspiel: Eine Verletzung an der Syndesmose kann jeden treffen. Berühmte Beispiele aus der Sportwelt sind etwa die Fußballer Marco Reus, Franck Ribery oder Michael Ballack – der verpasste 2010 unter anderem wegen eines Teilrisses der vorderen Syndesmose die Weltmeisterschaft in Südafrika.

Gerissene Syndesmose führt zu Instabilität

Die Syndesmose ist eine wichtige Bandstruktur, die das Waden- und Schienbein miteinander verbindet und aus drei Teilen besteht: dem vorderen, dem hinteren und dem zentralen Syndesmoseband. Die Bänder sind verantwortlich für die Stabilität der Sprunggelenksgabel.

"Wenn die Syndesmose gerissen und instabil ist, dann schlägt das Sprungbein in der Sprunggelenksgabel. Das ist eine atypische Belastung und führt relativ schnell zu degenerativen Veränderungen bis hin zu einer schweren Sprunggelenk-Arthrose."

Prof. Markus Walther, Chefarzt Fachzentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Schön Klinik München

Eine Syndesmoseverletzung kommt selten alleine

Markus Walther operiert regelmäßig gerissene Syndesmosebänder, meistens ist das vordere Band betroffen. Oft gehen mit der Syndesmoseverletzung noch andere (teil)gerissene Innen- oder Außenbänder einher, auch in Kombination mit Knochenbrüchen ist ein Riss des Syndesmosebands häufig, sagt Walther.

Auf seinem OP-Tisch liegt heute Robert Kachel. Der 54-Jährige ist beim Gleitschirmfliegen aus 20 Metern abgestürzt, gebremst wurde der Sturz nur von einem Baum. „Als ich am Boden aufgeschlagen bin, habe ich gedacht, es ist alles vorbei. Ich bin gottfroh, dass ich das überlebt habe und nur den Knöchel zerstört habe“, sagt Kachel.

Operation: Spezieller Faden verbindet Schien- und Wadenbein

Innenbänder, Außenbänder und das vordere Syndesmoseband im rechten Fuß sind gerissen, der Fuß ist instabil und schmerzt, eine Operation ist unausweichlich. Da die vordere Syndesmose ein kurzes Band ist, können dort nicht ausreichend stabile Fäden eingesetzt werden, erklärt Fußspezialist Markus Walther: „Darum braucht es immer eine zusätzliche Stabilisierung. Entweder mittels einer Stellschraube oder eines dynamischen Fixationssystems.“

Bei Robert Kachels Fuß kommt das Fixationssystem zum Einsatz: Der Chirurg bohrt einen Kanal in Schien- und Wadenbein. Durch den Bohrkanal wird dann ein spezieller Faden gezogen, der stellt eine stabile Verbindung zwischen den Knochen her. Im Anschluss werden das gerissene Syndesmoseband sowie die Innen- und Außenbänder genäht.

Syndemosebandverletzung: Entlastung und Pause für den Fuß

Die ersten sechs Wochen nach der Operation darf Robert Kachel den Fuß nur eingeschränkt bewegen, muss nachts eine Gipsschiene und für unterwegs einen Spezialschuh tragen, er darf den Fuß nur teilbelasten und benötigt Krücken – nur so können die operierten Bänder in Ruhe verheilen. Erst danach kann auf eine stabile Bandage gewechselt und die Belastung sukzessive gesteigert werden.

Kräftigende Übungen helfen präventiv

Wichtig ist dann auch eine gute Rehabilitation mit Physiotherapie: Der Fuß muss schnellstmöglich wieder beweglich gemacht werden, erklärt Sporttherapeut Kevin Hingerl. Im Corox Therapiezentrum in Edling (Landkreis Rosenheim) betreut Hingerl viele Patienten mit Fußverletzungen, so auch Beatrice Beau. Sie hatte sich einen Riss der vorderen Syndesmose zugezogen, als sie beim Wandern unglücklich ausgerutscht war. Seit einigen Wochen trainiert sie den operierten linken Fuß, um ihn wieder fit für den Alltag zu machen.

Eine wichtige Übung ist etwa der Einbeinstand auf einem unebenen Untergrund, zum Beispiel auf einem weichen Balance-Pad oder einem Handtuch. „Da hat man die Bewegung, bei der das Sprunggelenk sehr viel arbeiten muss“, erklärt Sporttherapeut Hingerl. Auch die Muskeln um das Sprunggelenk herum würden so gekräftigt. Diese und ähnliche Übungen, etwa das Absenken und Hochdrücken des Fußes an einer Treppenstufenkante, sind nicht nur nach einer Operation wichtig, sie wirken auch präventiv: Je öfter solche Übungen gemacht werden, umso beweglicher und koordinierter ist das Sprunggelenk – so kann einem unglücklichen Umknicken und damit einem Riss eines Bandes vorgebeugt werden.


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