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Herzinsuffizienz Welchen Sport kann man bei Herzschwäche ausüben?

Fast vier Millionen Menschen in Deutschland sind von Herzinsuffizienz betroffen. Reporter Fero Andersen trainiert bei einer speziellen Sportgruppe mit und erfährt, warum Bewegung bei Herzpatienten angemessen dosiert werden muss.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 19.04.2021

"Wir stärken heute unseren wichtigsten Muskel – das Herz. Das ist eine ganz spezielle Trainingsgruppe hier für Menschen mit Herzschwäche und ich möchte heute erfahren, wie sieht denn eigentlich deren Alltag aus und warum ist Sport dabei so wichtig."

Reporter Fero Andersen

Für unsere Sendung trainiert nur ein Teil der Herzgruppe in Bernried am Starnberger See, aufgrund der aktuellen Corona-Situation. Dabei sind Hans-Peter, Stephan, Margarete und Bernhard. Alle haben gemerkt, dass durch ihre Herzschwäche ihre Leistungsfähigkeit etwas geringer ist. Stephan hatte zwei Bypass-Operationen: "Ich habe wieder von vorne angefangen meinen Kreislauf in die Höhe zu bringen und die Belastung sukzessive zu steigern."

Das ist wichtig, um nach Herzerkrankungen und Operationen wieder fit zu werden. Übungsleiterin Dr. Petra Pfaffel kombiniert bei den Übungen Koordination, Kräftigung und Ausdauer.

Kleine Übungen langsam steigern

Die Armmuskulatur braucht man im Alltag häufig, um beispielsweise Einkaufstaschen zu tragen. Das Gewicht einer Wasserflache kann langsam gesteigert werden – mit einem halben Liter anfangen. Die Übung kann auch im Sitzen ausgeführt werden.

"Patienten mit Herzschwäche verbinden Bewegung mit etwas ganz Negativem, werden da weniger und weniger in die Bewegung gehen und dann setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang. Man kann fast sagen, Bewegung wirkt ja wie ein Medikament. Wenn ich das richtig dosiert und eingepasst einnehme, dann habe ich nicht mal Nebenwirkungen."

Dr. phil. Petra Pfaffel, Diplom-Sportlehrerin für Präventions- und Rehabilitationssport, Herz-LAG Bayern

Das Herz ist ein Muskel, der Blut in die Organe pumpt und diese mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Nimmt die Pumpleistung ab, spricht man von Herzschwäche. Patienten mit Herzschwäche dürfen sich nicht überfordern. Eine Pulsuhr hilft dabei. Die Herzfrequenz fürs Training wird vom behandelnden Arzt empfohlen.

Wichtige Check-Ups

Hans-Peter Klenk macht sich mit Reporter Fero Andersen auf den Weg zur Echokardiographie. Er erinnert sich: "Mir war es einfach übel an dem Tag, ich bin zu meinem Hausarzt gegangen und er hat nach einer kurzen Untersuchung sofort bemerkt, hier brauchen wir einen Kardiologen." Hans-Peter war beruflich sehr eingespannt. Einen Gang runter schalten – das lernt er hier in der Klinik Höhenried.

Zweimal im Jahr muss Hans-Peter Klenk seit der Diagnose Aortenstenose zur Untersuchung. Seine linke Herzklappe ist verkalkt und öffnet nicht richtig. Die Herzinsuffizienz ist die fünfthäufigste Todesursache hierzulande. Dr. Christa Bongarth schätzt den Zustand ihres Patienten ein:

"Die Pumpkraft vom Herzen war 50 Prozent. Das hört sich jetzt vielleicht an, als wenn das nur die Hälfte wäre. Aber das Herz pumpt sich nicht komplett leer. Die normale Herzpumpkraft ist um die 60 Prozent, 60-70 Prozent. Der Rest verbleibt da drin und er hat 50 Prozent. Das geht absolut noch."

Dr. med. Christa M. Bongarth, Chefärztin Kardiologie, Klinik Höhenried

Hans-Peter Klenk muss sich keine Sorge machen, sein Zustand hat sich, auch durch den Sport, verbessert und sein Herz arbeitet zuverlässig.

"Das ist eine positive Überraschung eigentlich. Ich denke, dass die Kombination zwischen der medikamentösen Therapie, die ich schon länger machen und dem Sport, das dazu geführt hat, dass es sich zumindest nicht verschlechtert hat."

Hans-Peter Klenk, Patient

Von heute auf morgen ein anderes Leben

Als Biologie-Professor musste sich Hans-Peter von heute auf morgen vom Hörsaal verabschieden. Neben der Naturwissenschaft hat er jetzt eine neue Sparte für sich entdeckt – die Philosophie. Die Diagnose, herzkrank zu sein, hatte Auswirkung auf seine Psyche und auf seinen Körper:

"Auf den Körper, dass ich endlich eine Ruhephase hatte, um mich um meinen Körper zu kümmern und um meine Psyche und um Sachen zu verarbeiten, die vorher einfach weitergeschoben wurden. Aber so musste es wahrscheinlich sein, sonst schleppt man sich dahin und es heilt nicht richtig aus."

Hans-Peter Klenk, Patient

Herztraining auch zuhause

Weil im Moment wegen der Corona-Pandemie noch nicht klar ist, wann die Herzgruppen offiziell wieder zusammenkommen können, nehmen Reporter Fero Andersen und Hans Peter Klenk ein Online-Trainingsangebot wahr.

"Es ist eigentlich ganz schön, dass es dieses Online Angebot gibt, aber man muss immer alleine trainieren. Es ist natürlich schwerer als wenn man dazu gezwungen wird in der Gruppe, das zu machen. Dann kommt man nicht aus."

Hans-Peter Klenk, Patient

Das Walken ist ein wichtiger Teil der Bewegungstherapie bei Herzinsuffizienz. Dieses Ausdauertraining sollte man möglichst täglich einplanen. "Man kann da ein bisschen nach dem Belastungsempfinden gehen, dass ich diese Bewegungen so leicht bis etwas anstrengend empfinde, dann ist man von der Intensität her meist ganz gut unterwegs. Wichtig ist, dass ich die Arme aktiv mitnehme, weil dann habe ich meine Schultern schön mit einbezogen", rät Trainerin Dr. Petra Pfaffel.

"Meine Gruppe hat so viel in meinem Leben letzten Endes verändert. Also ich lerne wieder, in welchem Maße ich mich bewegen kann, ich mache wieder Bergtouren – das habe ich früher nicht gemacht. Das habe ich alles hier letzten Endes gelernt."

Hans-Peter Klenk, Patient

Neben den Herzgruppen gibt es seit Beginn des Jahres noch eine zusätzliche Leistung auf Rezept: Patienten, die kaum belastbar sind, können ein speziell auf sie zugeschnittenes Reha-Sportprogramm in Anspruch nehmen.


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