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Vorsorge Darmkrebs So wichtig ist die Darmspiegelung!

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsleiden. Obwohl das nicht sein müsste. Denn wird er rechtzeitig erkannt, ist er fast immer heilbar. Aktuelle Studien verdeutlichen: Eine der erfolgreichsten Früherkennungsmaßnahmen ist die Koloskopie - die Darmspiegelung.

Von: Nora Zacharias

Stand: 16.03.2021

61.020 Darmkrebs-Neuerkrankungen und 24.596 Todesfälle gab es 2020 (Stand Februar 2021). Viele Fälle hätten vielleicht vermieden werden können, durch rechtzeitige Vorsorge, einen gesünderen Lebensstil und die Koloskopie. Das verdeutlichen aktuelle Studien.

Hochrechnungen zeigen: Ein gesunder Lebensstil beeinflusst das Darmkrebs-Risiko

Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg verdeutlicht: Jeder kann sein Darmkrebsrisiko durch eigenes Verhalten mindern.

Seit 2003 wurden mehr als 7000 Personen mit und ohne Darmkrebs befragt. Die Epidemiologen Dr. Michael Hoffmeister und Dr. Prudence Carr vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) analysierten diese Daten und berechneten das absolute Risiko, ab dem 50. Geburtstag innerhalb von 30 Jahren an Darmkrebs zu erkranken.

Dazu ordneten die Epidemiologen die Probanden in Gruppen ein. Erst anhand ihres genetischen Risikos, dann aufgrund ihres Lebensstils. Dieser Lebensstil berechnet sich anhand fünf Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Alkohol, Ernährung sowie Bewegungsmangel, erklärt Dr. Michael Hoffmeister.

"Wir haben jede gesunde Verhaltensweise mit einem Punkt belohnt. Das heißt: Wenn jemand normalgewichtig war, gab es einen Punkt und wenn jemand zum Beispiel wenig Alkohol getrunken hat, gab es einen Punkt. Und so konnte man auf dieser Skala fünf Punkte erzielen. Fazit: Je mehr gesunde Verhaltensweisen verinnerlicht wurden, desto geringer war das Darmkrebsrisiko."

Dr. Michael Hoffmeister, Epidemiologe, Deutsches Krebsforschungszentrum

Hochgerechnet erkrankt ein Mann mit einem mittleren genetischen Risiko und einem unvorteilhaften Lebensstil ab dem 50. Lebensjahr zu 9,4 Prozent an Darmkrebs. Bei einem etwas gesünderen Lebensstil sinkt das Risiko auf 7,4 Prozent, bei einem sehr gesunden sogar auf 5,3 Prozent. Bei Frauen ist das Risiko, Darmkrebs zu bekommen, generell geringer. Aber auch hier hat der gesunde Lebensstil den gleichen Einfluss.

Den größten Einfluss auf das Darmkrebsrisiko hat die Koloskopie

Die Studie zeigt jedoch: Einen viel größeren Einfluss auf das Darmkrebsrisiko hat die Koloskopie, die Darmspiegelung, betont der Forscher:

"In unserer Studie haben wir gesehen, dass die drastischste Risikoabsenkung für Darmkrebs durch die Koloskopie erzielt werden konnte. Also: über den Lebensstil hinaus und auch unabhängig vom genetischen Risiko."

Dr. Michael Hoffmeister, Epidemiologe, Deutsches Krebsforschungszentrum

Ohne Koloskopie hat ein Mann mit mittlerem genetischen Risiko und halbwegs gesundem Lebensstil ein Risiko von 7,4 Prozent, mit dieser sinkt das Risiko auf 2,6 Prozent; also um fast 4,8 Prozent. Bei Frauen mit mittlerem genetischen Risiko und durchschnittlichem Lebensstil sinkt das Darmkrebsrisiko mit einer Koloskopie um 4,3 Prozent. 

Komplikationen bei der Koloskopie sind sehr gering

Trotz dieser aufschlussreichen Zahlen haben viele Menschen Bedenken und Ängste vor der Darmspiegelung, weiß der Gastroenterologe Dr. Wilfred Landry aus Erfahrung.

"Die meisten Patienten haben Angst, dass sie Schmerzen erleiden müssen oder es Komplikationen gibt. Natürlich passiert das. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert ist sehr gering."

Dr. med. Wilfred Landry, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologe, MVZ Dachau

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gastroenterologe bei einer Koloskopie etwas entdeckt, dass entfernt werden muss und der Krebs früh genug erkannt wird, ist höher.

Genetisch vorbelastete Menschen müssen früher zur Koloskopie

Ein wesentlich höheres Risiko haben Menschen, die familiär vorbelastet sind. Manche müssen dann schon ab 25 Jahren zur regelmäßigen Vorsorge, betont der Arzt und Wissenschaftler Dr. Jakob Kather vom Uniklinikum in Aachen.

"Wenn man das bei einer Person herausfindet, dass so eine genetische Mutation vorliegt, die zum Krebs disponiert, dann muss man auch die Konsequenzen ergreifen und frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen machen."

Jakob Nikolas Kather, Arzt und Studienleiter, Uniklinik RWTH Aachen 

Jedoch wird nicht bei allen Darmkrebspatienten getestet, ob bei ihnen ein genetischer Krebs vorliegt. Denn hierzu wird ein spezieller Test auf Mikrosatelliten Instabilität – kurz MSI – benötigt. Die jetzigen Labortests sind jedoch sehr teuer und aufwendig.

Forschung: Erkennen von genetischem Krebs durch künstliche Intelligenz

Das könnte sich in Zukunft durch Tests mit künstlicher Intelligenz ändern. Der Arzt und Wissenschaftler Dr. Jakob Kather hat mit seinem Team erforscht, wie man schneller und einfacher durch künstliche Intelligenz erkennen kann, ob ein Karzinom bei einem Darmkrebspatienten genetisch veranlagt ist.

Die Maschine wurde mit histologischen Bildern von 8000 Patientinnen und Patienten gefüttert und hat drei Tage gelernt. Nun teilt die Maschine die histologischen Bilder in Farben ein.

"Unser Ziel war, die künstliche Intelligenz so zu trainieren, dass sie das MSI vorhersagen kann, die Vorhersage einblenden. Dass kann man sich so vorstellen: Je gelber die Punkte sind, desto wahrscheinlicher hat die künstliche Intelligenz MSI gesehen. Und je dunkler, desto sicherer ist sie sich, dass kein MSI vorliegt."

Amelie Echle, Medizinstudentin

Die Stellen, die gelb kennzeichnet werden, sind demnach eine Vorhersage der künstlichen Intelligenz, dass der Krebs mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit genetische Ursachen hat.

KI ist noch nicht auf dem Markt zugelassen

Die künstliche Intelligenz ist noch nicht zugelassen und wird momentan nur in der Forschung weiterentwickelt. Jedoch könnte sie Prozesse in Zukunft vereinfachen und beschleunigen.

"Die große Motivation für unsere Forschung ist eben, dass wir diese diagnostischen Prozesse schneller und einfacher und günstiger machen möchten. Und auch in der Breite besser verfügbar."

Jakob Kather, Arzt und Studienleiter/ Uniklinik RWTH Aachen

Wichtig ist das für Patienten, vor allem aber für Angehörige, die diese genetische Anlage zu 50 Prozent erben können. Dann wüssten sie schneller, ob sie eine genetische Veranlagung zum Darmkrebs haben und könnten so früher zur Vorsorge gehen. Damit könnten Damkrebsfälle vermindert werden.

Krankenkassen zahlen Darmkrebsvorsorge

Männer erkranken an Darmkrebs früher und häufiger. Deshalb haben Männer ab dem 50. Geburtstag einen gesetzlichen Anspruch auf zwei Koloskopien im Abstand von zehn Jahren, Frauen erst ab dem 55. Lebensjahr. Ist der Befund hier unauffällig, muss diese erst nach 10 Jahren wiederholt werden.

Alternativ zahlt die Krankenkasse für beide Geschlechter vom 50. bis zum 55. Lebensjahr jährlich, ab dem 55. Lebensjahr alle zwei Jahre einen Stuhltest. Bei diesem können versteckte Spuren von Blut erkannt werden. Das kann ein erstes Anzeichen für Polypen sein, harmlose Schleimhautwucherungen, die zu Krebs werden könnten.


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