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Videospiele für Senioren Zocken für die Gesundheit

Computerspiele begeistern nicht nur junge Leute. Auch Senioren finden Gefallen daran. Sie zocken vor dem Bildschirm für mehr Beweglichkeit und bessere Merkfähigkeit. Gesundheit!-Reporterin Veronika Keller besucht ein Pflegeheim und erfährt, warum Videogames sogar den geistigen Abbau verlangsamen können.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 27.03.2018

Videospiele für Senioren | Bild: Screenshot BR

Spielekonsolen sind aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken, einfach, weil sie Spaß machen. Dagegen sind die sogenannten Serious Games, digitale Spiele, die noch andere Funktionen haben als die reine Unterhaltung. Zum Beispiel werden sie als Therapieform eingesetzt.

Spezielle Spielekonsolen für Senioren

Im Starnberger Malteserstift können die Bewohner seit einem Jahr an einer speziell für Senioren entwickelten Videospielekonsole zocken. Der 90-jährige Friedrich Lang kegelte schon in seiner Jugend gern. Jetzt kann er das auch ohne die schwere Kugel tun. Schwierig?

"Nein, man muss nur trainieren."

Friedrich Lang

Auch Rollstuhlfahrer finden sich an der Videokonsole gut zu Recht – wie die 98-jährige Luise Klages. Das Motorradspiel wird per Gestik bedient. Der Avatar macht vor, wie man sich bewegen muss, um im Spiel zu bleiben. Auf grelle Grafiken und Technomusik verzichteten die Entwickler – diese überfordern die Senioren. Luise Klages ist als junge Frau schon gerne Motorrad gefahren.

"Das ist jetzt so ähnlich. Aber gucken Sie mal wie alt ich bin. Ich bin jetzt über 90! Oh Gott, wann bin ich jetzt das letzte Mal gefahren? Ist schon so lange her."

Luise Klages

Videospiele: positive Auswirkung auf Gedächtnis und Denkfähigkeit

Studien belegen, dass digitale Spiele die kognitive Entwicklung im Alter verbessern. An der Universität Ulm forscht dazu Prof. Iris Kolassa. Heute schaut sie den Senioren in Starnberg zu.  

"Wir wissen, wenn man die Videospiele regelmäßig praktiziert, dass das positive Auswirkung auf Gedächtnis und Denkfähigkeit hat. Und zwar durch den Anspruch, den die Spiele an sich haben sowie durch den Spaß und die Entspannung dabei. Und dass der geistige Anspruch tatsächlich auch Neurone und die vorhandene Plastizität des Gehirns nutzt und trainiert."

Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa, Klinische und Biologische Psychologie, Universität Ulm

Videospiele verbinden Generationen

Senioren und Jugendliche spielen zusammen Videospiele.

Aber nicht nur diese koordinativen und kognitiven Herausforderungen können das Gehirn fit halten, sondern auch Sozialkontakte. Im Malteserheim St. Josef wird richtig gezockt - und zwar generationenübergreifend. Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Schulen besuchen regelmäßig die Bewohner des Seniorenzentrums.

Das lustige Miteinander mit der jungen Generation und der Umgang mit den digitalen Medien fordern die Senioren. Der Soziologe und Gamedesigner Ulrich Tausend betreut generationenübergreifende Videospielprojekte in München. Er ist fasziniert davon, wie Jung und Alt sich auf diese Weise austauschen.

"Generationen werden zusammengebracht - auf eine andere Art und Weise als normal. Dadurch, dass das Spiel so einfach ist, können beide miteinander interagieren. Da passiert auch viel Soziales nebenbei."

Ulrich Tausend, JFF-Institut für Medienpädagogik, München

Gamesdesign für Senioren

 Müssen Spiele, die besonders für Senioren geeignet sind, anders gestaltet sein?

"Man drückt auf Start, es geht los und dann kann man alles mit Gesten steuern. Es ist sehr einfach und entsprechend bleibt man auch ständig im Spiel."

Ulrich Tausend, JFF-Institut für Medienpädagogik, München

Spielen mit Handbediengerät

Wir testen jetzt ein Spiel von einer handelsüblichen Konsole für Familien. Der Unterschied zur seniorengerechten Videokonsole: Jeder bekommt ein Handbediengerät. Alissa spielt zu Hause auch mit ihrer Oma.

"Sie kann es schon besser als ich!"

Alissa

Wichtig: Pause beim Zocken

Training für Senioren an Outdoor-Bewegungsgeräten

Im Starnberger Malteserstift geht es jetzt an die frische Luft. Denn was für junge Leute gilt, ist auch wichtig für Senioren: Pause beim Zocken. Die Outdoor-Bewegungsgeräte bringen Abwechslung. Studien mit derartigen Fitnessgeräten in Pflegeheimen zeigen eine deutliche Steigerung der körperlichen Fähigkeiten – vor allem die Balance wird dabei geschult. Betreuungsassistentin Hauke-Eberl unterstützt bei den Übungen.

"Das bringt etwas, weil die Leute beweglicher sind und motorisch gefördert und aktiviert werden. Es ist wichtig, mit den Fingern die Feinmotorik zu üben, damit sie lange erhalten bleibt."

Ingrid Hauke-Eberl, Betreuungsassistentin, Starnberg

 Auch zur Prävention von Demenz wird das Bewegungskonzept gezielt eingesetzt.

"Generell ist so ein Parcours wunderbar, weil sich körperliche Aktivität und geistige Aktivität optimal eignen, um Demenz vorzubeugen. Aber besser wäre es, wir würden das kontinuierlich über die Lebensspanne machen. Also erst im Alter anzufangen ist nicht ganz so gut, wir müssten eigentlich jeden Tag dran sein."

Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa, Klinische und Biologische Psychologie, Universität Ulm

Spielen: das richtige Maß

 Körperlich und geistig aktiv sein – das hält im Alter fit. Rosa Gleitsmann ist nicht mehr so mobil – aber macht nichts – Kegeln geht auch im Sitzen.

"Ich spiele das, seitdem ich hier bin. Es macht viel Spaß, viel Freude."

Rosa Gleitsmann

Und zwar jedes der insgesamt vier Videospiele der seniorengerechten Konsole. Wie regelmäßig sollte man spielen, um einen positiven Effekt zu erzielen?

"Studien zeigen, dass Spiele über die gesamte Lebensspanne hinweg - ob nun Puzzeln, Karten- und Brettspiele oder auch Computerspiele - unsere geistige Lebensfähigkeit verbessern. Das heißt: Zu viel ist schlecht und gleichzeitig ist es doch so, wenn ich es regelmäßig praktiziere, ist es etwas Positives, das sich so akkumuliert."

Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa, Klinische und Biologische Psychologie, Universität Ulm

"Ich habe heute gelernt, dass ältere Menschen mit Spielekonsolen ganz viel Spaß haben können. Und nebenbei tun sie noch spielerisch etwas für ihre körperliche und geistige Fitness. In diesem Sinne, zocken auch Sie sich fit!"

Veronika Keller, Reporterin


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