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Seife selbermachen Seife: Mehr als nur ein Stück Hygiene

Seife benutzen wir jeden Tag. Doch warum und wie löst sie Schmutz und was gibt es bei ihrer Herstellung zu beachten? Gesundheit!-Reporter Fero Andersen findet es heraus.

Von: Christian Brandt

Stand: 01.04.2019

Wie macht man Seife selber? Das lernt Fero Andersen auf dem Gutshof Sulzemoos in der Nähe von München. Dort gibt die Kräuterpädagogin und erfahrene Seifensiederin Monika Engelmann Seifen-Siede-Kurse.

"Das sieht kompliziert aus. Ich dachte, Seife sieden wäre so eine einfache Geschichte. Hier ist aber eher Laborstimmung!"

Fero Andersen, Reporter

Zur Sicherheit: Schürze, Halstuch, Mundschutz, Schutzbrille

Doch ganz so kompliziert ist es auch nicht, beruhigt Monika Engelmann Fero Andersen. Jedenfalls, wenn man die Spielregeln beachtet:

"Ganz wichtig ist die Sicherheit. Wir arbeiten heute mit einer Lauge, das ist eine hoch aggressive Chemikalie. Die kann, wenn man sie auf die Haut kriegt, massive Verätzungen zur Folge haben. Das heißt, wir werden uns schön einpacken und wir werden sehr sorgfältig und ruhig arbeiten."

Monika Engelmann, Kräuterpädagogin

Seife sieden nur mit Schutzkleidung

Schürze, Halstuch, Mundschutz und Schutzbrille sind obligatorisch beim Seife-Sieden. Heute auf dem Programm: Lavendelseife. Denn die ist mild, pflegend, rückfettend und schäumt dezent. Auf dem Arbeitsplatz stehen schon Töpfe, Schalen, Waagen und Thermometer. Fehlen nur noch die Zutaten.

Seife: wasserliebend und fettliebend

Doch bevor es losgeht, will Fero Andersen noch eins wissen: Wie funktioniert Seife überhaupt?

"Seife ist ein hochinteressantes Molekül. Sie hat wasserliebende und fettliebende Eigenschaften. Schmutz basiert oft auf Fett, das heißt, das fettliebende Teilchen bindet sich mit dem Schmutz. Das wasserliebende wird durch das Wasser dann abgelöst."

Monika Engelmann

Entscheidend: das exakte Rezept

Für jede Seife gibt es ein exaktes Rezept. Nur so hat Seife später die gewünschten Eigenschaften. In diesem Fall: rückfetten, also der Haut das beim Waschen entzogene Fett zurückgeben. Zu häufiges Waschen ist allerdings auch mit der besten Seife ungesund.

Die Seife heute besteht hauptsächlich aus Olivenöl, Kokosfett und Kakaobutter. Für Farbe und angenehmen Geruch kommen Tonerde und Lavendelöl hinzu. Alle Zutaten werden aufs Gramm genau abgewogen.

Ätznatron

"Jetzt müssen wir als nächstes die Lauge herrichten, dazu brauchen wir Wasser und Ätznatron. Da müssen wir jetzt dann wirklich aufpassen, dass uns ja nichts passiert."

Monika Engelmann

Chemische Reaktion

Ab jetzt wird es heikel. Auch das Ätznatron wird grammgenau abgewogen und dann mit kaltem destilliertem Wasser vermischt.

Bei der nun folgenden chemischen Reaktion entsteht Hitze, deshalb muss das Wasser kalt sein, sonst könnte die Lauge zu kochen beginnen. Bevor sie die Lauge weiterverarbeiten können, muss sie etwas abkühlen.

Fette schmelzen im Kochtopf

"Jetzt die Fette schmelzen lassen. Achtet bitte darauf, dass nur möglichst wenig Energie aufgewandt wird. Also nur gerade so viel, dass die sich halt verflüssigen, mehr brauchen wir nicht."

Monika Engelmann

Sheabutter: Schutz für die Haut

Alle Zutaten sollen in etwa die gleiche Temperatur haben, wenn sie vermischt werden: um die 30 Grad. Tonerde verleiht der Seife später ein sattes Grün. Jetzt fehlt nur noch Sheabutter.

"Die Sheabutter ist für unsere Rückfettung, die geben wir ganz am Schluss dazu. Die Idee ist, wir verrühren die Olivenöl-Kakaobutter-Mischung mit der Lauge, da beginnt schon der chemische Prozess der Verseifung. Und am Schluss geben wir die Sheabutter dazu, sie soll übrigbleiben und nicht verseift werden. Das ist unser Schutz für die Haut."

Monika Engelmann

Verseifung: Lauge spaltet Fette auf

Jetzt beginnt die Verseifung: Die Lauge spaltet die Fette auf - und es entsteht Seife. Je nach Verhältnis von Fett und Lauge ist das Ergebnis eine rückfettende, hautfreundliche Seife oder ein starker Fettlöser für Kleidung und Haushalt. 

"Der gefährlichste Moment ist jetzt vorbei. Dieser Leim ist durchaus noch hautschädigend, aber er ist nicht mehr sehr gefährlich. Ins Auge sollte man ihn nicht bringen, aber er hat nicht mehr die Qualität der reinen Lauge."

Monika Engelmann

Seifenleim

Und jetzt heißt es rühren, rühren, rühren. Der Seifenleim sollte die Konsistenz von warmem Pudding haben.

Seife früher: Zur Heilung von Wunden

"Wir haben viele schöne Hilfsmittel, die wir uns zunutze machen können. Das hatten die Menschen vor 5.000 Jahren nicht, Seife gibt es aber schon so lange."

Fero Andersen, Reporter

"Also mindestens seit 5.000 Jahren. Von den Sumerern sind Rezepturen überliefert. Die haben Pottasche genutzt, also Pflanzenasche - und haben damit Lauge gemacht und damit wiederum Seife. Interessant ist, sie haben die Seife nicht zum Reinigen des Körpers genutzt, sondern für medizinische Zwecke. Sie haben zum Beispiel kleine Wunden damit geheilt."

Monika Engelmann

Fero Andersen mit Formen aus Silikon

Einen Teil des Seifenleims hat Fero Andersen mit Tonerde angefärbt. Was Form und Farben angeht, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Tonerde hat später einen leichten Peeling-Effekt. Der Seifenleim kommt jetzt in Silikonformen.

Lavendelseife

"Wir packen die noch schön warm ein, isolieren sie. Dann legen wir sie 24 Stunden schlafen, das heißt, sie soll warm stehen, bei rund 40 Grad. Der Backofen bietet sich da an: Den Backofen temperieren, Seife rein und stehen lassen."

Monika Engelmann

Auf einer Lavendelseife dürfen Lavendelblüten natürlich nicht fehlen. Monika Engelmann hat am Vortag schon eine Seife hergestellt, die jetzt schnittfest ist. Damit waschen, kann man sich aber noch nicht: Die Seife ist erst in circa acht Wochen fertig.


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