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Schuppenflechte Psoriasis - was hilft?

Rötliche, juckende, schuppende Haut. Diagnose: Psoriasis. Die Schuppenflechte gehört zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen weltweit. Allein in Deutschland leiden über zwei Millionen Menschen daran. Bei jedem dritten Patienten ist nicht nur die Haut betroffen - sondern auch Sehnen und Gelenke. Inzwischen ist Psoriasis allerdings gut behandelbar. Gesundheit! zeigt welche Therapien helfen können, und was man selbst tun kann.

Von: Julia Richter

Stand: 06.07.2020

Was ist Schuppenflechte?

Bei der Psoriasis handelt es sich um eine chronisch entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, die nicht heilbar aber heutzutage gut behandelbar ist. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, man weiß, dass es genetische Prädisposition gibt und dass die Lebensumstände eine Rolle spielen, etwa Ernährung oder Stress. Typisch sind glänzende, silbrig weiße Schuppen, die sich auf stark durchbluteten und geröteten Hautstellen bilden – daher der umgangssprachliche Name „Schuppenflechte“.

Ursache ist eine Verhornungsstörung der Haut, sie führt dazu, dass sich die Zellen viel schneller teilen als bei gesunden Menschen. Betroffene Regionen sind vor allem: Ellenbogen, Knie, die Kopfhaut, die Pofalte aber auch Hände und Füße sowie die Gelenke können betroffen sein.

Bei Verena fing es an, als sie zehn Jahre alt war. Es beginnt mit ein paar rötlichen Stellen auf der Haut. Später ist fast der ganze Körper übersät: Verena leidet unter schwerer Schuppenflechte, bis zu 85 Prozent des Körpers sind betroffen.

"Am schlimmsten war eigentlich der Juckreiz für mich – vor allem auch nachts. Und oft war es dann halt so, dass ich dann offene Wunden hatte. Und dadurch auch in der Früh, wenn ich weiße Bettwäsche hatte oder so, dass dann da blutige Flecken waren. Ich habe nur meinen Pullover ausgezogen und dann sind die Schuppen an den Boden gefallen."

Verena, Psoriasis-Patientin

Heute weiß man, dass die Schuppenflechte nicht nur eine Haut-, sondern eine Autoimmunerkrankung ist. Das heißt: Die Immunabwehr funktioniert nicht mehr richtig. Spezifische Abwehrzellen richten sich nicht gegen Eindringlinge, sondern gegen den eigenen Körper. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion. Dadurch werden die Hautzellen circa acht Mal schneller gebildet als bei Gesunden. Die Folge: erhabene, silbrig schuppende Hautpartien.

Psoriasis belastet die Psyche...

Das nagt am Selbstbewusstsein: Die Krankheit macht vielen Patienten nicht nur körperlich zu schaffen, sie belastet auch die Psyche. In einem kurzen T-Shirt oder einer kurzen Hose vor die Tür gehen, kostet viele Betroffene Überwindung, genauso wie Besuche im Schwimmbad.

"Ich habe immer versucht, lange Sachen anzuziehen, um das zu kaschieren. Also hab ganz selten kurze Sachen angehabt, auch wenn es richtig heißt war, war für mich eigentlich keine Option, etwas Kurzes anzuziehen, sondern dünn und langärmelig. Ich habe oft gedacht, dass die Leute mich beobachten und sich ein Urteil bilden, was ich haben könnte. Gerade im Teenageralter war das sehr belastend."

Verena, Psoriasis-Patientin

Es bleibt nicht bei der Haut: Vor ein paar Jahren geht die Psoriasis auch auf Sehnen und Gelenke. Verena bekommt Arthritis. Bald schafft es die 30-Jährige kaum noch die Treppe hoch, kann keine Wasserflasche mehr öffnen.

Auch Matthias leidet unter Schuppenflechte - allerdings unter einer leichteren Form. Der 52-Jährige versucht weitgehend auf Medikamente zu verzichten:

"Als erstes aufgetreten in der Schulzeit - stressbedingt. Ja, das Belastendste ist eigentlich, so wie der Name schon sagt, das Schuppende. Das heißt, schubweise fallen die Schuppen und der Staubsauger ist einer der besten Freunde im Haushalt. Und das ist eigentlich schon sehr störend, wenn man irgendwo sitzt und man hat dann Schuppen am Tisch oder am Boden."

Matthias, Psoriasis-Patient

Die richtige Diagnose

Die typischen Plaques sind ein relativ sicheres Anzeichen, in der Regel erfolgt die Diagnose per Blick. Im Zweifel werden Gewebeprobe entnommen. Schlägt die Psoriasis auf die Gelenke, kann eine Diagnose schwieriger sein, vor allem, wenn man auf der Haut noch keine Anzeichen sieht. Hier können die Messung des Rheumafaktors, Entzündungswerte im Blut oder der Harnsäurespiegel Aufschluss geben. Aber auch bildgebende Verfahren helfen, die Diagnose zu sichern.

Behandlung schwerer Fälle

Hier am Bayerischen Psoriasis-Zentrum an der LMU ist man auf schwere Fälle spezialisiert: Die Krankheit ist inzwischen gut behandelbar:

"Das ist auch deswegen so wichtig, weil Psoriasis eine Reihe von Begleiterkrankungen erzeugen kann. Durch die chronische, lang bestehende Entzündung kommt es vermehrt zu Herz-Kreislauferkrankungen, zu Diabetes Mellitus und den entsprechenden Folgeerscheinungen."

Univ.-Prof. Dr. med. Jörg C. Prinz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU Klinikum München

Verena bekommt ein sogenanntes Biologikum. Es handelt sich um Antikörper, die das gestörte Immunsystem gezielt ausbremsen: Alle drei Monate muss sie gespritzt werden.

"Die Biologika greifen in die Entzündungskette der Psoriasis Vulgaris ein. Die früheren Biologicals waren so, dass sie eine relativ breite Wirkung erzielt haben, die neueren Präparate sind viel spezifischer in der Bindung von ganz speziellen Entzündungsbotenstoffen, die für die Psoriasis eine Rolle spielen und deswegen noch einmal wirksamer und möglicherweise noch einmal sicherer."

Univ.-Prof. Dr. med. Jörg C. Prinz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU Klinikum München

Die Biologika sind meist gut verträglich - aber auch sie können Nebenwirkungen verursachen, etwa die Infektanfälligkeit erhöhen. Und die Behandlung ist teuer: Bis zu 20.000 Euro kann sie pro Jahr kosten. Deswegen bekommen sie nur Patienten mit mittel- und schwerer Psoriasis – bei denen alles andere nicht anschlägt. So wie bei ihr: Verena hat vorher alles probiert: Kortisoncreme, Vitamin D, Vitamin-A-Abkömmlinge, Medikamente, die das Zellwachstum hemmen, und solche, die das Immunsystem unterdrücken. Dauerhaft geholfen hat ihr nichts.

"Neben den Biologika gibt es noch die konventionellen Psoriasis-Medikamente, dazu gehören Fumarsäureester, Methotrexat, Ciclosporin und das Vitamin A-Präparat Acitretin. Die sind allerdings in der Breite nicht so wirksam wie die Biologika und sie können individuell gerade in der Langzeittherapie durchaus Nebenwirkungen hervorrufen, die man vermeiden möchte."

Univ.-Prof. Dr. med. Jörg C. Prinz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU Klinikum München

Behandlung mit UVB-Licht und Gluten-Verzicht

Weil Stress bei ihm eine große Rolle spielt, hat Matthias vor einiger Zeit sein Leben komplett umgekrempelt: Der ehemalige EADS-Top-Manager lebt und arbeitet heute auf einer Alm, ist sehr viel draußen. Das UV-Licht tut der Haut gut.

Hat er akut einen Schub, bekommt er eine spezielle Foto-Therapie mit UVB-Licht. Das unterdrückt die Entzündung und hemmt die Schuppenbildung. Ein paar Mal die Woche kommt er dazu in die Uniklinik.

Wichtig ist auch eine konsequente Pflege mit einer rückfettenden Creme, die die Spannungsherde auf der Haut lindert. Außerdem tut ihm Meersalz gut... Vor ein paar Monaten hat er auf eine glutenfreie, entzündungshemmende Ernährung umgestellt: Mit viel frischem Gemüse und Obst: Tabu sind: Brot, Kuchen und Nudeln.

"Wenn man wirklich auf das Gluten bei mir verzichtet, kann man das in wenigen Wochen verfolgen, wie stark die Rötungen und die Schuppung zurückgeht. Aber sicherlich: ein Glas Bier oder eine Pasta – und schon kommt es wieder."

Matthias, Psoriasis-Patient

Neueste Studien belegen, dass Patienten von so einer Ernährungsumstellung tatsächlich profitieren können:

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass möglicherweise Proteine, also Eiweißstoffe aus dem Weizen eine Psoriasis verschlechtern oder sogar auslösen können. Dies gilt auch für die Psoriasis-Arthritis. Deswegen empfehlen wir unseren Patienten mal für zwei bis drei, oder vier Monate, eine streng weizenfreie Diät einzuhalten, um festzustellen, ob das nicht ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflusst." Univ.-Prof. Dr. med. Jörg C. Prinz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU Klinikum München

Auch Verena hat ihre Ernährung vor einiger Zeit entsprechend umgestellt und fühlt sich gut damit.

"Meine Haut ist gesund. Für mich ist es ein ganz anderes Lebensgefühl. Ich habe jetzt dadurch eigentlich überhaupt keine Einschränkungen mehr und das ist schon schön, so durch das Leben zu gehen. Ich hoffe natürlich auch, dass es noch länger hält."

Verena, Psoriasis-Patientin

Endlich kann sie den Sommer genießen und fühlt sich wohl in ihrer Haut.


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