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Rotes Kreuz Deutsches Rotes Kreuz: 100 Jahre DRK

Sie retten Leben: an Land, zu Wasser, aus der Luft – auch in Katastrophengebieten: die Helfenden des Deutschen Roten Kreuzes. Gesundheit! Reporter Fero Andersen besucht das BRK in Nürnberg zum runden Jubiläum.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 17.01.2021 21:26 Uhr

Seit 100 Jahren steht einer der größten Wohlfahrtsverbände, das Deutsche Rote Kreuz, im Dienste der Menschen und leistet bemerkenswerte Arbeit. Aufgrund dieses Jubiläums möchte Gesundheit! Reporter Fero Andersen einen Tag lang hinter die Kulissen blicken. Er besucht dafür das Bayerische Rote Kreuz in Nürnberg, den Landesverband des DRK. Seine Kollegen für einen Tag sind Saskia Knell und Julian Lohse. Mehr als 425.000 Freiwillige engagieren sich im Deutschen Roten Kreuz derzeit.

DRK: Ohne Engagement von Freiwillligen undenkbar

Julian prüft, ob alle Materialien zur Erstversorgung an Bord sind. Saskia checkt den Defibrillator. Warum helfen sie beim Roten Kreuz mit?

"Ich bin damals über die Schulsanitäter zum Roten Kreuz gekommen und dann im Jugendrotkreuz quasi aufgewachsen. Für mich ist die Faszination einfach, Leuten zu helfen."

Julian Lohse, BRK Nürnberg

Ampullen im Notfallrucksack

Die Sauerstoffgeräte sind einsatzbereit. Jetzt prüfen die Beiden die zahlreichen Medikamentenfläschchen und Ampullen im Notfallrucksack auf ihre Haltbarkeit. Der orangene Punkt weist auf das baldige Verfallsdatum hin. Zum Schluss kontrollieren Saskia und Julian noch den Ölstand in ihrem Fahrzeug, damit sie während des Einsatzes nicht liegen bleiben.

DRK: Blutspenden, die Leben retten

Zwei Mal im Monat gibt es beim BRK Nürnberg die Möglichkeit, Blut zu spenden. Eigentlich wollte Reporter Fero Andersen selbst Blut spenden und das Team vor Ort unterstützen – Corona hat das aber leider verhindert.

Anfang der 50er Jahre erhielt das DRK - als erste Institution überhaupt – den Auftrag für die flächendeckende Versorgung von Kliniken und Arztpraxen mit Blutpräparaten. Der erste Blutspendentermin fand 1952 in Gelsenkirchen satt. Mittlerweile deckt das DRK etwa 75 Prozent des bundesweiten Bedarfs an Blutkonserven. Davon werden täglich in ganz Deutschland 14.000 benötigt – nach Unfällen, bei Operationen oder in der Krebstherapie. Doch nur circa drei bis fünf Prozent der Deutschen gehen zur Blutspende.

Dazu gehört auch Politikerin Dorothee Bär. Als Rettungsschwimmerin engagierte sich die gebürtige Bambergerin viele Jahre beim BRK. Schon als Kind begleitete sie ihre Eltern zu den Blutspendeterminen.

"Da durfte man sich danach auch etwas aussuchen und das durfte ich mir für meine Eltern aussuchen. Ich wollte schon sehr früh Blut spenden, weil ich auch nie Angst vor Spritzen hatte. Ich gehe natürlich in Bayern regelmäßig Blut spenden und ich bin jetzt seit fast 20 Jahren im Bundestag. Das gibt es ja auch, dass man im Bundestag Blut spenden kann. Wobei das immer ganz lustig ist, weil das BRK und das DRK natürlich miteinander rittern, wo es dann auch zählt. Deshalb habe ich auch zwei unterschiedliche Blutspendenausweise beziehungsweise Sammelstellen, weil das ja leider nicht zusammen zählt."

Dorothee Bär, MdB

DRK: Neue Aufgabe Tafel

Blutspenden kann Leben retten. Doch die nächste Aufgabe wartet schon auf Gesundheit! Reporter Fero Andersen. Es geht zur Nürnberger Tafel, auch sie gehört zu den Aufgaben des Deutschen Roten Kreuzes. Inge Kinzel ist eine der rund 70 Ehrenamtlichen, die für die Nürnberger Tafel im Einsatz sind. Sie bereitet alles vor, bevor der große Ansturm kommt. Wie viele Menschen erwartet sie heute?

"Das sind 140 Leute, die heute kommen und da müssen wir natürlich versuchen, dass jeder eine Tüte bekommt."

Inge Kinzel, BRK Nürnberg

Seit 2017 liegt die Versorgung der bedürftigen Menschen durch die Tafel in Nürnberg in der Hand des BRK. Nachdem der frühere Träger in Schwierigkeiten geraten war und sich kein Nachfolger finden ließ, beschloss das Rote Kreuz die Tafel weiterzuführen – mithilfe der vielen Freiwilligen.

Inge Kinzel und Fero Andersen

Manche Leute bedanken sich an jeder Station für die Ware, die sie bekommen. An acht Ausgabeorten, zu sechs Terminen pro Woche, versorgt die Tafel Menschen, die Anspruch darauf haben. Täglich sind das etwa 400. Vier bis fünf Tonnen Lebensmittel holt das Deutsche Rote Kreuz jede Woche bei den Spendern ab – eine logistische Herausforderung. Unternehmen und kirchliche Verbände unterstützen das DRK bei der Organisation der Ausgabeorte. Der heutige Termin findet in einer Pfarrei statt. Neben der Tafel betreibt das DRK auch Gebrauchtwarenhallen und Zentren, die Familien unterstützen. Warum liegt Inge Kinzel  dieses Ehrenamt so am Herzen?

"Das gibt mir so ein gutes Gefühl, Menschen einfach helfen zu können – ohne Ausbildung. Ich brauche nur den guten Willen und ein bisschen Zeit."

Inge Kinzel, BRK Nürnberg

Etwa 55.000 Einsätze in Nürnberg pro Jahr

Die Notfallsanitäter Saskia Knell und Julian Lohse kommen von ihrem Einsatz zurück. Mit 185 hauptamtlichen Mitarbeitern werden hier in Nürnberg jährlich etwa 55.000 Einsätze koordiniert.

"Wir hatten heute einen Einsatz bei einem älteren Ehepaar, da hatte die Frau eventuell ein neurologisches Geschehen gehabt. Das war jetzt kein hochkritischer Einsatz, trotzdem muss man da natürlich ins Krankenhaus fahren, um das abklären zu lassen – das haben wir auch gemacht. Dafür haben wir paar Materialien gebraucht, die wir jetzt wieder aufgefüllt haben aus unserem Lager."

Saskia Knell und Julian Lohse, BRK Nürnberg

Decken und Laken für die Rettungsliege und Spuckbeutel müssen für die nächsten Patienten wieder vorhanden sein. Wie geht man damit um, wenn es vielleicht richtig schlimm ist?

"Über die richtig schwierigen Erlebnisse rede ich persönlich ganz viel. Weil es natürlich schon für uns am besten ist, wenn wir mit anderen Leuten darüber reden können. Die dann auch ähnliche Erfahrungen haben und einem helfen können."

Saskia Knell, BRK Nürnberg

"Das schönste Erlebnis im Rettungswagen war eine präklinische Geburt – also wenn eine Frau zu Hause ihr Kind bekommt. Da waren wir relativ zackig vor Ort und haben wirklich zwei Minuten, nachdem wir vor Ort waren, bei dem Geburtsvorgang geholfen. Es ist alles gut gegangen und das ist wirklich eine ganz besondere Situation."

Julian Lohse, BRK Nürnberg

Ob Wasser- oder Bergwacht, Krankenpflege, Jugendrotkreuz oder Nachbarschaftshilfe, ob mit oder ohne Vorkenntnisse – das Rote Kreuz bietet zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für alle, die Helfer werden wollen. Reporter Fero Andersen hat einen Tag voll guter Taten erlebt und kann jedem empfehlen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Happy Birthday DRK wünscht auch Gesundheit!.


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