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Häufige Hauterkrankung Rosazea: neue Therapiemöglichkeiten

Rote Äderchen, raue Stellen, kleine Pusteln und Eiterpickel – im schlimmsten Fall sogar ein Rhinophym: Die Rede ist von Rosazea – einer der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Viele Patienten leiden darunter, weil die Rosazea deutlich sichtbar im Gesicht auftritt. Eine effektive Behandlung ist deshalb für Betroffene sehr wichtig. Gesundheit! hat drei Patienten begleitet und zeigt neue Therapiemöglichkeiten.

Von: Julia Richter

Stand: 08.03.2021

Anzeichen und Beschwerden

Mit kleinen roten Flecken an der Nase fängt es bei Heike Voigt an. Kurz danach sind große Teile ihres Gesichts betroffen: Heike Voigt hat raue, schuppende Stellen und Entzündungen. "Das Schlimmste ist für mich ist, wenn es ständig brennt und sticht. Ja, man versucht es einfach nur wegzukriegen. Man muss sich disziplinieren, nicht ständig mit den Händen ins Gesicht zu gehen, weil das auch von der Oberfläche sehr erhaben ist", sagt sie.

Das belastet auch die Psyche: Heike Voigt leidet darunter, ihre Haut nicht verstecken zu können. Hat sie einen akuten Schub, geht sie nicht ohne Make-Up aus dem Haus.

"Du schämst dich dafür, dass du so aussiehst. Du bist ständig in Rechtfertigungshaltung, warum das so ist und dass es nicht schlimm ist und nicht ansteckend ist. Du versucht es einfach nur noch loszuwerden. Und dann kommt so ein Punkt, wo es Dich psychisch so belastet, dass Du wirklich versuchst dich zu verstecken."

Heike Voigt, Rosazea-Patientin

Auch bei Klaus Dahm sieht die Haut rot. Im Urlaub vor ein paar Jahren geht es los, Anfangs denkt er noch, die Rötungen verschwinden. Doch sie bleiben, dann kommen kleine Entzündungen dazu. Irgendwann wuchert die Haut um seine Nase – sie wird immer größer. Es bildet sich ein sogenanntes Rhinophym – umgangssprachlich als Knollennase bekannt.

"Zuerst meint man, das geht wieder zurück oder ist nur eine Schwellung. Die Veränderung ist insofern, als dass sich Bläschen gebildet haben. Das Unangenehme ist halt, diese Knollenbildung die entstellt ja das Gesicht. Man ist ja nicht mehr der, der man vorher war. Und Eitelkeit kennt ja kein Alter."

Klaus Dahm, Rosazea-Patient

Die Malerin Angela Bayerl hat auf den ersten Blick keine Problemhaut, dennoch leidet sie unter Rosazea. Sie hat eher mit den klassischen Rötungen zu kämpfen, rund um die Nase hat sie rote Äderchen.

"Also die Hauptbaustelle ist so die Nase, die Nasenregion und das begann vor einigen Jahren. Ab und zu kommen auch mal so kleine Pusteln und es verfärbt sich scheußlich. Ohne Make-Up und eine gute Abdeckung gehe ich überhaupt nicht aus dem Haus."

Angela Bayerl, Rosazea-Patientin

Verschiedene Ausprägungen von Rosazea

Rosazea kann also unterschiedlich stark ausgeprägt auftreten: Anfangs leiden Patienten meist unter erweiterten Blutgefäßen an Nase, Kinn und Wange. Im späteren Verlauf sind bestimmte Immunzellen überaktiv, sie lösen Entzündungsreaktionen im Gewebe aus. Verstärkt wird das durch Milben auf der Haut, die bei Rosazea vermehrt vorkommen. Es entstehen Eiterpickel – die Haut verdickt und wird großporig.

Die Ursachen der Rosazea kennt man bis heute nicht: Fest steht, dass es eine genetische Häufung gibt, und dass die Immunabwehr der Pateinten eine Rolle bei der Entstehung spielt.

Rosazea gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Hier an der Uniklinik Erlangen gibt es eine eigene Sprechstunde:

"Rosazea ist quasi die Akne des Erwachsenen. So ab ca. 40 Jahren geht es los. Und jeder Sechste bis Achte ist betroffen. Männer und Frauen sind etwa gleichförmig betroffen. Am meisten kommen die hellen Hauttypen zu uns in die Praxis, da fällt es eben auch am meisten auf."

Prof. Dr. med. Carola Berking, Dermatologin und Klinikdirektorin, Universitätsklinikum Erlangen

Diagnose und neue Behandlungsansätze

Die Rosazea ist ein Fall für den Dermatologen - er schaut mit einer Lupe die Haut an, in der Regel ist die Diagnose schnell gestellt. Anders als bei Akne ist bei Rosazea nicht die Pore entzündet, sondern das Bindegewebe.

Jahrelang probiert Heike Voigt alles Mögliche aus - aber die Haut wird immer schlimmer. Dabei kann man Rosazea heute mit der richtigen Therapie gut behandeln – auch wenn man sie nicht heilen kann. Spezielle Cremes oder Gels helfen gegen die Entzündung. Seit einiger Zeit gibt es einen neuen Wirkstoff: Ivermectin. Damit kommt auch Heike Voigt gut zu recht.

"Ivermectin ist ein antiparasitäres Mittel, also eher gegen Würmer wirksam oder gegen Milben. Allerdings jetzt bei der Rosazea wirkt es ja von außen und da ist vornehmlich die anti-entzündliche Wirkung und die Wirkung gegen die Haarbalgmilben zu sehen."

Prof. Dr. med. Carola Berking, Dermatologin und Klinikdirektorin, Universitätsklinikum Erlangen

Daneben nimmt sie noch eine Creme mit dem anti-entzündlichen Wirkstoff Metronidazol. Die meisten Patienten werden mit einer Kombinationstherapie aus beiden Wirkstoffen behandelt. Sind die Beschwerden ausgeprägter, helfen Tabletten. Mittel der Wahl ist Doxycyclin, ein niedrig dosiertes Antibiotikum, das auch länger eingesetzt werden kann, ohne Resistenzen zu bilden. Daneben gibt es noch eine andere systemische Behandlung für extrem betroffene Patienten:

"In besonders schweren Fällen der Rosazea verwenden wir auch noch ein anderes Medikament. Das heißt Isotretinoin und das ist ein Vitamin-A-Abkömmling. Dieses Medikament wird auch bei schwersten Formen der Akne verwendet und das setzt an den Talgdrüsen letztlich an."

Prof. Dr. med. Carola Berking, Dermatologin und Klinikdirektorin, Universitätsklinikum Erlangen

Allerdings hat das Mittel starke Nebenwirkungen, so dass es nicht bei Frauen in gebärfähigem Alter eingesetzt werden darf. Wegen der Nebenwirkung ist eine gründliche Abwägung wichtig. Ein ganz neues Gel mit dem gefäßwirksamen Wirkstoff Brimonidin ist seit ca. 2014 zur Behandlung der Gesichtsrötung zugelassen. Er sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße in der Haut verengen – die Rötung lässt nach. Nach circa sechs Stunden lässt die Wirkung allerdings wieder nach. Das Mittel ist verschreibungspflichtig – die Kosten werden und von den Kassen übernommen.

Sonderfall Rhinophym

In seltenen Fällen kann sich ein Rhinophym bilden. Vor einigen Jahren wurde die Nase von Klaus Dahm immer größer. Diese Sonderform der Rosazea ist selten – Männer sind sehr viel häufiger betroffen als Frauen. Klaus Dahm hat sich für eine Operation entschieden. Der Eingriff erfolgte unter Vollnarkose – drei Tage musste er in der Klinik bleiben. Professor Berking erklärt: „Hier müssen wir chirurgisch rangehen, das heißt, man versucht das Ganze wieder zu glätten, indem man mit dem Skalpell, mit einem Rasierer oder einem Laser das Ganze wieder ebnet.“

Klaus Dahm ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Gegen die Entzündungen im Gesicht nimmt er Cremes und Tabletten. „Das ist ein völlig neues Lebensgefühl im Prinzip. Das ist einfach, das ist eine neue Nase ein anderes Gesicht“, so Klaus Dahm.

Laserbehandlung gegen Rötungen

Wegen ihrer Rötungen hat sich Angela Bayerl für eine Laserbehandlung entschieden: Ein paar Sitzungen hatte sie schon bei ihrer Dermatologin. In der Regel werden dazu zwei Laser genutzt – einer für kleine, punktuelle und einer für großflächige Rötungen.

"Das Prinzip ist, dass die Energie des Lasers nur im Gefäß wirkt über den roten Blutfarbstoff und die umgebende Haut absolut geschont wird. Die Lasertherapie ist bei weitem nicht nur eine kosmetische Therapie, sie ist auch in der Leitlinie aufgenommen, da sie das Fortschreiten aus der Gefäßerweiterung in den entzündlichen Prozess - ins entzündliche Stadium - der Rosazea verhindern kann."

Dr. med. Cordula Dammer, Dermatologin Augsburg

Aufwand und Kosten variieren: Je nach Befund muss man mit 150 bis 250 Euro rechnen. In der Regel muss die Behandlung wiederholt werden, bis ein Erfolg sichtbar ist: Angela Bayerl ist zufrieden: „Es zieht ein bisschen, so ganz kurze Stiche aber es ist auszuhalten. Und man hat wirklich ein sehr gutes Ergebnis."

Ausfalltage gibt es keine – die Haut ist lediglich gerötet und muss nach der Behandlung gekühlt werden.

Triggerfaktoren meiden

Es gibt einige Triggerfaktoren, die eine Rosazea begünstigen und verschlimmern. Sonne etwa gehört dazu: Ohne hohen UV-Schutz geht Angela Bayerl nicht aus dem Haus. Sonnenbäder oder gar Besuche im Solarium sind also tabu für die Betroffenen.

Außerdem hat Angela Bayerl ihre Ernährung komplett umgestellt. Seitdem stehen vor allem frisches Obst und Gemüse auf dem Speiseplan – sie meidet Fleisch, Zucker, Fett und Milchprodukte.

"Die Ernährung spielt dahingehend eine Rolle, dass beispielsweise hoher Konsum von Zucker oder tierischen Fetten entzündliche Prozesse im Körper insgesamt verstärkt. Dazu gehören natürlich auch entzündliche Hautprozesse. Erschwerend kommt bei der Rosazea hinzu, dass es tatsächliche Triggerfaktoren in der Ernährung gibt wie scharfes Essen, heiße Getränke, Alkohol, die die Gefäßerweiterung - das Glühen im Gesicht - diese Flush-Symptomatik noch zusätzlich verstärken."

Dr. med. Cordula Dammer, Dermatologin Augsburg

Auch die richtige Pflege ist wichtig, rät Dr. Dammer: am besten sind milde Kosmetika ohne Parfum, Öle und Konservierungsmittel. Auch alkoholhaltige Gesichtswasser sollten gemieden werden. Es gibt Kosmetika, die speziell an den Bedürfnissen der Haut ausgerichtet sind, am besten lässt man sich dazu individuell beraten. Cortison ist absolut tabu in der Behandlung, warnt Prof. Dr. Berking, denn nach einer ersten Verbesserung, verschlimmert sich die Haut drastisch – man spricht von einem sogenannten Rebound-Effekt.


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