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Docs auf Schicht In der Plastischen Chirurgie der Uni München

Wenn die Not am größten ist, sind sie zur Stelle – Retter, Pfleger, Ärzte. Aber wie sieht der Alltag in Bayerns Kliniken aus? Regelmäßig geht Gesundheit! Mit den Docs auf Schicht und erlebt einen ganz normalen Kliniktag. Diesmal waren wir in der Plastischen Chirurgie des Klinikums der Universität München.

Von: Florian Heinhold

Stand: 06.11.2018

7:00 Uhr, Morgenkonferenz für Chefarzt Riccardo Giunta und sein Team. Auf die Ärzte wartet die ganze Bandbereite an Fällen: von Unfall- und Tumorpatienten bis hin zu rein ästhetischen Operationen.

"Das ist die Herausforderung für den plastischen Chirurgen, dass es auch optisch nach außen dann ansprechend aussehen muss."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Universität München

Plastische Chirurgie: facettenreiches Fachgebiet

Brustvergrößerung: Der Chirurg zeichnet an, wo geschnitten werden soll.

Die erste Patientin heute will sich die Brust vergrößern lassen. Prof. Giunta zeichnet die Orientierungslinien für die OP an.

"Ich glaube, wir werden ein sehr schönes Ergebnis für sie bekommen können."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Klinikum der Universität München

Aber in der plastischen Chirurgie geht es um viel mehr als „nur“ um Schönheit.

"Plastische Chirurgie ist keine Schönheitschirurgie. Da geht es um Lebensqualität für die Patienten: zum Beispiel, dass ein Gesicht schön aussieht, obwohl ein Tumor dort vorhanden ist."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Klinikum der Universität München

Plastische Chirurgie: Medizinische Hilfe in schweren Fällen

Plastische Chirurgie: Eine großflächige Kopfwunde muss versorgt werden.

Auf Station wartet ein komplizierter Fall: Ein Patient, der unter einem Tumor auf der Kopfhaut litt. Seit der entfernt wurde, klafft mitten auf seinem Kopf ein großes Loch in der Haut. Heute soll es mit einer aufwendigen OP, einer sogenannten Lappenplastik, wieder geschlossen werden.

Eine Brustvergrößerung und eine komplizierte Lappenplastik am Kopf. Zwei völlig unterschiedliche Operationen, die die ganze Bandbreite des Fachgebiets zeigen. Gesundheit! darf bei beiden dabei sein.

Brustvergrößerung: über dem Brustmuskel oder darunter?

Plastische Chriurgen im OP

Zunächst wird die Patientin operiert, die wegen einer Brustvergrößerung gekommen ist. Die junge Frau ist aufgeregt. Auch Schönheitsoperationen haben schließlich Risiken wie Blutungen und Infektionen. Chefarzt Prof. Giunta wird den Eingriff durchführen.

Bei einer Brustoperation stellt sich immer die Frage: Soll das Implantat über oder unter dem Brustmuskel eingesetzt werden? Die heutige Patientin ist sehr schlank. In solchen Fällen ist es meist besser, das Implantat unter den Brustmuskel zu platzieren, alles soll schließlich möglichst natürlich aussehen.

"Man versucht natürlich auch die Zugangsnarbe möglichst zu verstecken, so dass nur eine kleine Narbe entsteht. Es muss aber gleichzeitig noch das Implantat untergebracht werden."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Klinikum der Universität München

Plastische Chirurgie: Auch Brustvergrößerungen zählen zu den Aufgaben. Hier ein Brustimplantat.

Kleiner Schnitt, großes Implantat. Das Material hält grundsätzlich das ganze Leben. Trotzdem kann durch hormonelle Veränderungen, etwa in der Schwangerschaft oder auch im fortgeschrittenen Lebensalter, eine Folgeoperation nötig werden.

"Es ist tatsächlich so, dass sich im Laufe des Lebens vieles verändern kann, dass man es unter Umständen austauschen muss."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Klinikum der Universität München

Zuletzt kontrollieren die Ärzte, ob beide operierten Brüste auch wirklich symmetrisch und formschön aussehen. Prof. Giunta ist sehr zufrieden.

Plastische Operation Lappenplastik: Wo Blut ist, da ist Leben

Dann steht die schwerste OP des Tages an. Die Lappenplastik am Kopf. Dr. Denis Ehrl führt die Operation durch.

"Das ist eine richtig große OP, das ist keine Selbstläufer-OP."

Dr. med. Denis Ehrl, Klinikum der Universität München

Plastische Chirurgie: Haut am Oberschenkel wird entnommen, um damit die Kopfwunde eines Patienten zu versorgen.

Höchste Konzentration: Das Loch im Kopf des Patienten soll durch einen Hautlappen geschlossen werden, den die Ärzte aus dem Oberschenkel schneiden. Stück für Stück wird der Hautlappen freigelegt. Dann werden die Blutgefäße am Kopf für das neue Gewebe präpariert. Es muss schnell gehen: Sobald der Lappen entnommen ist, wird er nicht mehr durchblutet und könnte absterben.

"Das ist die kritischste Phase der OP. Jetzt geht es darum: Erfolg oder Misserfolg."

Dr. med. Denis Ehrl,  Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Universität München

Plastische Chirurgie: Die Blutgefäße des Hautlappens müssen schnell vernäht werden. Gefordert sind Schnelligkeit und Konzentration.

Dr. Ehrl muss unter Zeitdruck die Venen und Arterien am Kopf mit den Blutgefäßen des Hautlappens verbinden, damit das neue Gewebe durchblutet wird. Zuletzt wird die Wunde vernäht und ein Verband angelegt. Nach dem Eingriff besuchen wir den Patienten im Aufwachraum. Er schaut schon wieder optimistisch in die Zukunft. Und auch unsere Brustpatientin hat zwar noch ein wenig Schmerzen, freut sich aber schon auf den neuen Look. Gesundheit! ist bald wieder mit den Docs auf Schicht.


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