BR Fernsehen - Gesundheit!


11

Gesünder ohne Plastik? Experiment Plastikfasten

Knapp 12 Millionen Tonnen Plastik verbraucht Deutschland jedes Jahr – so viel wie kein anderes Land in Europa. Plastikverpackungen überall – ein Gesundheitsrisiko? Unser Reporter Fero Andersen begleitet eine Familie, die eine Woche lang versucht, auf Plastik zu verzichten. Und er erfährt, was an den Kunststoffverpackungen gefährlich ist. Heute in "Gesundheit!": Plastikfasten – das Experiment.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 19.02.2018

Normalerweise verzichtet man beim Fasten auf Süßes oder Alkohol oder neuerdings auch auf Kunststoff. Familie Haas, das sind Mama Evelyn, Papa Simon, die Kinder Madita, Leonie, Maximilian, Emma, Jakob, Benjamin und die beiden Hundedamen Paula und Frida, möchte eine Woche lang darauf verzichten, Plastikmüll zu produzieren.

Plastikmüll: Überall im trauten Heim

Der Plastikmüll einer Woche stammt unter anderem aus dem Kühlschrank: Wurst – plastikverpackt. Joghurt ist natürlich auch in Plastik, Käse ist in Plastik, Salat ist in Plastik, die Tüte an sich und der Deckel. Und die Tüte ist Plastik. Auch im nächsten Raum jede Menge Plastikverpackungen. Im Badschränkchen verbergen sich Cremes, Haarkosmetik, Duschgels ... Kunststoff ... Shampoo, auch Kunststoff. Fazit nach dem Haushalts-Check:

"Also ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich schon, muss ich ehrlich sagen – es war mir nicht bewusst, wie viel Plastikmüll wir produzieren. Man hat es an den Tüten gesehen, das müssen wir echt ändern."

Evelyn Haas

Plastikfasten: Der Plan

Eine Woche lang hat Familie Haas Zeit für das Plastikfastenexperiment. Man braucht auf jeden Fall einen guten Plan. Es rauchen die Köpfe. Eins ist klar – es wird eine ganz schöne Herausforderung.

"Was jetzt schwierig wird beim Discounter, glaube ich, ist die Milch. Weil die gibt es nur in Kunststoff ... und Süßigkeiten .... davon brauchen wir viel und das Naschzeug. Shampoo und Duschgel. Nudeln werden schwierig ... Was noch superschwierig wird, ist die Butter ... Fleisch ist eine gute Idee. Wenn du etwas kaufst, dann wird es in Tüten verpackt – ich befürchte fast, dass alles aus Kunststoff ist. Da könnte man aber reden, wenn wir zum Beispiel Tupperschüsseln mitnehmen, die zwar auch aus Kunststoff sind, aber die haben wir schon da, und da könnte man fragen, ob er uns Käse und Wurst direkt da einfüllt. Das ist eine super Idee, das so zu machen: Plastik als Tupperdose ja, aber mitnehmen und ohne Verpackung wieder zurück."

Überlegungen von Familie Haas

Plastikfasten: Die Idee wird Wirklichkeit  

Jetzt geht es daran, die guten Ideen in die Tat umzusetzen. Evelyn besucht mit ihren drei jüngsten Kindern einen nahgelegenen Wochenmarkt. Auf dem Einkaufszettel stehen verschiedene Käsesorten. Diese bekommt Evelyn anstandslos in die mitgebrachten Dosen verpackt. Als nächstes geht es zum Metzger. Auch hier kann sie ohne zusätzliche Plastikverpackung einkaufen.

"Und die Verkäuferin hat gesagt, mittlerweile kommen viele Leute und bringen ihre Tupperschalen mit und lassen sich diese direkt abfüllen. Also selber ausprobieren."

Evelyn Haas

Premiere: Erste Milch ohne Kunststoffverpackung

Ein Erlebnis für die Kinder ist auch der Milchkauf. In Aubing hat Evelyn eine Milchtankstelle ausfindig gemacht. Die frische Milch direkt vom Bauern ist allerdings nicht pasteurisiert und sollte daher vorher abgekocht werden. Die erste Milch ohne Plastik für Familie Haas.

Plastikverpackungen enthalten Weichmacher und andere Schadstoffe. Die können gesundheitsschädlich sein. Bei der Verbraucherzentrale Bayern möchte "Gesundheit!"-Reporter Fero Andersen mehr dazu erfahren.

Plastikverpackungen: Gefahr für die Gesundheit?

Dabei hat er einen typischen Warenkorb mit verschiedenen in Kunststoff verpackten Lebensmitteln. Sabine Schuster-Woldan vom Referat für Lebensmittel und Ernährung weiß, wo die Risiken bei Plastik liegen.

"Das Wesen des Kunststoffs an sich ist es halt schon mal, dass der nicht ganz stabil ist, dass da einzelne Substanzen beweglich drin sind und die dann ins Lebensmittel unter bestimmten Bedingungen wandern können."

Sabine Schuster-Woldan, Verbraucherzentrale Bayern

Kritisch sind vor allem Weichmacher und die Substanz Bisphenol A – diese wirken direkt auf das Hormonsystem. Um das Risiko für die Gesundheit zu minimieren, hier ein paar praktische Tipps:

"Das ist eine Wurstverpackung, ein paar Scheiben mit sehr viel Kunststoff. Da ist die Kontaktfläche zwischen Kunststoff und Lebensmittel sehr groß und je mehr Kontaktfläche ich habe, desto mehr wandert auch hinein."

Sabine Schuster-Woldan, Verbraucherzentrale Bayern

Auch Mikrowellen-Fertiggerichte können problematisch sein.

"Das ist ein bisschen kritisch, weil dieser Kunststoff dann stark erhitzt wird. Hier habe ich jetzt Kässpätzle, die sind sehr fetthaltig und dann geht da leichter etwas über.
Parmigiano: Was vor allem sehr beliebt ist, sind die neuartigen Verpackungen, die wiederverschließbar sind. Das ist sehr praktisch, kann man aufreißen und dann kann man das immer wieder verschließen. Das ist tatsächlich bedenklich, weil diese Kleberbestandteile gesundheitsschädlich sind und nachdem man nicht weiß, wie sorgfältig der Hersteller jeweils gearbeitet hat, würden wir empfehlen, solche Packungen entweder nicht zu kaufen oder wenn es halt nicht zu vermeiden ist, dann die zu Hause umzufüllen in eine andere Verpackung."

Sabine Schuster-Woldan, Verbraucherzentrale Bayern

Plastikfasten: Experiment mit Erfolg?

Eine Woche lang hat Familie Haas auf Kunststoff verzichtet. Mal sehen, wie es heute um das Plastikfastenexperiment bestellt ist. Evelyn und Simon hatten mit ihren sechs Kindern keine leichte Aufgabe, denn wer günstig einkaufen möchte, kommt an Kunststoffverpackungen kaum vorbei. Fero Andersen schaut sich erst mal den Kühlschrank an. Er hat sich verändert: so gut wie kein Kunststoff mehr. Da ist jetzt Milch im Glas, Ketchup im Glas und die Schlagsahne auch.

Eine Überaschung war, dass einige Lebensmittel tatsächlich unverpackt gekauft werden können:
Nudeln, Müsli und Kaffee, alles im Laden ohne Verpackungen, direkt in die eigenen Schüsseln abgefüllt.

Im Badezimmer:

"Einmal Seife zum Duschen – ohne Verpackung gekauft, dann auch noch Shampoo-Seife. Ganz normal aufschäumen, in die Haare geben ... schäumt richtig und riecht gut. Badezimmer, die nächste. Klopapier: – unverpacktes Klopapier – das kann man sich so wirklich mitnehmen."

Evelyn Haas

Verzicht und der Preis

Also auch im Bad jede Menge Verpackungen gespart – so kann es weitergehen. Doch jetzt die harten Fakten: Was hat sich Familie Haas unterm Strich das Plastikfasten kosten lassen? Fast alle Produkte ohne Kunststoffverpackung waren deutlich teurer. Mehr als das Doppelte hat die achtköpfige Familie für eine Woche ohne Plastik ausgegeben. Wie war am Ende das Gefühl in dieser Woche und wird Familie Haas weitermachen?

"Also ich finde es super, weil wir haben uns unheimlich viel Kunststoff gespart – von dem her wollen wir auf alle Fälle weitermachen. Wir müssen kucken, dass wir einen Kompromiss finden, der für uns auch praktikabel ist."

Evelyn Haas

Familie Haas hat's gepackt, das Plastikfastenexperiment ist geglückt!


11