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Endometriose Extreme Schmerzen während der Periode

Starke Schmerzen während der Menstruation werden immer noch als normale Begleiterscheinungen des Monatszyklus abgetan. Extreme Schmerzen sind allerdings alles andere als normal. Dahinter steckt häufig die Krankheit Endometriose.

Von: Annette Bögelein

Stand: 09.10.2017

Endometriose: Extreme Schmerzen während der Periode | Bild: Screenshot BR

Bei dieser Frauenkrankheit siedelt sich Gewebe der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter (Uterus) an. Zum Beispiel an Eierstöcken, am Eileiter, am Darm, an der Blase oder dem Bauchfell. Die Gewebestücke, auch Endometrioseherde genannt, wachsen während des Monatszyklus mit.

Tritt die Menstruation ein können diese Endometrioseherde auch bluten. Es kommt zu oberflächlichen und tiefen Verwachsungen im Bauch, die sehr schmerzhaft sein können.

"Typisch sind Schmerzen während der Periodenblutung. Gerade wenn diese länger bestehen oder die Erkrankung weiter fortgeschritten ist, führen sie zu chronischen Unterbauchschmerzen. Das bedeutet, dass auch außerhalb der Periode Schmerzen auftreten oder Schmerzen beim Wasserlassen, Geschlechtsverkehr oder Stuhlgang vorkommen."

Prof. Stefan Renner, Präsident der Europäischen Endometrioseliga

Endometriose bleibt oft unerkannt

Geschätzt etwa jede zehnte Frau vor den Wechseljahren leidet unter Endometriose. Pro Jahr werden etwa 40.000 Neuerkrankungen registriert. Bis zur Diagnose vergehen oft viele Jahre. Zum einen sind die Schilderungen der Unterleibsschmerzen sehr individuell. Zudem werden diese Beschwerden von niedergelassenen Frauenärzten häufig als normale Begleiterscheinung der Monatsregel abgetan.

Auf der anderen Seite ist die Krankheit unter Umständen schwer nachweisbar. Im Ultraschall sind Verwachsungen – wenn überhaupt – nur von einem Spezialisten zu erkennen. Erst der Blick in den Bauchraum – eine Bauchspiegelung – liefert Hinweise, ob es sich tatsächlich um eine Endometriose handelt.

"Im Ultraschall sieht man meist nichts, es scheint alles auf den ersten Blick normal. Auf der anderen Seite haben wir das Problem, dass von ärztlichen Kollegen die Beschwerden der Frauen häufig nicht ernst genommen werden, weil Schmerzen während der Periodenblutung immer noch als ganz normal angesehen werden."

Prof. Stefan Renner, Endometriose-Spezialist

Häufig Grund für Unfruchtbarkeit der Frau

Dabei wäre es sehr wichtig die Krankheit rechtzeitig zu erkennen, um sie zu behandeln. Nicht nur wegen der Belastung der monatlich wiederkehrenden Schmerzen, sondern auch weil die Krankheit ein häufiger Grund für die Unfruchtbarkeit einer Frau ist.

"Es gibt Statistiken, dass 30 bis 50 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos sind oder versuchen schwanger zu werden, Endometriose haben."

Prof. Stefan Renner, Gynäkologe an der Frauenklinik der Uni Erlangen

Warum Frauen mit der Krankheit häufig kinderlos bleiben, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Diskutiert werden immunologische Gründe, zum Beispiel spezielle Abwehrmechanismen des Körpers. Grund für die Unfruchtbarkeit können aber auch Veränderungen an Eizellen oder der Gebärmutterschleimhaut sein, beziehungsweise Schäden, die die Endometriose dort hervorruft. Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren und Mechanismen dafür verantwortlich.  

Unterschiedliche Erscheinungsformen

Die Hauptsymptome bei Endometriose sind der zyklusabhängige Schmerz und die Sterilität. Wobei alle Symptome erheblich variieren können. Zeitpunkt, Lokalisation, Dauer und Intensität der Schmerzen können sehr unterschiedlich sein.

Es gibt verschieden Formen der Endometriose: die peritoneale Endometriose, die zystische Endometriose am Eierstock und die tief infiltrierende Endometriose (TIE).

Bei der peritonealen – der oberflächlichen – Endometriose befinden sich kleine, oberflächliche Herde auf dem Bauchfell (Peritoneum). Diese sind typischerweise im Ultraschall nicht nachweisbar. Im Ultraschall sieht man jedoch relativ einfach die zystische Endometriose am Eierstock. Bei der tief infiltrierenden Endometriose haben sich Endometrioseherde an anderen Organen - wie Darm, Blase, Harnleiter oder Gebärmutter - gebildet. Es kommt dort zu narbigen Wucherungen und Knoten, die in die jeweiligen Organe hineinwachsen können.

Therapie ist möglich – Heilung nicht

Endometriose ist eine chronische Erkrankung mit der Neigung zu Rezidiven (Wiederauftreten). Mit einer individuell angepassten Therapie ist es aber möglich, für die meisten Frauen eine gute Lebensqualität zu schaffen. Nach den Wechseljahren sind über 95 Prozent aller erkrankten Frauen beschwerdefrei.

Bei den leichteren Endometrioseformen kann zunächst versucht werden, mit einer hormonellen Therapie (Gelbkörperhormon oder Antibabypille als Langzeiteinahme) die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Gelingt dies nicht, wird eine Operation empfohlen, um die Endometrioseherde zu entfernen.

Bei schwereren Formen der Endometriose ist häufig eine Operation nicht vermeidbar. Hierbei sollte – möglichst in einem spezialisierten Zentrum – versucht werden, in einem Eingriff die Endometriose komplett zu entfernen.

Bei Befall von Gebärmutter oder Darm muss ein individuelles Vorgehen gewählt werden. Bei Kinderwunsch und nicht abgeschlossener Familienplanung muss hierbei natürlich von einer Gebärmutterentfernung - trotz Befall - Abstand genommen werden. Bei fehlenden Beschwerden sollte keine Entfernung am Darm erfolgen.

Wichtig ist ein multimodales Konzept (Operation, Medikation, alternative Heilmethoden), um die Rezidivrate zu vermindern und insbesondere mehrere Operationen in kurzer Zeit zu vermeiden.

Zusätzlich: Physiotherapie und Osteopathie

Für den Gynäkologen Prof. Stefan Renner aus Erlangen sind Frauen mit Endometriose chronische Schmerzpatientinnen. Deshalb empfiehlt er häufig, vor und nach einer Operation, Physiotherapie oder Osteopathie.

"Chronischer Schmerz führt dazu, dass es zu Verspannungen und Fehlhaltungen kommt. Auch wenn die Ursache bekämpft ist, bleiben oft Schmerzen bestehen. Das heißt nicht, dass die Operation schlecht ausgeführt wurde, sondern, dass der Schmerzreiz zu einem Verspannungssyndrom geführt hat, was mit anderen Methoden geheilt oder gebessert werden kann."

Prof. Stefan Renner, Gynäkologe

Nach einer Operation rät der Experte auf jeden Fall zu einer anschließenden Hormonbehandlung - wenn keine Risikofaktoren oder Kinderwunsch bestehen. Die Unterdrückung des Zyklus kann verhindern, dass sich neue Endometrioseherde bilden.


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