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Arzt-Patienten-Kommunikation Patientenknigge

Können wir reden..? Was Patienten für ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch tun können – und was sie lieber lassen sollten!

Von: Isabel Hertweck-Stücken

Stand: 13.11.2017

Viele Patienten sind verunsichert: Einerseits fordern Ärzte den mündigen Patienten, andererseits reagieren viele Ärzte genervt auf sogenannte „Google-Patienten“.

Wie soll man sich im Arzt-Gespräch also am besten verhalten: Sich vorbereiten, oder dem Arzt völlig die Initiative überlassen? Nachfragen oder blind vertrauen? Oder kommt es drauf an, wie man es rüberbringt? Auf die Kommunikation also?

Was nervt Ärzte, und was empfinden sie als konstruktiv im Arzt –Patienten-Gespräch?

Dazu sprachen wir mit Antonius Schneider, Prof. für Allgemeinmedizin an der TU München. Wie hält er es zum Beispiel mit „Google-Patienten“?

"Ich finde die Patienten, die sich über Internet informiert haben, man kann sie auch „Google -Patienten“ nennen, nicht schlimm. So ist die Welt heutzutage, und als Arzt freue ich mich auch, wenn der Patient sich vorher informiert und sich Gedanken macht."

Prof. Dr. med. Antonius Schneider, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, TU München

Eine gute Grundlage fürs Arztgespräch:  Information – nur: die richtige muss es sein.

Das Internet als Quelle zu nutzen ist sinnvoll, darüber mit dem Arzt reden ist auch in Ordnung. Allerdings: Ärzte finden es kontraproduktiv, wenn man sich in Patientenforen informiert hat, wo es hauptsächlich um „Leidensgeschichten“ geht.

"Da sammeln sich eigentlich in einer riesigen Portion nur die negativ-Erfahrungen, oft etwas polemisch aufgeladen. Das verängstigt die Patienten in meinen Augen mehr, als dass es ihnen hilfreiche Informationen bietet."

Prof. Dr. med. Antonius Schneider

Gute Informationsquelle: Patientenleitlinien

Ärzte selbst informieren sich in sogenannten Leitlinien über den aktuellen Stand von Diagnose und Therapie. Wissenschaftliche Fachgesellschaften tragen hier die neuesten und am besten gesicherten Erkenntnisse zusammen. Seriös sind diese Informationen auf jeden Fall. Die klingen dann allerdings schwer nach „Ärztelatein“:

"Die Farbe des Sputums hat keinen prädiktiven Wert für die Diagnose einer bakteriellen  Genese  oder bezüglich  der  Differenzierung  einer Pneumonie von  einer  Bronchitis (T  IV /  C [23])."

Auszug aus der Degam (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin ) Leitlinie zur Behandlung von Husten

Tipp : Für viele Leitlinien gibt es auch eine Patientenversion, also eine „Patientenleitlinie“ im Internet – gleicher Inhalt, verständlich formuliert.

"Oft befürchten Betroffene, dass bei Fieber oder gelblich-grünem Auswurf Bakterien beteiligt sind. Aber das sind nur Zeichen einer normalen körpereigenen Virenabwehr."

Auszug aus der Degam-Patientenleitlinie, der das obige Zitat in allgemeinverständliches Deutsch übersetzt

Konstruktive Gespräche trotz Zeitmangel: Geht das?

Zeit ist knapp, besonders in der Arztpraxis. Nach durchschnittlich elf bis 24 Sekunden unterbrechen Ärzte ihre Patienten das erste Mal. Viele Patienten fühlen sich dadurch gehetzt und fragen sich: Wie kann man seine Inhalte trotz knapper Zeit rüberbringen?

"Vor allem wenn es mehrere Beschwerden sind, die einen zum Arzt führen, würde ich den Rat geben, einen kleinen Stichwortzettel mitzuführen. So dass dann auch unter Drucksituationen keine vorherigen Gedanken zu den Symptomen entgehen."

Prof. Dr. med. Antonius Schneider

Es ist also sinnvoll, sich vor dem Arztbesuch ein paar Stichpunkte aufzuschreiben. Deshalb gilt man noch nicht als sogenannter „Zettelpatient“.

Im Internet gibt es unter www.patienten-universität.de sehr empfehlenswerte Checklisten und Fragenkataloge, mit denen man sich gut auf ein Arzt-Gespräch vorbereiten kann.

Aber: Geben Sie dem Arzt eine Chance, sich zeitlich darauf einzustellen, wenn Sie viele Fragen haben. Kündigen Sie es am besten gleich zu Anfang des Gesprächs an, dann können Sie mit dem Arzt unter Umständen einen weiteren Termin vereinbaren.

Voraussetzung für gute Kommunikation: Respekt oder Augenhöhe

Ein Gespräch auf Augenhöhe - das ist die Zukunft – sagen Gesundheitsexperten:  Aber wie soll das gehen, fragt sich mancher? Da sitzt man immerhin einem Spezialisten gegenüber, der Jahre lang studiert hat - man selbst aber ist grade mal ein paar Tage krank. Geht das also überhaupt?

"Ziel der modernen Ärzteschaft und der Forschung ist es, den Patienten zum Experten seiner eigenen Erkrankung zu machen. Das mag bei akuten Erkrankungen vielleicht mal nicht so gut funktionieren, aber vor allem bei chronischen Krankheiten ist es von großer Bedeutung."

Prof. Dr. med. Antonius Schneider

Manch ein Patient kennt sich mit der eigenen Krankheit besser aus, als ein junger, unerfahrener Arzt. „Gesundheitskompetenz“ ist das Stichwort – die soll gefördert werden. Dann können Patienten auch viel besser Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen - und bei Therapien optimal mitarbeiten.

Aber „Augenhöhe“ in der Arzt-Patienten-Kommunikation ist nicht immer das Richtige. Erfahrene Mediziner wissen, dass Patienten manchmal lieber einfach nur getröstet werden wollen.

"Ich finde, es ist Aufgabe von uns Ärztinnen und Ärzten, das irgendwo zu erspüren, und auch gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeiten, welche Art der Kommunikation am sinnvollsten ist."

Prof. Dr. med. Antonius Schneider

Missverständnisse vermeiden – nachfragen erlaubt!

Missverständnisse zu vermeiden, ist nicht immer leicht. Das fängt schon damit an, dass statistisch gesehen 50 Prozent der Inhalte, die Ärzte mit ihren Patienten besprechen, gleich wieder vergessen wird.

"Ich denke, Patienten könnten sich hier absichern, indem sie nochmal nachfragen: Habe ich Sie richtig verstanden, dass es auf das und das ankommt? Idealerweise ist es vielleicht auch so, dass wir als Ärzte fragen: Wir haben jetzt komplizierte Dinge besprochen, können Sie mir nochmal die wichtigsten Sachen wiederholen?"

Prof. Dr. med. Antonius Schneider

Fazit: Ärzte wünschen sich einen „normalen“, das heißt freundlichen und höflichen Umgangston von ihren Patienten – wenn das den Patienten möglich ist. Erfahrene Ärzte wissen, dass manchmal, wenn Patienten sich unter Druck, oder emotional belastet fühlen, oder wenn psychische Symptome vorliegen, das nicht möglich ist. Experten wie Prof. Antonius Schneider sehen – nicht nur deshalb - die Hauptverantwortung für eine gelungene Kommunikation beim Arzt.

Dass die Kommunikation als Bestandteil der ärztlichen Kompetenz noch viel zu gering geschätzt wird, und dass die „sprechende“ Medizin nicht zuletzt im Honorarrahmen der Kasse viel zu wenig gewürdigt wird – das sind leider Tatsachen, die einer guten Arzt-Patienten-Kommunikation  noch viel zu oft im Wege stehen.


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