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Notaufnahmen in Bayern Notaufnahmen vor dem Kollaps?

Notaufnahmen sind praktisch: Sie sind gut erreichbar, rund um die Uhr geöffnet und es gibt dort viele Fachärzte. Dadurch werden auch Patienten angezogen, die eigentlich auch ein Hausarzt behandeln könnte. Die Folge: Bayerns Notaufnahmen sind notorisch überfüllt und das Personal schuftet an der Belastungsgrenze.

Von: Verena Hampl

Stand: 23.07.2018

Johanna Popp ist Pflegerin in der Notaufnahme am Klinikum St. Josef in Regensburg. Ab sechs Uhr ist sie im Einsatz, rennt oft pausenlos von einem Patienten zum nächsten. Heute ist wieder so ein Tag.

Notaufnahme: zu viele Patienten, lange Wartezeiten

Fehler im System: Warum kommen zu viele Patienten in die Notaufnahmen?

Patienten, die nicht lebensbedrohlich krank sind, müssen dann länger warten, manchmal über mehrere Stunden. Erst wenn es ruhiger wird, kommen sie dran. Das sind Fälle, über die sich Johanna Popp manchmal ärgert.

Wann in die Bereitschaftspraxis, wann in die Notaufnahme?

So soll sie einen Mann mit Bauchschmerzen behandeln. Er hat etwas Falsches gegessen. Doch er leidet weder unter Durchfall, Erbrechen, noch hat er Fieber. Trotzdem muss Johanna Popp alles abklären. Dabei gäbe es eine andere Möglichkeit Patienten und das Personal in der Notaufnahme zu entlasten;  zumindest theoretisch:

Notaufnahme: Kein Ersatz für geschlossene Bereitschaftspraxen

Die Bereitschaftspraxis neben der Notaufnahme. Hier sitzen außerhalb der normalen Sprechzeiten Hausärzte, die die Notaufnahmen entlasten sollen. Doch die Praxis hat jetzt noch nicht offen, Pflegerin Johanna Popp muss sich selbst um den Patienten kümmern.

"Ich mach jetzt eine Laboruntersuchung, ich mach ein EKG. Der Patient bindet Pflegekräfte an sich. Dann kommt noch eine Ärztin, die macht einen Ultraschall. Alles für etwas, was ein Hausarzt hätte schneller regeln können."

Johanna Popp, Pflegerin, Notaufnahme am Klinikum St. Josef, Regensburg

Überfüllte Notaufnahmen: Fehler im System

Johanna Popp und ihr Chef, Dr. med. Andreas Hüfner, Leiter der zentralen Notaufnahme am Klinikum St. Josef, machen dafür aber nicht die Patienten alleine verantwortlich. Sie sehen den Fehler im System. Demnach müssten Bereitschaftspraxen längere Öffnungszeiten anbieten, um tatsächlich Patienten von den Notaufnahmen zu übernehmen. Und Patienten müssen schneller den Weg zum richtigen Arzt finden.

Geplantes neues Modell: Notfallzentren statt Notaufnahmen

Wann in die Notaufnahme? Im neuen Modell soll ein Sachverständiger entscheiden, was zu tun ist.

Der sogenannte “Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen” hat dafür schon ein neues Modell entwickelt. Sollte es kommen, würden die Notaufnahmen bald in Notfallzentren umgewandelt. Es sieht vor, dass sich Patienten erst an eine Leitstelle wenden. Ein Experte entscheidet dann, was zu tun ist:

Das neue Modell steuert im Voraus: Krankenwagen, Facharzt oder Notfallzentrum

Kommt sofort ein Rettungswagen, bekommt der Kranke einen Termin beim Facharzt, oder soll sich der Betroffene gleich ins Notfallzentrum begeben? Hier arbeiten dann Fachärzte und Hausärzte eng zusammen.
Pflegerin Johanna Popp würde sich über eine Entlastung freuen. Denn auch wenn es oft stressig ist und die Patienten vor dem Empfang der Notaufnahme anstehen, liebt sie ihre Arbeit.

"Ich finde meinen Job ganz toll und ich mache ihn auch gerne und schon ziemlich lange. Mehr Geld oder mehr Lohn zählt für mich nicht. Es geht mir um die Freizeit, die verloren geht. Das macht das Sozialleben unheimlich schwer und da sollte man eigentlich ansetzen."

Johanna Popp, Pflegerin Klinikum St. Josef in Regensburg.

Wichtige Infos:

Alle Informationen zu den Öffnungszeiten der Kassenärztlichen Bereitschaftspraxen in Bayern gibt es hier:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, der Bereitschaftspraxen in der Nähe Vermitteln kann:

116 117


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