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Verstopfte Nase Nasenspray-Abhängigkeit: Wie kommt man davon los?

Sei es bei Allergien oder einem ausgewachsenen Schnupfen: Ist die Nase zu, sind sie ein wahrer Segen: abschwellende Nasensprays. Doch benutzt man sie zu lang, droht eine Abhängigkeit und die Nase kann dauerhaft geschädigt werden.

Von: Julia Grantner

Stand: 26.04.2021

Das Nasenspray ist immer griffbereit – seit gut 5 Jahren ist Rene Breitenseher davon abhängig. Der 50-Jährige leidet an verschiedenen Allergien und oft fällt ihm das Atmen deshalb schwer.

Viele benutzen im Winter bei Erkältungen, wenn die Nase zu ist, Nasenspray: Rene Breitenseher sogar noch häufiger im Frühling, denn dann beginnen die Gräser zu blühen und die Pollen zu fliegen. Luft bekommen wird für ihn regelrecht zur Qual – vor allem nachts.

"Dann wache ich auf und geh runter und gebe mir einen Spritzer, damit ich dann den Rest von der Nacht meine Ruhe habe einigermaßen. Tagsüber kann ich es nicht vergessen. Irgendwo ist immer eins, im Auto, in der Jackentasche, in der Firma, überall steht so ein Teil, ich habe bestimmt 10 Dosen rumstehen."

Rene Breitenseher, Patient

So wirken abschwellende Nasensprays

Durch die Wirkstoffe Xylometazolin und Oxymetazolin ziehen sich die Blutgefäße zusammen und dadurch schwellen die Nasenschleimhäute ab. Luft kommt wieder durch. Doch mit der Zeit gewöhnt sich die Nase an das Spray und sobald die Wirkung nachlässt, werden die Schleimhäute besonders stark durchblutet und schwellen übermäßig an. Das verleitet dazu, erneut zu sprühen – ein Teufelskreis entsteht. Die Nasenschleimhaut leidet, Viren und Bakterien können nicht mehr so gut abgewehrt werden.

"Da kommt es zu negativen Effekten. Und dazu zählen zum Beispiel Trockenheit in der Nase, zum Teil sogar auch Schmerzen in der Nase und dann in der Folge häufig auch Nasenbluten, was durch diese trockene Nasenschleimhaut entsteht."

Dr. med Frank Haubner, HNO-Arzt, Klinikum der Universität München

Nebenwirkungen von zu viel Nasenspray:

- Leiden des Riechvermögens / beeinträchtigter Geschmackssinn
- trockene Schleimhäute
- häufiges Nasenbluten
- in schlimmen Fällen: Regelmäßiges Laufen von Sekret aus der Nase in den Rachen
- in noch schlimmeren Fällen: „Stinknase“

Dr. Frank Haubner sieht in seiner Sprechstunde am Klinikum der Universität München regelmäßig Patienten, die nicht mehr vom Nasenspray loskommen. In harten Missbrauchsfällen kann es sogar noch schlimmere Folgen haben – eine sogenannte „Stinknase“ droht.

"Prinzipiell ist es so, dass durch den langjährigen Gebrauch von solchen abschwellenden Nasensprays die Nase austrocknet, verkrustet und diese Krusten natürlich ein idealer Nährboden für Keime sind. Und das riecht dann unangenehm. Und das ist dann diese Stinknase."

Dr. med Frank Haubner, HNO-Arzt, Klinikum der Universität München

Über 100.000 Menschen in Deutschland sind abhängig von Nasenspray

Schätzungen gehen davon aus, dass über 100.000 Menschen in Deutschland abhängig von Nasenspray sind. Laut einer Befragung der Krankenkasse Pronova BKK haben 19 Prozent aller Deutschen Nasenspray "immer schnell zur Hand". Erschreckend viele, wenn man vergleicht, dass 43 Prozent das für Kopfschmerztabletten angeben.

Rene Breitenseher hat viel versucht, um ohne abschwellende Nasensprays auszukommen. Bislang ohne Erfolg. Schließlich hat er sich Hilfe bei einem HNO-Arzt geholt: Schnell wurde klar, dass bei ihm mehrere Faktoren zusammenkommen. Die Allergien und eine verkrümmte Nasenscheidewand machen ihm das Atmen schwer.

Bei ihm steht deshalb eine OP an. Die verkrümmte Nasenscheidewand wird begradigt und die durch den Nasenspray-Missbrauch deutlich vergrößerten Nasenmuscheln werden mit einem Skalpell verkleinert.

"Wenn jemand Beschwerden hat und das passende Bild dazu und die konservative Behandlung hat nicht den gewünschten Effekt, dann lohnt es sich, die Nasenscheidewand korrigieren zu lassen."

Dr. med. Ioannis Charalampakis, HNO-Arzt, Landshut

"Die OP bedeutet für mich mehr Lebensqualität. Seitdem kann ich besser durchschnaufen, ich schnarche nicht mehr so viel – das ist auch für die Frau gut. Ich bin freier, es ist wieder schöner!"

Rene Breitenseher, Patient

Wege aus der Abhängigkeit

Eine OP ist aber natürlich das letzte Mittel der Wahl. Patienten können auch anders vom Nasenspray loskommen.

Die Abhängigkeit beenden mit diesen Tricks:

- Umstieg auf kortisonhaltige Nasensprays: Diese sind zwar verschreibungspflichtig, aber haben keinen Sucht-Effekt.
- „Ein-Loch-Therapie“: zunächst ein Nasenloch auf Entzug setzen, dann das andere
- schrittweise Reduzierung der Dosis: Kinderdosierung, Verdünnung mit Kochsalzlösung
- Nutzung von Nasensprays oder -tropfen auf mineralischer Basis
- radikale Methode: weg damit und 2 Wochen durchhalten, dann ist die Nase entwöhnt

Damit es erst gar nicht zur Abhängigkeit kommt, gilt: Abschwellende Nasensprays höchstens sieben Tage und nur dreimal täglich verwenden. Und dann erst einmal nicht weitersprühen.


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