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Mundtrockenheit Was hilft, wenn die Spucke wegbleibt?

Wem beim Anblick deftiger Schmankerln oder süßer Naschereien das Wasser im Mund zusammenläuft, der sollte sich freuen und das genießen. Denn vielen geht es nicht so: Etwa die Hälfte der über 65-Jährigen leidet an Mundtrockenheit. Für sie können Essen, Sprechen und vor allem Schlucken zur Qual werden.

Von: Antje Maly-Samiralow

Stand: 18.09.2018

Wer kennt das nicht: Man ist aufgeregt, weil ein Vorstellungsgespräch bevorsteht. Der Mund wird pelzig, die Zunge auch und die Stimme versagt. Oder: längeres Reden in trockenen, klimatisierten Räumen - und die Kehle dörrt aus.

Etwa 50 Prozent der über 65-Jährigen leiden an Mundtrockenheit.

Wenn sich der Mund rauh anfühlt, das Schlucken beschwerlich wird und der Rachen kratzt, kann das damit zu tun haben, dass man zu wenig trinkt. Klingen die Symptome aber trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr nicht ab, hat sich möglicherweise eine Mundtrockenheit manifestiert. Etwa 50 Prozent der über 65-Jährigen klagen über Mundtrockenheit.

Mundtrockenheit: ein Phänomen des Alterns

Die Gründe dafür sind mannigfaltig:

"Die Schleimhautregeneration im Alter ist viel kürzer und schlechter. Die Hormonveränderung ist gravierend sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Dadurch entwickelt sich sehr viel intensiver eine Mundtrockenheit, insbesondere auch, weil ältere Menschen zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen."

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Thomas Wustrow, Facharzt für HNO-Heilkunde, München

Etwa 1,5 bis 2 Liter am Tag sollten ältere Menschen trinken.

Ältere Menschen sollten darauf achten, ausreichend zu trinken. Etwa 1,5 bis 2 Liter Wasser, Kräutertee, Saftschorlen oder alkoholfreies Bier werden empfohlen. Zudem empfiehlt Prof. Wustrow Menschen, die unter trockenen Mundschleimhäuten leiden, mit Salbeitee zu gurgeln. Salbeitee ist ein bewehrtes Hausmittel. Regelmäßiges Spülen verbessert die Speichelproduktion und wirkt zudem antiseptisch.

Ein weiterer Tipp von Prof. Wustrow:

"Man kann auch hin und wieder eine Löffelspitze Butter lutschen. Dann regenerieren die Speicheldrüsen sehr viel schneller, und die Beschwerden, wie insbesondere das Schlucken von schwierigem Essen, also trockenem Essen, wird sehr viel leichter."

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Thomas Wustrow, Facharzt für HNO-Heilkunde, München

Symptome und Folgen von Mundtrockenheit

Mundtrockenheit ist mit erheblichen Beschwerden und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden:

  • Geschmacksverlust
  • Brennen der Lippen sowie der Zunge
  • Irritation der Stimmbänder und folglich Sprechstörungen
  • Schluckbeschwerden

Behandlung von Mundtrockenheit

Durch eine unzureichende Speichelproduktion vermehren sich zudem pathogene Keime im Mundraum. Diese können sowohl zu Entzündungen des Zahnfleisches und der Zahnhälse führen als auch unangenehmen Mundgeruch hervorrufen. Daher gilt es bei Mundtrockenheit sowohl die primären Symptome zu behandeln als auch die Ursachen der Mundtrockenheit.

Ursachen von Mundtrockenheit

Neben einer altersbedingt rückläufigen Regeneration der Schleimhäute können eine Reihe von Krankheiten sowie Therapien zu Mundtrockenheit führen. Fachärzte untersuchen grundsätzlich den Speichel, um eine starke Besiedelung mit pathogenen Keimen auszuschließen.

"Ich habe bei der Patientin einen Abstrich gemacht, um einen Befall mit Bakterien oder Pilzen auszuschließen, denn das ist häufig nach Infekten ein Grund für Mundtrockenheit. Mundtrockenheit kann auch hormonell bedingt sein nach den Wechseljahren oder kann durch Medikamente ausgelöst sein. Insbesondere Herz-Kreislauf-Medikamente oder Psychopharmaka spielen eine Rolle."

Dr. med. Jochen Reichel, Facharzt für HNO-Heilkunde, München

Bestrahlung aufgrund einer Krebserkrankung im Kopf- oder Rachenbereich kann zu Mundtrockenheit führen.

Auch Patienten, die aufgrund einer Krebserkrankung im Kopf- oder Rachenbereich bestrahlt werden, können vorübergehende oder dauerhafte Verletzungen der Speicheldrüsen erleiden. Weitere Ursachen für eine Mundtrockenheit sind Entzündungen der Speicheldrüsen – etwa durch das Mumpsvirus – sowie Speichelsteine, die sich in den Ausgängen der Speicheldrüsen festsetzen und zum Teil ebenfalls Entzündungen nach sich ziehen können.

Das Sjögren-Syndrom, eine Autoimmunerkrankung, die mit rheumatischen Beschwerden einhergehen kann, führt ebenfalls zu Mundtrockenheit. Vom Sjögren-Syndrom sind fast ausschließlich Frauen betroffen – 19 von 20 Erkrankungen entfallen auf Frauen. Die Schleimhäute dieser Patientinnen neigen zur Trockenheit. Betroffen sind unter anderem die Schleimhäute der Augen sowie des Mund- und Rachenraumes. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus können ein Austrocknen der Mundschleimhäute verursachen.

Die Speicheldrüsen

Wir verfügen über drei Speicheldrüsen, die paarig in jeder Gesichtshälfte angelegt sind:

  • die Ohrspeicheldrüsen (sie liegen vor dem Ohr und sind mit 20 bis 30g die größten Speicheldrüsen)
  • die Unterkieferspeicheldrüsen (sie sind in den Unterkiefer eingebettet und wiegen etwa 10 bis 15g)
  • die Unterzungenspeicheldrüsen (sie liegen unter der Zunge und sind mit rund 5g die kleinsten Speicheldrüsen)

Die drei Speicheldrüsen

Diese drei großen Speicheldrüsen produzieren rund 90 Prozent der gesamten Speichelmenge, die zwischen 0,5 und 1,5 Liter variiert. Die restlichen zehn Prozent werden von vielen kleineren Drüsen ausgeschieden, die in der Mundschleimhaut liegen. Dazu zählen die Gaumen-, Wangen-, Lippen-, Rachen- und Zungenschleimhautdrüsen.

Zusammensetzung des Speichels

Speichel besteht zum überwiegenden Teil, und zwar zu 99 Prozent aus Wasser. Die verbleibenden ein Prozent entfallen auf Salze, Eiweiße, Schleimstoffe und Immunglobuline. Zu den Salzen zählen unter anderem Natrium, Kalium, Calcium- und Phosphatverbindungen, die die Remineralisierung des Zahnschmelzes gewährleisten. Zu den Eiweißen gehören unter anderem Enzyme, die in der Nahrung enthaltene Stärke spalten und somit die Verdauung einleiten. Darüber hinaus enthält Speichel eine Vielzahl weiterer Enzyme, die wichtige Körperfunktionen regulieren. Schleimstoffe pflegen die Mundschleimhäute und machen Nahrung so geschmeidig und gleitfähig, dass sie die Speiseröhre passieren kann. Außerdem sorgen sie dafür, dass Speichel an Zähnen und Mundschleimhäuten anhaftet.

Gründlich und lange kauen

Unterschieden wird zwischen dünnflüssigem und eher zähflüssigem Speichel. Die Produktion von dünnflüssigem Speichel geschieht weitestgehend in den Ohrspeicheldrüsen. Sie werden während des Kauvorgangs durch den in unmittelbarer Nähe liegenden Kaumuskel, den großen Masseter, angeregt.

Kauen stimuliert die Ohrspeicheldrüsen

In diesem Zusammenhang spricht man auch von stimuliertem beziehungsweise von Reizspeichel. Damit wir Nahrung schlucken und verdauen können, muss sie eingespeichelt und verdünnt werden. Erst der Nahrungsbrei – unabhängig von der konkreten Konsistenz – kann geschluckt und durch die Speiseröhre transportiert werden. Dazu bedarf es erheblicher Mengen an Speichel. Durch das Kauen werden die Ohrspeicheldrüsen stimuliert, die daraufhin die Speichelproduktion ankurbeln.

In den Ohrspeicheldrüsen werden auch Eiweißverbindungen, sogenannte Amylasen produziert, die in der Lage sind, Stärke aufzuspalten und die Verdauung in der Mundhöhle einzuleiten. Um eine optimale Verdauung zu gewährleisten, sollte man deshalb gründlich und lange kauen.

Säure verändert den pH-Wert im Mund

Auch der Genuss von Zitrusfrüchten, insbesondere Zitronen führt zur Ausscheidung von Reizspeichel. Speichel dient unter anderem als Puffer, um einen pH-Wert über 7 in der Mundhöhle zu gewährleisten. Zitronen haben einen extrem niedrigen pH-Wert von ca. 2,5. Ein solchermaßen saures Milieu greift den Zahnschmelz an und begünstigt Entzündungen.

Nach dem Verzehr säurehaltiger Getränke oder Speisen etwas mit dem Zähneputzen warten.

Während der sogenannte Ruhespeichel, der ohne Stimulanz – egal ob Kauen, Gerüche oder andere Reize – produziert wird, einen pH-Wert von 6,8 aufweist, beträgt der pH-Wert von Reizspeichel etwa 7,4. Wenn also durch den Genuss von Zitronen der pH-Wert im Mund abrupt absinkt, kann dies durch die Produktion größerer Mengen an Reizspeichel ausgeglichen beziehungsweise abgepuffert werden. Aus diesem Grund sollte man nach dem Verzehr säurehaltiger Getränke oder Speisen längere Zeit verstreichen lassen, bevor man die Zähne putzt.

Der Speichel muss zum einen das saure Milieu ausgleichen und zum anderen Mikroschäden an den Zähnen reparieren, indem Mineralsalze wie Jodid in den Schmelz eingelagert werden. Darüber hinaus sorgt das im Speichel enthaltene Bicarbonat kontinuierlich für die Neutralisierung aggressiver Säuren.

Stimulanz des Speichels

Alle Speicheldrüsen werden durch das vegetative Nervensystem gesteuert. Der Sympathikus ist für die Mobilisierung und Bereitstellung aller körperlichen Kräfte zuständig, die das Überleben in akuten Situationen gewährleisten. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Kampf- und Fluchtreaktionen, zu denen der Mensch befähigt wird, indem beispielsweise das Herz schneller schlägt, der Blutdruck steigt, die Muskulatur und das Gehirn besser versorgt werden und überflüssige Stoffwechselprozesse – etwa die Verdauung – herunter reguliert werden.

Der Parasympathikus organisiert im Gegensatz dazu, dass sich der Körper nach vollbrachtem Einsatz erholen kann und die mobilisierten Systeme wieder heruntergefahren werden: Der Blutdruck normalisiert sich, ebenso der Puls, die Bronchien verengen sich, und die Verdauungsvorgänge können wieder aufgenommen werden.

„Uns läuft das Wasser im Munde zusammen“

Wenn wir etwas Leckeres sehen, läuft uns das Wasser im Munde zusammen.

Der Parasympathikus regt die Produktion von größeren Mengen dünnflüssigem Reizspeichels an, der für die Verdauung notwendig ist. Gleiches passiert, wenn wir etwas Leckeres sehen oder riechen. Dann läuft uns das Wasser im Munde zusammen, weil der Parasympathikus die Speichelproduktion ankurbelt.

Unter Sympathikus-Einfluss – etwa in Stresssituationen, in denen die Verdauung vernachlässigbar ist – kommt es hingegen zur Produktion geringerer Mengen von zähflüssigem Speichel. Dadurch erklärt sich eben auch die Mundtrockenheit, zu der Menschen in Stresssituationen neigen, etwa vor oder während eines Vorstellungsgesprächs oder eines Vortrags.


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