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Medizin-Nobelpreis Wie tickt unsere innere Uhr?

Wenn der Schlaf-Wachrhythmus durcheinander kommt, stellt das nicht nur den Alltag auf den Kopf. Unsere innere Uhr hat auch massive Auswirkungen auf die Gesundheit. Seit letzter Woche ist das Thema überall in den Schlagzeilen, seit der Medizin-Nobelpreis an drei US-Forscher verliehen wurde. Die Wissenschaftler haben die Grundlagen unserer inneren Uhr entdeckt. Bei Fruchtfliegen fanden sie ein Gen, dass das Protein PER kodiert – eine Art Zeitmesser in den Zellen. Der Ausgangspunkt für unzählige Studien zu unserem Schlaf-Wachrhythmus.

Von: Florian Heinhold

Stand: 10.10.2017

Schlafende Frau mit Wecker | Bild: colourbox.com

Wie sich ein gestörter Schlaf-Wachrhythmus auf unseren Körper auswirkt, beobachtet Schlafmediziner Dirk Schwerthöffer vom Klinikum rechts der Isar in München ständig in seiner Arbeit. 

"Wenn jemand ständig seiner inneren Uhr entgegenlebt, dann führt das zu Schlafmangel. Und Schlafmangel wiederum kann gravierende gesundheitliche Folgen haben. Betrifft die Immunabwehr, betrifft den Stoffwechsel, die Leistungsfähigkeit, Übergewicht und Adipositas, Konzentrationsminderungen, aber auch Stoffwechselstörungen, wie zum Beispiel Diabetes."

Dr. med. Dirk Schwerthöffer, Schlafmediziner, Klinikum rechts der Isar, TU München

Der Experte leitet das Schlaflabor am Klinikum. Zu ihm kommen Patienten, deren innere Uhr aus dem Takt gekommen ist.

"Für die Forschung im Bereich Chronobiologie, im Bereich Schlafmedizin ist es sehr erfreulich und sicher auch ein großer Auftrieb, dass der Nobelpreis für diese Grundlagenforschung vergeben wurde."

Dr. med. Dirk Schwerthöffer, Schlafmediziner, Klinikum rechts der Isar, TU München

Der Tag-Nachtrhythmus

Die innere Uhr ist auch eine Anpassung an den Tag-Nachtrhythmus der Erde. Auch Pflanzen verfügen darüber und öffnen und schließen ihre Blüten. Der Mensch schüttet gegen Ende der Nacht vermehrt das Stresshormon Cortisol aus, das die Reaktionsfähigkeit unseres Organismus im Lauf des Tages ankurbelt – gegen Abend sinkt unsere Körpertemperatur, das Schlafhormon Melatonin hilft uns zur Ruhe zu kommen. Doch der genaue Tag-Nacht-Rhythmus ist sehr individuell – man spricht von Eulen-Typen, also Nachtmenschen, und Lerchen, also Frühaufsteher.

Eulen haben meist die größeren Probleme, sich in unserer Frühaufsteher-Arbeitswelt zurecht zu finden. Doch neben dem Job, bringt auch die Zeitumstellung zweimal im Jahr unsere innere Uhr durcheinander. Zeitumstellung, ungewöhnliche Arbeitszeiten, Fernreisen aber auch Partynächte – all das kann unseren Rhythmus aus dem Lot bringen. Die Wissenschaft spricht vom sozialen Jetlag.

"Sozialer Jetlag, das heißt, dass ein Mensch mit seiner eigenen inneren Uhr und den äußeren Zeitgebern nicht mehr in Einklang läuft."

Dr. med. Dirk Schwerthöffer, Schlafmediziner, Klinikum rechts der Isar, München

 Wie unterstütze ich meine Innere Uhr?

Wer zu außergewöhnlichen Zeiten arbeitet und nicht nach seinem natürlichen Schlaf-Wachrhythmus leben kann, kann ein paar Tipps berücksichtigen. Beim nach Hause kommen nach einer Nachtschicht in der Früh, ist es sinnvoll eine Sonnenbrille zu tragen. So bekommt der Körper nicht durch zu viel Licht signalisiert, wach zu bleiben.

Technische Geräte sollte man nicht im Schlafzimmer nutzen und überhaupt: Ständig erreichbar zu sein, ist Gift für unsere innere Uhr. Auch Genussmittel wie Alkohol machen eine Anpassung an einen neuen Schlafrhythmus schwerer. Aber mit ein bisschen Vorsicht, kann man auch ungewöhnliche Arbeitszeiten besser verkraften, damit die innere Uhr nicht völlig aus dem Takt kommt. 


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