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Meditation Für ein entspannteres Leben

Meditieren entspannt und hilft gegen Stress. Gesundheit!-Moderatorin Veronika Keller lernt von einem Meditations-Professor, wie selbst einfache Übungen wirken. Und sie erfährt, wie Meditation an der Münchner Uni Studenten im Alltag hilft.

Von: Peter Künzel

Stand: 11.06.2018

Meditation und Achtsamkeit | Bild: Screenshot BR

Mitten im morgendlichen Trubel am Hauptbahnhof trifft Reporterin Veronika Keller einen Meditationsmeister: den Münchner Professor Andreas de Bruin. Er lehrt Meditieren an der Hochschule und Uni in München. Die erste Meditationseinheit des Tages hat er schon hinter sich gebracht – auf dem Weg zur Arbeit.

"Die längeren Formen macht man mehr zu Hause oder eben an einem ruhigen Ort. Aber Alltagsaktivitäten eignen sich sehr gut für kleine Achtsamkeitsübungen. Ich habe mich gerade zum Beispiel kurz hingestellt, atme ein, atme aus, so dass mein Körper ruhig und friedvoll wird. Und das funktioniert."

Prof. Dr. Andreas de Bruin, Professor für Meditation, Hochschule für angewandte Wissenschaften München und Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Didaktik, LMU München          

Meditation: Übungssache

Veronika Keller begleitet Andreas de Bruin in einen Meditationskurs. Sie versucht, sich auf ihren Atem zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Gar nicht so einfach.

"Es kamen ganz oft Gedanken in meinen Kopf, die ich jetzt schwer einfach nur ziehen lassen konnte."

Veronika Keller, Reporterin

Anscheinend aber nur Übungssache.

"Man lernt es, die Gedanken einfach vorbeiziehen zu lassen. Ich merke, dass ich mich im Alltag weniger aufrege oder mich weniger stresse, vielmehr bei der Sache bin."

Studentin          

"Vor allem jetzt beim Lernen oder auf der Arbeit habe ich gemerkt, dass die Gedanken nicht so an mich rankommen. Und dadurch kann ich mich viel fokussierter auf den Stoff konzentrieren."

Studentin

Meditation im Alltag

Also eine Art Konzentrationstraining. Und wie lässt sich Meditation in den Alltag integrieren?

"Sie können eigentlich so gut wie alles nehmen: Alltagsaktivitäten zum Beispiel, die zur Routine geworden sind. Also sie tun alles, aber versuchen immer im Jetzt zu sein. Spannend ist auch, sie beurteilen nicht. Sie beobachten das alles einfach."

Andreas de Bruin

Alles, was man tut, also ein bisschen bewusster machen. Und welchen Effekt hat das?

"Menschen, die im Jetzt sind, sind auch glücklicher. Denn dadurch kommen wir mit dem Inneren auch mehr in Berührung, schöpfen mehr Kraft, kommen für kurze Momente zur Ruhe und sind wieder frischer, für alles, was danach kommen mag."

Andreas de Bruin

Studien: Meditation gegen Stress und chronische Schmerzen

Zum Beispiel achtsames Teetrinken. Für einen Moment ganz im Hier und Jetzt sein. Eine andere praktische Einstiegsübung, die Andreas de Bruin mit seinen Studenten macht, ist achtsames Spazierengehen. Und so geht das:

"Die Füße langsam abrollen lassen, dass sie wirklich alles spüren: Wie setzt der Fuß auf, wo rollt er ab, wie gehe ich zunächst wieder nach oben, mit dem Fuß. Also sie versuchen die ganze Aufmerksamkeit zu den Füßen zu bringen."

Andreas de Bruin

Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiges Meditieren neben Stressabbau auch chronische Schmerzen reduziert.        

"Es ist erstaunlich, wie viel da passiert wenn man darauf achtet; wie unterschiedlich der Boden ist und was die Füße und die Beine machen, beim Gehen. Was man sonst gar nicht so wahrnimmt."

Veronika Keller, Reporterin

Achtsamkeitsübung: Bügeln

Manche Studierende meditieren auch vor Prüfungen, zum Beispiel auf den letzten 20 Metern, bevor sie den Prüfungsraum betreten. Sie schalten kurz ab und gehen dann frisch in die Prüfung hinein.

Achtsames Bügeln – ob auch das klappt? Veronika Keller will es wissen.

"Eigentlich nervt bügeln, aber heute ist es für mich eine Achtsamkeitsübung. Ich spüre die Wärme, die hier aufsteigt, ertaste den Stoff, und nehme mich und meine Bewegungen bewusster wahr."

Veronika Keller

Meditation und Achtsamkeit

Annika Schramm promoviert über Meditation. Sie kennt den Unterschied zwischen Meditation und Achtsamkeit.

"Meditation ist klassischerweise eine Sitzmeditation, also eine Übung, bei der man wirklich da sitzt. So wie man es typischerweise kennt: im Schneidersitz, die Augen schließen und sich auf etwas Bestimmtes konzentrieren. Aus der Meditation resultiert dann die Achtsamkeit. Das bedeutet, dass man jeden Moment ganz bewusst wahrnimmt - und zwar offen, ohne Vorurteile und ohne Wertung."

Annika Schramm, promoviert über Meditation, Fakultät für Psychologie und Pädagogik, LMU München

Meditation stärkt das Immunsystem

Achtsamkeit üben, das geht zum Beispiel beim Essen. Annika Schramm und Veronika Keller gehen zu einer Eisdiele. Eigentlich gibt es hier ganz normales Eis. Aber heute schauen sie sich das Eis ganz genau an.

"Ich sehe diese strahlendweiße Eiscreme und oben drauf die dunklen Schokoladenstücke."

Veronika Keller

Veronika Keller fühlt die Kälte und riecht die Waffel, die Vorfreude wächst. Und nicht nur das Eis schmeckt so besser: Meditation und Achtsamkeit haben auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit.

"Das Immunsystem wird zum Beispiel gestärkt. Die Neurowissenschaften machen auch sichtbar, welche Teile des Gehirns vergrößert werden oder auch, wie die Struktur verdichtet wird. Und auch in der Psychologie sehen wir, dass beispielsweise Angst und Depressionen verringert werden können."

Annika Schramm

Jeden Tag zehn Minuten meditieren

Annika Schramm lädt Veronika Keller zu ihrer nächsten Vorlesung ein. Die Hausaufgabe bis dahin: jeden Tag zehn Minuten meditieren. Fünf Tage später:

"Ich weiß nicht, ob es Einbildung ist, aber ich glaube, ich fühle mich tatsächlich schon ein bisschen fokussierter und ruhiger. Also irgendwie scheint es zu funktionieren."

Veronika Keller, Reporterin

Meditation in der Schule?

Annika Schramm unterrichtet Lehramtsstudenten, die die Meditationen später in ihren Unterricht einbauen sollen. Aber warum sollten Schüler denn überhaupt meditieren?

"Die Lehrkräfte sagen, in den Stunden, die sich an die Meditationsstunden anschließen, seien die Klassen so ruhig und die Schüler fühlen sich alle so ausgeglichen. Es gibt weniger Streit, weniger Störungen. Der Schulalltag läuft einfach besser."

Annika Schramm

Und wie hat Veronika Keller ihr Ausflug in die Welt der Meditation gefallen?

"Sehr spannend alles. Ich glaube, Meditation ist gar nicht so einfach, kann einen aber weit bringen."

Veronika Keller, Reporterin


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