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Immuntherapie, Krebs Studie Lymphdrüsenkrebs: ambulante Behandlung

Für viele sind sie die letzte Chance gegen Lymphdrüsenkrebs und Leukämie – Car T-Zellen. Die Immuntherapie geht normalerweise mit einem wochenlangen Krankenhausaufenthalt einher. Am Klinikum Großhadern läuft jetzt eine neue Studie, in deren Rahmen die Therapie ambulant verabreicht wird.

Von: Florian Heinhold

Stand: 19.07.2021

Noch vor wenigen Jahren wäre Manfred Steinmetz unheilbar krank gewesen. In seiner Kniebeuge hat sich ein Lymphom gebildet, bereits zum zweiten Mal. Die Chemotherapie konnte den Lymphdrüsenkrebs nicht besiegen.

"Das hochmaligne Lymphom ist extrem lebensbedrohend. Das ist sowas Aggressives und so ein Lymphom, das kann man nicht einfach wegschneiden. Das geht ja über den ganzen Körper."

Manfred Steinmetz, Patient

Doch mittlerweile gibt es Hoffnung. Gerade wird Manfred Steinmetz auf eine neue Form der Krebstherapie vorbereitet. Seine letzte Chance. Es geht um die CAR T Zell-Therapie. T-Zellen sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. Gegen die Krebszellen des Lymphoms sind sie eigentlich machtlos, weil die Rezeptoren nicht erkannt werden.

Car T-Zellen: Gentechnische Veränderung ermöglicht Kampf gegen Krebszellen

Genau da setzen die Forscher an. Die T-Zellen werden gentechnisch verändert und mit dem „Chimären Antigen-Rezeptor“, kurz CAR, ausgestattet. So können die neuen CAR-T-Zellen die Tumorzellen erkennen und diese vernichten. Im Moment gibt es eine Zulassung für bestimmte Formen von Leukämie und Lymphdrüsenkrebs. Doch erforscht wird auch der Einsatz gegen zahlreiche andere Krebsarten.

"Natürlich wird versucht, dieses erfolgreiche Therapiekonzept auch auf andere Erkrankungen zu übertragen, bei Hirntumoren, Brustkrebs. Ich bin mit Leidenschaft Immuntherapeutin, ich glaube es hat ganz großes Potenzial. Aber jede Krebsart hat ihre Herausforderung und es wird noch ein bisschen dauern, bevor man sieht, in welchen anderen Erkrankungen die Car-T-Zell-Therapie auch erfolgreich sein kann."

Prof. Dr. med. Marion Subklewe, Immuntherapeutin, Klinikum der Universität München

CAR T-Zell-Therapie: Vorteile der ambulanten Behandlung

Aber eine Sache setzt Patienten wie Manfred Steinmetz sehr zu. In der Pandemie ist Besuch nur sehr begrenzt möglich. Doch auch in normalen Zeiten ist die wochenlange Einsamkeit im Krankenzimmer ein echtes Problem.

"Es ist schon eine psychische Belastung. Und da wäre es natürlich schön, wenn man seine lieben Menschen um sich hat. Ich habe meine Frau vor 15 Jahren kennengelernt. Und das Schlimmste ist, dass sie mehr leidet als ich. Und dann muss ich auch eine Stütze für sie sein."

Manfred Steinmetz, Patient

Und weil Wochen im Krankenhaus sehr belastend sein können, läuft am Klinikum Großhadern gerade eine Studie zu einem neuen Ansatz: der ambulanten CAR T-Zell-Therapie.

"Es ist natürlich ein großer Vorteil für Patienten, wenn wir die Therapie ambulant durchführen können. Patienten können im häuslichen Umfeld bleiben. Bisher mussten CAR T-Zell-Patienten über mehrere Wochen stationär aufgenommen werden, auch wegen der schweren potenziellen Nebenwirkungen. Die reichen von einem Zytokinsturm, einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, bis hin zu neurologischen Problemen."

Prof. Dr. med. Marion Subklewe, Immuntherapeutin, Klinikum der Universität München

Europas erste ambulante Car-TR-Zell-Patientin

Maria Gebert aus München hat sich trotzdem für die Teilnahme an der Studie und damit für die ambulante Therapie entschieden. Auch bei ihr war ein wiederkehrendes Lymphom festgestellt worden. Die Chemotherapie konnte gegen den Krebs nichts bewirken. Ihr Lymphdrüsenkrebs hatte gestreut.

Vor der Therapie hatte sie einen großen Tumor in der Leber, gegen den keine Chemo half. Unbehandelt ist ein aggressives Lymphom innerhalb weniger Monate tödlich, sagt auch Prof. Subklewe. Jetzt ist Maria Gebert die erste Patientin in Europa, bei der die CAR T-Zell-Therapie im ambulanten Setting durchgeführt wird.

"Die Umgebung ist sehr wichtig. Also ich finde, dass man daheim schneller gesund wird, weil im Krankenhaus, die Atmosphäre - da kommt man sich ja schon krank vor."

Maria Gebert, Patientin

Sie wird engmaschig ambulant in der Klinik betreut. Im CT wird regelmäßig überprüft, ob sich der Tumor zurückbildet. Außerdem werden ihre kognitiven Fähigkeiten getestet, um mögliche neurologische Nebenwirkungen zu erkennen. Das Ergebnis ist beeindruckend.

"Unser absolutes Wunsch- und Traumergebnis. Eine gesunde Leber, kein Hinweis auf Lymphom. Ein phantastisches Ergebnis und ich freue mich sehr!"

Prof. Dr. med. Marion Subklewe, Immuntherapeutin, Klinikum der Universität München

Und das alles ohne Klinikaufenthalt. In den nächsten Jahren wird Maria Gebert engmaschig kontrolliert, um sicherzugehen, dass der Krebs nicht wiederkommt.

Gefrorene Zellen gegen den Krebs

In der Zwischenzeit ist es für Manfred Steinmetz so weit. Die Zellen, die ihm entnommen und dann in einem Speziallabor aufbereitet wurden, kommen tiefgefroren im Klinikum an. Jetzt eilt es, denn sobald sie aufgetaut sind, bleibt nur kurze Zeit, dem Patienten das Präparat zu verabreichen. Die neuen T-Zellen sollen ihn vom Krebs befreien. Er hofft, dass er bald seine Lieben wieder in den Arm nehmen kann.

"Ich werde jetzt als erstes meine Familie anrufen und erzählen, was hier passiert ist. Das ist eine neue Qualität der Medizin."

Manfred Steinmetz, Patient

Ohne die Therapie wäre seine Krebserkrankung unheilbar. Jetzt hat er eine Chance. Die Hoffnung besteht, dass in Zukunft noch mehr Krebserkrankungen mit der Immun-Therapie geheilt werden können.


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