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Lockdown-Folgen Was tun gegen die Corona-Pfunde?

Eine neue Studie zeigt: Die Pandemie könnte in Deutschland für eine Adipositas-Welle sorgen. Gerade Menschen mit Gewichtsproblemen haben im Lockdown weiter zugenommen. Gesundheit! fragt: Wie wird man die Corona-Wampe wieder los?

Von: Florian Heinhold

Stand: 21.06.2021

Lockdown-Sportler und Pandemie-Couchpotatoes

Jetzt, da Corona zumindest vorübergehend auf dem Rückzug zu sein scheint, zieht es die Menschen im Freistaat an die Seen und Badeplätze. Beim Sonnenbaden trifft man zur Zeit auf zwei Typen: Die einen, die sich im Lockdown richtig fit trainiert haben, und die anderen, für die die Pandemie zum echten Figurproblem wurde. Die Figur-Schere ist pandemiebedingt immer weiter auseinander gegangen. Aber: Was gibt’s denn jetzt mehr: Lockdown-Sportler, oder Pandemie-Couchpotatoes?

Das Team von Ernährungsmediziner Prof. Hans Hauner am Klinikum der TU München hat untersucht, wie sich Corona im Schnitt auf das Gewicht der Deutschen ausgewirkt hat. Das Ergebnis ist ernüchternd.

"Es war tatsächlich so, dass sich bei einem Drittel mindestens das Essverhalten verändert hat, leider nicht zum Besseren. Und es hat sich gezeigt, dass 40 Prozent etwa angegeben haben, Gewicht zugelegt zu haben, im Mittel sogar fünfeinhalb Kilo, das ist eine ganze Menge. Dieses zu viel an Körperfett schädigt den gesamten Körper, es drohen von Diabetes über Herzkreislaufkrankheiten, Herzinfarkt, Schlaganfall, aber auch Krebserkrankungen."

Prof. Dr. med. Hans Hauner, Ernährungsmediziner, Klinikum der TU München

KFZ-Diät als möglicher Ausweg

Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen abnehmen wollen, war Corona eine schwere Belastung. Brigitta Thoma-Oswald hatte schon vor der Pandemie eine langfristige Spezialdiät gestartet um von ihren – in der Spitze –128 Kilo runterzukommen: "Das war eine Art von körperlicher Behinderung. Ich hab Angst gehabt, wenn ich aus der Dusche aussteige, wenn ich falle, ich komme nicht mehr hoch. Und da habe ich gedacht: Nein! Ich muss Gewicht abnehmen."

Sie versucht mit einem Programm abzunehmen, das an der LMU-Uniklinik in München von Prof. Olaf Adam entwickelt wurde. Dabei geht es nicht um eine rasche Diät, sondern um eine nachhaltige Ernährungsumstellung.

"Es wird jedes Mal gefragt: Meinen Sie, Sie können das auch in ihren Alltag integrieren und im Alltag beibehalten? Sobald die Teilnehmer auch nur im Geringsten daran denken, dass sie jetzt nicht mehr was Gutes essen dürfen, sondern Sie müssen eine Diät einhalten, möglichst weiß und geschmacklos, dann können sie es eigentlich vergessen, das Vorhaben."

Prof. Dr. med. Olaf Adam, Ernährungsmediziner, LMU München

Bei Professor Adams KFZ-Diät soll Genuss bewusst integriert werden – das K steht für Kohlenhydrate, die man in der Früh und Mittags isst, das F für Fett, das es am Abend gibt und das Z für gesunde Zwischenmahlzeiten, um Heißhungerattacken zu vermeiden. Im Lockdown lief das Programm online weiter und hat Brigitta geholfen, ihr neues Gewicht zumindest zu halten und nicht die Anfangs-Erfolge gleich wieder zu verspielen: "Also ich bin mitten auf dem Weg noch, ich hab im Moment 95 Kilo und ich möchte 77 Kilo, das wäre so mein Wunschgewicht."

Alltagstipps gegen die Coronapfunde

Laut Prof. Hauner von der TUM-Klinik gibt viele Möglichkeiten, Gewicht zu verlieren. Ob Low-Carb, Low-Fat oder andere Diät-Ansätze, entscheidend ist die Energiebilanz, also: Wie viele Kalorien nimmt man zu sich, wie viele Kalorien werden durch Bewegung verbrannt. Gesundheit! hat sich unter Corona-geplagten Menschen im Freistaat umgehört und ein paar Alltagstipps gesammelt, wie wir alle im Sommer die ungeliebten Pandemiepfunde wieder loswerden können.

Tipp 1: Die Einkaufsliste!

Brigitta Thoma-Oswald achtet schon beim Einkaufen darauf, dass sie nur Gesundes mit nach Hause nimmt, damit die Kalorienbomben in schwachen Momenten gar nicht erst griffbereit sind. Die gute alte Einkaufsliste diszipliniert!

"Von daher ist es für mich hilfreich, wenn ich die Liste habe und mich dran halte und dann kaufe ich auch nicht mehr."

Brigitta Thoma-Oswald

Tipp 2: Gemeinsam Sport machen!

Margot Glade und ihre Freundinnen haben eine Whatsapp-Gruppe, auf der sie sich zum Tanzen verabreden. Jetzt wo Treffen im Freien wieder möglich sind, kann man sich so gegenseitig motivieren.

Tipp 3: Ein Trainingsplan für regelmäßige Bewegung

Um ein bisschen Struktur in den Sport zu bringen, könnte man überlegen, ob man wieder ins Fitnessstudio will. Gesundheit! hat sich im LEOs in München umgeschaut und viele begeisterte Fitness-Fans getroffen, die froh sind, dass die Studios jetzt wieder geöffnet haben.

Tipp 4: Stress reduzieren

Brigitta Thoma Oswald setzt bei ihrem Kampf gegen die Pfunde auch auf Yoga. Im Rahmen des KFZ-Diät-Programms hilft Trainerin Alexandra Männer den Teilnehmenden mit Übungen, die die Gelenke schonen und den Stress im Alltag lindern. "Übergewicht hat oft auch etwas mit dem mentalen Gerüst zu tun. Und Yoga ist einfach eine Möglichkeit, ausgeglichener zu werden", sagt Alexandra Männer, Yoga-Lehrerin in München.

Bayern kämpft gegen die Corona-Pfunde. Und hofft, dass uns nicht bald schon der nächste Lockdown auf die Figur schlägt.


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