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Liebe und Essen Lebensmittel, die scharf machen ...

Die Liebe wieder in Schwung bringen mit einem unwiderstehlichen Liebes-Menü. Verlockende Vorstellung, aber wirkt's denn auch? Und wenn ja, was? Wir haben die Gerüchte zu diversen Lebensmitteln, Obst und Gemüse, Kräuter und Gewürzen, mal gecheckt und die Spreu vom Weizen getrennt. Hier kommen ein paar Dos und Don'ts fürs Zusammenstellen eines Date-Dinners – Tipps für eine anregende Menüfolge.

Von: Isabel Hertweck-Stücken

Stand: 28.11.2017

Unsere Expertin kennt die intimsten Geheimnisse von Pflanzen und Lebensmitteln – Dr. rer. medic Nadine Berling-Aumann ist Ökotrophologin und Doktor der theoretischen Medizin.

Außerdem hat sie zu Forschungszwecken acht Jahre in Nepal und Nordindien verbracht und die dortige traditionelle medizinische Praxis – besonders den Umgang mit pflanzlichen Wirkstoffen – untersucht und wissenschaftlich dokumentiert.

Vom Sellerie zu Liebesäpfeln: Placebo oder „pflanzliches Viagra“?

Aphrodisierende Inhaltsstoffe in Obst und Gemüse, Kräutern und Gewürzen (zum Beispiel Stoffe, die in ihrer molekularen Struktur menschlichen Hormonen ähneln), so die Expertin, gibt es tatsächlich. Aber leider:

"Wissenschaftlich nachweisbar sind diese Wirkungen der meisten Lebensmittel und Kräuter in kontrollierten Studien dann eben doch nicht, beziehungsweise man müsste Mengen verzehren, die für einen Normalsterblichen tagtäglich nicht möglich wären."

Dr. rer. medic Nadine Berling-Aumann, Ökotrophologin

Schade auch: Damit die hormonähnlichen Inhaltsstoffe in Tomaten wirken, müsste Mann beispielweise 2,3 Kilogramm essen, am besten täglich (bei Tomatenmark wäre circa ein Drittel dieser Menge nötig). Ähnlich sieht es beim Sellerie aus.

Ein „pflanzliches Viagra“ – mit einer ähnlich eng umgrenzten Wirkung auf die Sexualorgane wie die berühmte blaue Pille – gibt es wohl nicht, Pflanzen, die anregend wirken können, durchaus. Allerdings ist die Wirkung allgemeiner: zum Beispiel durchblutungsfördernd und das speziell im Bereich des Unterleibs;  oder aber: ausgleichend, harmonisierend - auch ein wichtiger Aspekt für eine anregendes Menü.

Liebes-Menü, der Aperitif: Kräutertee

Ein wichtiger Aspekt, auch bei pflanzlichen Wirkstoffen, sind die Nebenwirkungen. Dr. Nadine Berling-Aumann hat deshalb zum Aperitif eine Pflanze ausgewählt, von der bisher keine Nebenwirkungen bekannt sind, und bei der es ernstzunehmende wissenschaftliche Hinweise auf eine aphrodisierende Wirkung gibt. Nicht in Stein gemeißelt, betont die Expertin, denn Studien zu diesem Thema sind naturgemäß komplex.

Damiana heißt das zarte Pflänzchen, das in Süd- und Nordamerika wächst, und dem in der Volksmedizin schon lange eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben wird.

"Wir wissen heute, dass die Pflanze spezielle ätherische Öle, Gerbstoffe und glykosidische Verbindungen enthält, die die Durchblutung der Unterleibsorgane fördern und damit tatsächlich eine positive Wirkung auf das Liebesleben entfalten können."

Dr. rer. medic Nadine Berling-Aumann, Ökotrophologin

Schmeckt auch gar nicht schlecht: die Pflanze lässt sich auch bei uns im Garten anbauen, bestellen kann man sie in speziellen Kräutergärtnereien sogar übers Internet. Und den Tee gibt es auch rezeptfrei zu kaufen: Damiana statt Schampus.

Liebes-Menü, die Vorspeise: Paradiesäpfel und Sellerie-Smoothie

Die Empfehlung für den ersten Gang ist dann aber eine Überraschung:  Als Vorspeise gibt es einen Tomatensalat mit viel Petersilie, dazu ein Sellerie-Smoothie – nicht wegen der hormonähnlichen Wirkstoffe, sondern weil's Gemüse ist. Frisches Obst und Gemüse enthält zum Beispiel sogenannte Flavonoide – und da gibt es Hinweise, dass sie vor erektiler Dysfunktion schützen.

Dazu kommt: Wer es schafft, seine Ernährung umzustellen auf mehr Obst und Gemüse, hat auch mehr Spaß am Leben – diese Erfahrung hat Dr. Nadine Berling-Aumann auch immer wieder in ihrer Praxis als Ernährungstherapeutin gemacht:

"Insbesondere die Menschen, die vormals sehr wenig Gemüse und wenig Obst verzehrt haben,  fühlen sich durchweg vitaler, leistungsfähiger, wacher und das wird sicherlich auch einen positiven Effekt auf das Liebesleben entfalten können."

Dr. rer. medic Nadine Berling-Aumann, Ökotrophologin

Und: Nicht aus lauter Begeisterung übertreiben! Denn Sellerie hat zum Beispiel auch eine harntreibende Wirkung und Petersilie kann – in der entsprechenden Menge – eine abortive Wirkung haben. Beim Kraut spielt das – angesichts der geringen Mengen, die man verzehrt, keine so große Rolle – aber bei Petersilienwurzel als Gemüse sollten schwangere Frauen zurückhaltend sein.

Rezept: Sellerie-Smoothie

  • 2 Äpfel, ein Spritzer Zitronensaft
  • ½- 1 Stangensellerie
  • 1 TL Zimt
  • 1 walnussgroßes Stück Ingwer
  • 1 Glas Wasser oder Apfelsaft, evtl. mehr, je nach gewünschter Konsistenz

Zubereitung:
Zutaten waschen und klein schneiden, Ingwer schälen und fein reiben, alle Zutaten in den Mixer geben – am Ende noch so viel Wasser oder Apfelsaft zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Liebes-Menü, der Hauptgang: Safran-Tagliatelle

Gesunde Ernährung: sexy, aber eher eine Langzeit-Strategie.
Für die kurzfristigeren Wirkungen geht Dr. Berling-Aumann an ihren sogenannten „Drogenschrank“. Safran, die Staubblätter einer Krokusart, werden beim Kochen nur in kleinsten Mengen verwendet, und das mit gutem Grund. 

"Der Safran gehört zu den Liliengewächsen und dementsprechend sind die Safranfäden schon in kleinsten Mengen stark wirksam. Safran hat definitiv eine Wirkung auf die Kontraktionsfähigkeit des Unterleibs und man sollte pro Tag definitiv nicht mehr als 1, 5 Gramm Safran zu sich nehmen."

Dr. rer. medic Nadine Berling-Aumann, Ökothrophologin

Wir verwenden sicherheitshalber nur ein Tütchen, etwa 0,5 Gramm Safran, eingeweicht in etwas Weißwein für unseren Hauptgang Tagliatelle mit Safran und Chili. Mit Letzterem nicht sparen: Je schärfer das Gericht, desto durchblutungsfördernder und desto besser für die Liebe!

Rezept: Tagliatelle mit Chili und Safran

Zutaten für 2 Personen:

  • 200 g Tagliatelle
  • 3 Knoblauchzehen (aber nur, wenn beide Knoblauch mögen!)
  • 1-2 scharfe Chilischoten
  • 1/2 Bund Petersilie
  • 1/2 Glas Weißwein
  • 1 Tütchen Safran
  • Salz

Safran in Weißwein einweichen. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, zuerst den gehackten Knochblauch, dann die klein geschnittenen Chilis dazugeben, kurz anbraten, runterschalten.
Die al dente gekochten Nudeln dazugeben, salzen, pfeffern, gut vermischen, dann den - inzwischen blutroten - Weißwein hinzufügen und verdampfen lassen. Vom Herd nehmen und die geschnittene Petersilie untermischen.
Wer mag, kann auch noch Parmesan dazu servieren (insbesondere, wenn man keinen Knoblauch verwendet)

Liebes-Menü, das Dessert: Erdbeeren pur

Wenn Sie sich dann die Schweißtropfen nach dem Hauptgang dezent abgetupft haben, würden Sie sicher gerne als Dessert noch Erdbeeren mit Vanilleeis und Schokolade essen oder? Tun Sie's nicht - sonst könnte alles umsonst gewesen sein!

"Weil der hohe Zuckergehalt und der hohe Fettgehalt in der Nachspeise natürlich dazu führt, dass man vielleicht kurzzeitig so einen Energiekick noch bekommt, aber danach, so spätestens 15-20 Minuten danach, wird man sich eher schlapp und träge fühlen und dann eher das Bedürfnis haben, schlafen zu gehen."

Dr. rer. medic Nadine Berling-Aumann, Ökothrophologin

Die Erdbeeren also lieber pur essen und besonders sexy als Dessert: Anbieten, die Küche aufzuräumen. Am nächsten Morgen … natürlich. Alles für die Liebe: Das schärfste Menü und die besten Vorsätze.


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