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Weihnachtlicher Genuss Lebkuchen im Test: Wie gesund sind sie?

Adventszeit ohne Lebkuchen? Für viele undenkbar. Doch sind Lebkuchen gesund und wie müssen sie schmecken? Reporterin Veronika Keller will wissen, was einen guten Lebkuchen ausmacht, woran man ihn erkennt und wie gesund Lebkuchen sind.

Von: Brigitte Deiterding

Stand: 05.12.2016

Wie gesund sind Lebkuchen? | Bild: BR

Mehr als 40.000 Lebkuchen-Artikel füllen zur Weihnachtszeit die deutschen Supermarktregale. Haselnuss und Mandelkern. Nelken, Zimt und Kardamom – daraus besteht der perfekte Lebkuchen. Aber ist die süße Mahlzeit auch gesund?

"Nüsse liefern ungesättigte Fettsäuren, Magnesium, Kalium, Kalzium und auch B Vitamine."

Susanne Moritz, Ernährungsberaterin, Verbraucherzentrale Bayern

Klingt schon mal nicht schlecht, aber häufig sind die Packungen versehen mit Begriffen wie „feine“ oder „feinste Lebkuchen“.  Was das bedeutet?

"Bei den feinsten Lebkuchen müssen 25 Prozent Haselnüsse, Walnüsse oder Mandeln enthalten sein. Außerdem dürfen es nicht mehr als zehn Prozent Mehl sein. Und meistens haben sie auch noch eine besonders gute Glasur. Die verhindert, dass die Lebkuchen austrocknen.
Bei den feinen Lebkuchen müssen nur halb so viele Nüsse enthalten sein, 12,5 Prozent. Und für das Mehl gibt es überhaupt keine Obergrenze. Wenn zum Beispiel auf der Zutatenliste steht: Weizenmehl, Zucker, Ölsamen, bedeutet das: Was ganz Vorne steht, davon ist auch am meisten drin. Weizenmehl und Zucker sind dann die wichtigsten Zutaten. Erst dann erst kommen Ölsamen, also Nüsse."

Susanne Moritz, Ernährungsberaterin, Verbraucherzentrale Bayern

Lebkuchen mit bis zu 30 Zutaten

Gut gehütetes Geheimnis: Mischung der Lebkuchengewürze

Bis zu 30 Zutaten stecken in einem hochwertigen Lebkuchen. Wie sieht es aus mit den Gewürzen, sind die gesund?

"Das Hauptgewürz im Lebkuchen ist eigentlich der Zimt. In der Volksmedizin wird er gegen Völlegefühl, gegen Blähungen eingesetzt. Aber auch gegen Appetitlosigkeit. Er wirkt entzündungshemmend."

Susanne Moritz, Ernährungsberaterin, Verbraucherzentrale Bayern

Lebkuchen: Zimt ist eines der Hauptgewürze

Doch gesund ist relativ. Beim Zimt kommt es auf die richtige Sorte an. Viele Hersteller tricksen und nehmen anstatt hochwertigem Ceylon-Zimt eine Billig-Variante, den Cassia Zimt. Dieser enthält einen hohen Anteil an Cumarin, ein natürlicher Aromastoff, der allerdings nicht unproblematisch ist.  Haben Verbraucher überhaupt die Chance herauszufinden, welcher Zimt verwendet wurde?

"Leider können wir Verbraucher nicht erkennen, um welchen Zimt es sich handelt. Denn es muss immer nur Zimt auf der Packung stehen, die Quelle muss nicht angegeben werden. Von Cumarin weiß man, dass es zumindest in Tierversuchen leberschädigend ist. Und deswegen will man die Mengen, vor allem für empfindliche Personen, Schwangere, kleine Kinder, so gering wie möglich halten."

Susanne Moritz, Ernährungsberaterin, Verbraucherzentrale Bayern

Der Lebkuchentest: Wieviel Cumarin steckt drin?

Lebkuchen im Test: Wieviel Cumarin steckt drinnen?

Billig oder teuer – was steckt wirklich drin im Lebkuchen? Wir machen den Test mit drei Proben. Probe A ist eine Billigsorte für 6 Euro pro Kiloprogramm. Probe B kostet 15 Euro und C ganze 44 Euro pro Kiloprogramm. Ob in unseren Proben tatsächlich Billigzimt verwendet wurde, lassen wir überprüfen und schicken die Lebkuchen ins Labor.

Wieviel Cumarin darf in Lebensmitteln sein?

Wie viel Cumarin in Lebensmitteln maximal gemessen werden darf, regelt die Europäische Aromen Verordnung. Sie schreibt einen Grenzwert von zwei Milligramm Cumarin pro Kilogramm Ware vor. Überschreitet das Produkt diesen Grenzwert, darf sie nicht verkauft werden.

"Wir haben bei unseren Tests herausgefunden, dass in den teuren Lebkuchen kein Cumarin enthalten war. Was aber sehr erstaunlich war, ist, dass bei der billigen Variante und der mittleren Variante relativ hohe Mengen an Cumarin nachweisbar waren. Das bedeutet, dass ein erwachsener Mann von den preisgünstigeren Varianten eigentlich nur vier  Lebkuchen am Tag essen dürfte."

Dr. rer. nat. Christoph Müller, Chemiker, LMU München

Der teuerste Lebkuchen enthält den hochwertigen Ceylon-Zimt und ist somit der Gesündeste. Lebkuchen ist also nicht gleich Lebkuchen.

Elisenlebkuchen und andere Köstlichkeiten

Lebkuchen: lecker, handgemacht und farbenfroh

Auf den Spuren des feinsten Lebkuchens ist Gesundheit! Reporterin Veronika Keller zu Besuch in Nürnberg.  In der Bäckerei von Holger Düll fertigt die Familie seit mehr als 80 Jahren die traditionellen Elisenlebkuchen. Die Zutaten: Nüsse, Orangeat und Zitronat, Marzipan, sowie eine geheime Gewürzmischung. Woher kommt der Elisenlebkuchen, warum heißt er so?

"Es gibt eine Sage, dass so um 1720 ein Nürnberger Lebküchner, dessen Tochter schwer erkrankt war, in seiner Verzweiflung einen Lebkuchen gebacken hat. Der bestand nur aus Haselnüssen und sehr hochwertigen Gewürzen. Die Tochter wurde dann innerhalb kürzester Zeit wieder gesund. Und aus Dankbarkeit, nachdem seine Tochter Elisabeth hieß, nannte er den Lebkuchen Elise."

Holger Düll, Lebküchner und Bäckermeister

Lebkuchen: Genuss und heilende Wirkung

Spezialität Walnusslebkuchen

Schon vor Jahrhunderten wussten die Lebküchner um die heilende Wirkung der Gewürze, die im Lebkuchen stecken. Sie stammen aus allen Teilen der Welt. So enthält zum Beispiel Anis ätherisches Öl, das bei Magen-Darm-Beschwerden hilft. Koriander zählt zu den ältesten Küchenkräutern der Welt. Er wirkt entzündungshemmend und kurbelt die Verdauung an. Auch der Nürnberger Konditormeister Florian Neef setzt bei seinen Lebkuchen auf Tradition und Handarbeit. Er zeigt uns sein Spezialrezept: den Walnusslebkuchen.

"Walnuss enthält viel Vitamin C, enthält Magnesium, ist gut für das Hirn, ist gut für die Haut. Man hat eigentlich eine win win Situation mit dem Geschmack zusammen."

Florian Neef, Konditormeister, Nürnberg

Lebkuchen: nahrhaft und oft sehr kalorienreich

Außerdem machen Walnüsse lange satt. Und das ist auch gut so, denn ein einziger Lebkuchen enthält 400 Kilokalorien, soviel wie eine ganze Mahlzeit. Der Begriff „Lebkuchen“ kommt übrigens vom lateinischen Wort „Libium“, das übersetzt  Fladen bedeutet. Der letzte Schritt der Zubereitung: Die Glasur. Florian Neef setzt auf Zartbitterschokolade mit 65 Prozent Kakaoanteil. Sie schmeckt nicht nur gut, sondern hält den Lebkuchen auch saftig und frisch. Kühl und trocken gelagert, bleiben Lebkuchen circa vier Monate haltbar. Guten Appetit! 


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