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Hindernislauf, Farblauf, Nachtlauf Lauf-Events: sportlicher Wettkampf oder Gaudi?

Sie robben durch Schlamm, besprühen sich mit Farbe oder laufen im Dunkeln durchs Gelände: Wer eine sportliche Herausforderung sucht, findet viele besondere Lauf-Events. Doch sind diese außergewöhnlichen Volksläufe noch gut für die Gesundheit?

Von: Monika Hippold

Stand: 17.09.2018

Ob beim Hindernislauf, beim Farblauf oder beim Nachtlauf – Volksläufe sind zu Events geworden. Laute Musik, bunte Farben, großes Selfie-Potenzial: Im Mittelpunkt stehen für die Teilnehmer oft der Spaß und das Erlebnis. Der Sport rückt in den Hintergrund.

Sebastian Hallmann ist Langstreckenläufer und hat schon bei den Deutschen Crosslauf-Meisterschaften gewonnen. Er kennt den Lauf-Trend:

"Das Angebot hat sich einfach verbreitert. Früher fand die Leichtathletik auf der Bahn statt. Dann kamen die Stadtmarathons, die Straßenläufe, dazu. Und jetzt ist das einfach der nächste Schritt. Dass man sagt, ich mache daraus ein Event. Dass die Leute hinterher sagen: Jetzt habe ich etwas erlebt. Läufer haben heute einfach mehr Möglichkeiten, sich auszutoben."

Sebastian Hallmann, Langstreckenläufer, Deutscher Crosslauf-Meister, Erding

Aber wie sinnvoll sind diese Läufe für die Gesundheit? „Gesundheit!“ testet drei Events - auf Stimmung, Anstrengung und Verletzungsgefahr.

Im Lauf-Check:

  1. Der Nacht- und Crosslauf „ISPO Night Run“ im Januar: Dabei geht es fünf Kilometer durchs Gelände im Olympiapark in München. Die Schwierigkeiten: einige Steigungen, schlechte Sicht, Kälte.
  2. Der Matsch- und Hindernislauf „XLETIX-Challenge“ im Juni: Die Teilnehmer laufen zwölf Kilometer durchs Gelände und müssen dabei 25 Hindernisse überwinden. Über viele Hindernisse schafft man es nur als Team.
  3. Der Farb- und Hindernislauf „Color Obstacle Rush“ im August: Auf der fünf Kilometer langen Strecke klettern die Teilnehmer über 20 Hindernisse, die an Hüpfburgen erinnern. An sechs Farbstationen bekommen sie Farbe auf den Körper gesprüht.

Je ein Team geht für uns ins Rennen: Beim Nachtlauf Wolfgang und Carolin, beim Matschlauf das Team „Next Topbody“ und beim Farblauf Birgit mit Tochter Sarah.

Motivation für die Läufe

Start beim Nachtlauf, dem "ISPO Night Run"

"Mal über die Stadt schauen, auch wenn es jetzt in der Nacht ist, und die Landschaft genießen - das ist eine neue Herausforderung." Wolfgang Manlik, Teilnehmer, ISPO Night Run
"Ich mag es vor allem, wenn es rauf und runtergeht." Carolin Miller, Teilnehmerin, ISPO Night Run
"Die Hindernisse, die man im Alltag nicht so hat. Das ist der Spaß an der ganzen Sache." David Greuzinger, Teilnehmer, XLETIX Challenge
"Sport mit Spaß verbunden, der Lauf hat sich einfach cool angehört." Sarah Friedrich, Teilnehmerin, Color Obstacle Rush

Spaß haben, die eigenen Grenzen testen, die Stimmung genießen - ist das die richtige Motivation für einen sportlichen Wettkampf? Das weiß Sportmediziner Prof. Martin Halle:

"Es muss immer kalt, heiß, weit, hoch sein - dass es noch einen Kick gibt. Der Kick ist vielleicht gesundheitlich nicht immer das Optimale, aber die Bewegung an sich finde ich natürlich sehr gut."

Prof. Dr. Martin Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, Klinikum rechts der Isar, München

Positive Erlebnisse – langfristiger Ansporn für Bewegung

Bei allen Testläufern ist die Stimmung großartig. Und das ist wichtig, sagt Prof. Martin Halle:

An der Farbstation bekommen die Teilnehmer des "Color Obstacle Rush" Farbe auf den Körper gesprüht.

"Da werden Glückshormone ausgeschüttet. Man denkt, toll, dass ich das geschafft habe. Es ist wichtig, diesen Moment mitzunehmen, denn der ist ein Ansporn dafür, dass man weiter dranbleibt, weiter fit bleibt und vielleicht noch fitter werden möchte."

Prof. Dr. Martin Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, Klinikum rechts der Isar, München

Wie anstrengend ist es?

Der Matschlauf bringt die Teilnehmer aber auch an ihre Grenzen. Beim Versuch, eine 4,50 Meter hohe steile Wand hochzurennen, die „Power pipe,4.5“, rutschen die meisten ab. Und auch das Hangeln, der sogenannte „Clumsy Cliffhanger 3.0“, bereitet vielen Probleme. Die Hindernisse fordern Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Balance und Koordination von den Läufern. Ein Drill – der an die militärische Ausbildung erinnert und dort auch seinen Ursprung hat.

Farblauf und Nachtlauf sind hingegen kaum anstrengend für die Tester. Die einzige Schwierigkeit beim Nachtlauf ist der unebene Boden. Ihre Empfehlung: mit Stirnlampe laufen. Die fünf Kilometer lange Strecke ist für Wolfgang und Carolin ansonsten keine große Herausforderung.

"Es gibt ein paar Wurzeln auf der Strecke, die man im Dunkeln schlecht sieht. Aber dann muss man eben ein bisschen aufpassen."

Carolin Miller, Teilnehmerin, ISPO Night Run

Für Sarah und Birgit ist der Farblauf wie ein Spaziergang, die beiden laufen in ihrer Freizeit regelmäßig.

"Eine sportliche Herausforderung ist es weniger. Aber zusammen in der Gruppe zu laufen, ist einfach toll. Das ist ein Fun Event. Deswegen sind wir auch hergekommen. Wenn wir Sport machen wollen, machen wir einen anderen Lauf."

Birgit Friedrich, Teilnehmerin, Color Obstacle Rush

Die Farbe stört die beiden ebenfalls nicht. Damit nichts in die Augen geht, trägt jeder Teilnehmer eine Sonnenbrille.

"Die sprühen die Farbe immer schön aufs T-Shirt. Wenn man das Gefühl hat, sie kommt doch ins Gesicht, zieht man das T-Shirt eben etwas hoch."

Sarah Friedrich, Teilnehmerin, Color Obstacle Rush

Wie groß ist die Verletzungsgefahr?

Das Fazit der Testläufer nach der Hälfte der Strecke beim Matschlauf hört sich anders an:

"Wir sind schon ziemlich aus der Puste. Es gab ein paar kleinere Verletzungen, einer hat einen Reifen ins Gesicht bekommen, auf die Nase. Das Schlimmste war bis jetzt aber eine Kontaktlinse, die verloren ging."

Selina Lederwasch, Teilnehmerin, XLETIX Challenge

Wie gefährlich sind die Läufe also für die Gesundheit?

"Nach solchen Ereignissen findet der ein oder andere schon den Weg in meine Ambulanz. Wenn man die Blutwerte untersucht, sieht man, wie extrem die Belastungen sind. So dass man gleich meinen könnte, es wäre eine Infektion im Körper. Und es ist ein Wettkampf, da fällt man auch mal hin. Wenn der Untergrund uneben ist und man ausweichen muss, besteht die Gefahr, eine falsche Bewegung zu machen. Man kann sich bei diesen Läufen also an allen Gelenken des Körpers, vor allem an den Extremitäten, verletzen."

 Prof. Dr. Martin Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, Klinikum rechts der Isar, München

Vorher: Check beim Arzt

All unsere Läufer schaffen es schließlich ins Ziel. Und sie sind sich einig: Im nächsten Jahr sind sie wieder bei den Events dabei.

Das Ergebnis des Lauf-Checks: Farb-und Nachtlauf sind Spaßevents. Beim Schlammlauf geht's dafür körperlich an die Grenzen. Für alle Läufe gilt aber eines:

"Es sind natürlich Extrembelastungen für das Herz-Kreislaufsystem und die Gelenke, deswegen sollte man sich vorab beim Hausarzt durchchecken lassen. Das ist sinnvoll für die meisten von uns - ab 35 Jahren. Wer 45 Jahre alt ist, da gibt es für mich keine Argumentation dagegen, der sollte auf jeden Fall den Check beim Arzt machen."

Prof. Dr. Martin Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, Klinikum rechts der Isar, München

Wichtig: das richtige Training

Auch auf die richtige Vorbereitung kommt es an. Am besten vier bis sechs Monate vorher mit dem Training beginnen. Und noch ein Trainings-Tipp vom Profi:

"Man könnte mal einen Dauerlauf machen, ohne Wege zu benutzen. Also einfach querfeldein laufen und Wege nur im 90 Grad-Winkel überqueren. Man ist dabei zwar nicht sonderlich schnell, aber man wird anders gefordert. Einfach rausgehen, das hügelige Gelände suchen, dann ist man schon auf dem richtigen Weg. Und wenn man dann auch noch Fahrtspiele oder Intervalle einbaut, ist man sehr gut vorbereitet. Ansonsten: Einfach das trainieren, was im Wettkampf vorkommt. Wenn man einen Crosslauf vorbereitet, raus in den Dreck gehen!"

Sebastian Hallmann, Langstreckenläufer, Deutscher Crosslauf-Meister, Erding


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