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Kontaktlinsen Augen auf bei Passform und Linsenpflege

Ob hart oder weich, Ein - oder Mehrstärken-, Tages - oder Jahreslinse: Für jeden gibt es scheinbar die passenden Kontaktlinsen. Sie sind praktisch und beliebt - aber sie können zu massiven Problemen führen, sogar krank machen. Eine Untersuchung der Universität Würzburg zeigt: Im schlimmsten Fall drohen Schimmelpilze - eine ernste Bedrohung für das Auge. Wer sich für Kontaktlinsen entscheidet, muss die Regeln kennen. Gesundheit! zeigt, wie man die richtige Linse findet und wie man Erkrankungen vorbeugen kann.

Von: Julia Richter

Stand: 09.10.2017

Kontaktlinsen sind vor allem deshalb beliebt, weil man sie nicht sieht - sie verändern das Äußere nicht. Außerdem drücken sie nicht, beschlagen nicht im Winter, sie verschaffen eine klarere Rundumsicht als eine Brille und sind für viele angenehmer zu tragen beim Sport oder anderen Aktivitäten. Wenn beide Augen unterschiedlich stark fehlsichtig sind oder man unter extremer Kurz-oder Weitsichtigkeit leidet, können Linsen sogar die besser Wahl sein. Kontaktlinsen sind allerdings in der Regel teurer und pflegeaufwendiger. 

Wer braucht welche Linse?

Kontaktlinsen sind kleine Kunststoffschalen, die auf der Tränenflüssigkeit schwimmen und die Hornhaut bedecken. Sie lassen auf der Netzhaut ein scharfes Bild entstehen. Genau hier können Probleme entstehen: Die Hornhaut braucht Sauerstoff und Nährstoffe: Sie bezieht den Sauerstoff unter anderem durch die Luft von außen, über die Tränenflüssigkeit wird sie mit Nährstoffen versorgt. Die Tränenflüssigkeit transportiert auch Schadstoffe ab. Kontaktlinsen behindern diesen Stoffwechsel; deswegen darf man sie nicht zu lange tragen und muss sie gründlich reinigen.

Unter der Linse herrscht ein feuchtes Milieu – das begünstigt die Vermehrung von Viren, Pilzen und Bakterien. Umso wichtiger ist also, dass man die optimal passende Linse trägt, diese richtig pflegt und die Handhabung klappt.

Hart oder weich?

Die meisten Kontaktlinsenträger – etwa 80 Prozent - entscheiden sich für weiche Linsen. Weiche Linsen bestehen meist aus Silikon oder Hydrogel, sind also wasserhaltig und saugen sich leichter auf der Hornhaut fest. Die Patienten haben in der Regel kaum ein Fremdkörpergefühl, sie tolerieren sie deshalb in der Regel sehr schnell. Auch das Einsetzen klappt mit etwas Übung meist problemlos. Weiche Linsen sind größer als harte, bedecken also mehr Hornhaut. Ob man weiche Linsen verträgt, zeigt die Messung beim Kontaktlinsenspezialisten. Bei bestimmten Erkrankungen sind weiche Linsen nicht geeignet.

Harte, auch formstabile Linsen genannt, bestehen aus sauerstoffdurchlässigem Kunststoff. Sie sind kleiner als weiche Linsen, deswegen lassen sie mehr Sauerstoff an die Hornhaut. Und sie sind beweglicher, dadurch gelangt mehr Tränenflüssigkeit unter die Linse.

Wie der Name schon sagt, fühlen sich harte Linse aber hart an, das heißt die Träger haben ein Fremdkörpergefühl im Auge. Das Einsetzen dauert länger, viele brauchen ein Hilfsmittel. Hat jemand zum Beispiel eine sehr flache Hornhaut, einen Sauerstoffmangel im Auge oder leidet unter krankhafter Hornhautverkrümmung, kann er unter Umständen nur harte Linsen tragen.

Tages- oder Monatslinse?

Neben Tageslinsen, gibt es Austauschlinsen die in der Regel wöchentlich, monatlich, oder jährlich ausgetauscht werden.

Am hygienischsten sind Tageslinsen, weil man sie täglich frisch nimmt. Das Problem: Tageslinsen sind teurer als andere Linsen und es gibt hier weniger Extras, spezielle Anfertigungen wie bei einer Jahreslinse wären hier viel zu teuer und aufwendig. Tageslinsen eignen sich vor allem für Gelegenheitsträger, die hin und wieder zum Beispiel zum Ausgehen oder Sport eine Linse tragen.

Die meisten entscheiden sich für Monatslinsen, die alle vier Wochen ausgetauscht werden müssen. Wichtig ist, dass die Linsen - wie vom Hersteller vorgegeben - wirklich regelmäßig ausgewechselt werden. Heißt: Eine Monatslinse muss nach vier Wochen ausgetauscht werden, egal wie oft man sie drin hatte.

Die richtige Passform

Daneben gilt es, die richtige Passform und das richtige Material zu finden. Genau da hakte es bei Lucie Braun. Sie hat seit längerem Probleme mit ihren Linsen:

"Im Laufe des Tages waren die Augen rot, sie haben gebrannt, gerieben und es ist immer unangenehmer geworden gegen Abend. Das Nervigste war, dass es immer schlechter geworden ist. Ich habe schon gedacht, ich würde sie gar nicht mehr vertragen."

Lucie Braun, Patientin

Die Tests und Messungen beim Optiker zeigen: Ihre Hornhaut ist durch das Tragen der weichen Linsen bereits leicht deformiert – das spricht für eine falsch sitzende Linse. Außerdem sind die Augen schlecht mit Sauerstoff versorgt.

"Das hier ist der typische Fall, was man beim Kontaktlinsentragen alles falsch machen kann. Eine Kontaktlinse wird falsch gereinigt, das Material passt nicht zum Tränenfilm. Linsen, die für vier Wochen geeignet sind, werden für vier bis sechs Wochen getragen, und das ist natürlich ungünstig für die Hornhaut."

Carina Freytag-Hafen, Optikerin München

Kontaktlinsen individuell anpassen

Die Messungen der Hornhaut zeigen, dass die weichen Linsen grundsätzlich gut sind, aber dass die Patientin eine steilere Linse braucht.

"Das ist wie einem Schuh. Der Fuß muss auch in den Schuh passen. Und wenn die Linse eben zu eng oder zu flach ist, kann es zu Störungen bei der Nährstoffversorgung der Hornhaut kommen. Somit haben wir natürlich auch mal Infektionen oder Rötungen am Auge, die natürlich ungünstig sind. Das sollte man vermeiden. Die Linse muss auf jeden Fall zur Hornhaut passen."

Carina Freytag-Hafen, Optikerin München

Auch bei der Linse muss man also „seine“ Größe kennen: Der BC-Wert zeigt wie flach oder steil eine Linse gekrümmt ist - der Dia-Wert gibt den Durchmesser an. Und diese Werte können leicht variieren zwischen den Herstellern.

"Es hat mich sehr erstaunt dass die Werte so variieren von den verschiedenen Herstellern. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht, das man doch auf so viel mehr achten muss. Also die Beratung und das Anprobieren sind doch wichtiger."

Lucie Braun, Patientin

Das richtige Material

Dann kommt es noch auf das Material an. Es gibt weiche Linsen, die eher feuchtigkeitsspendend und welche, die eher sauerstoffdurchlässig sind. Die Tränenfilmanalyse zeigt, dass Lucie Braun inzwischen eher trockene Augen hat und deshalb eher letztere braucht. Hat man einen sehr öligen Tränenfilm, braucht man andere Linsen vom Material her, als wenn man einen sehr wässrigen Tränenfilm hat.

Fazit: Tränenfilm, Hornhaut und Patientenwünsche bestimmen die Linse. Die teure Linse ist nicht immer die beste. Hauptsache ist, dass sie passt - und das kann nur ein Optiker oder Augenarzt feststellen. Ob Auge und die Linse noch harmonieren, muss alle sechs Monate überprüft werden.

Welches Pflegemittel soll man nehmen?

Das A und O bei Kontaktlinsen ist die richtige Pflege. Weiche und harte Linsen brauchen unterschiedliche Pflegesysteme. Wichtig ist, die Pflegesysteme nicht zu mischen.

Praktisch und deshalb beliebt: Kombi-Produkte, das sind Mittel, die viele Einzelprodukte ersetzen. Diese sogenannten All-in-One-Lösungen eignen sich zum reinigen, desinfizieren und pflegen. Aber solche All-in-One Lösungen enthalten fast alle Konservierungsmittel – für empfindliche Augen und Allergiker sind sie ungeeignet.

Hier sind Wasserstoffperoxid-Pflegesysteme eine gute Alternative. Je nach Hersteller sind die Linsen nach vier bis sechs Stunden im Katalysator desinfiziert und neutralisiert.

Krank durch Kontaktlinsen?

Hat man die richtige Linse und das passende Pflegsystem, kann es trotzdem zu Problemen kommen. Im besten Fall sind die Augen nur gerötet oder gereizt, weil man die Linsen mal zu lange drin hatte, im schlimmsten Fall bekommt man eine schwere Infektion, so wie Yannic Scherbaum.

Der 17-jährige Schüler trägt seit Jahren weiche Linsen, weil er sehr viel Sport treibt und aktiv ist. Er geht regelmäßig zur Kontrolle, hat nie Probleme - bis vor wenigen Monaten:

"Es fing damit an, dass ich am Abend ein ziemlich ungewöhnliches Stechen und Jucken im Auge hatte. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, bin einfach ins Bett gegangen. Am nächsten Morgen ist es dann heftiger geworden. Ich bin aufgewacht und mein ganzes Auge war verklebt; ich habe es nicht aufbekommen. Ich musste mich dann aus dem Bett heraus tasten, war total lichtempfindlich, es war schrecklich."

Yannic Scherbaum, Patient

Seine Augenärztin stellt fest: Der 17-Jährige hat eine schwere Hornhautentzündung:

"Yannic hatte einen sehr schwerwiegenden Befund. Es war ein sehr außergewöhnlicher Befund, weil er ein Mischbild von Bakterien, Viren und Pilzen darstellte. Pilze sind sehr besorgniserregend und schwierig in den Griff zu bekommen, weil sie sich einer medikamentösen Therapie häufig entziehen."

Dr. med. Julia Katinka Müller-Richter, Augenärztin Würzburg

Weiche Linsen - Risikofaktor für Schimmelpilzinfektionen

Prof. Oliver Kurzai vom Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie der Universität Würzburg forscht über Schimmelpilz-Erkrankungen im Auge:

"Es ist noch zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen ziehen zu können, dazu ist die Fallzahl zu klein. Aber was wir ganz klar gesehen haben ist, dass das Tragen weicher Kontaktlinsen in Deutschland der wesentliche Risikofaktor für Schimmelpilzinfektionen ist. Es sind die weichen Kontaktlinsen, nicht die harten, warum das so ist wissen wir nicht genau. Es gibt verschiedene Gründe, die eine Rolle spielen können: die Auflagefläche ist größer bei den weichen, die Sauerstoffdurchlässigkeit ist schlechter bei den weichen und eventuell könnte es auch mit Material zusammenhängen."

Prof. Dr. med. Oliver Kurzai, Universität Würzburg

Die Analyse im Labor zeigt: Tatsächlich finden sich in Yannics Kontaktlinsenbehälter und an den Linsen die gleichen Erreger wie im Auge. So eine Schimmelpilz-Infektion kann für Patienten dramatische Folgen haben:

"Die meisten Patienten, die wir nachverfolgt haben, mussten tatsächlich Hornhauttransplantiert werden, es musste also eine neue Hornhaut transplantiert werden. Aber es gibt auch Patienten bei denen selbst das nicht reicht, und im schlimmsten Fall muss dann tatsächlich das ganze Auge entfernt werden, weil man mit Medikamenten diese Pilzinfektion nicht mehr in den Griff bekommt."

Prof. Dr. med. Oliver Kurzai, Universität Würzburg

Behandlung mit Antipilzmittel

Die Behandlung von Yannic ist kompliziert: Das Antipilzmittel muss extra für ihn hergestellt werden. Das kann nicht jede Apotheke, außerdem ist die Haltbarkeit sehr begrenzt. Anfangs muss Yannic alle zwei Stunden bestimmte Tropfen nehmen, auch nachts. Insgesamt dauert die Therapie mehr als ein Vierteljahr.

"Dass das Ganze so gravierend werden würde, dass ich jetzt drei Monate komplett ausfallen würde für meine ganzen Alltagssituationen, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Das war schon eine heftige Zeit."

Yannic Scherbaum, Patient

Er hat Glück: Die Therapie schlägt an. Die Nachuntersuchung zeigt allerdings: Seine Hornhaut ist dauerhaft geschädigt. Zum Glück ist die Trübung nicht im Sehzentrum, die Sehkraft hat sich nicht verschlechtert. Schuld an solchen Infektionen ist häufig mangelnde Hygiene:

"Die Hände werden nicht gründlich gewaschen, auch nicht gründlich abgetrocknet die Linse fällt dann auch gerne mal ins Waschbecken und wird wieder eingesetzt oder in den Behälter zurückgelegt und bei beidem herrscht ein feuchtes Milieu, welches die Erreger sehr gerne nutzen, um sich zu vermehren."

Dr. med. Julia Katinka Müller-Richter, Augenärztin Würzburg

Die richtige Handhabung

Wer Kontaktlinsen trägt, muss Regeln einhalten, sonst gefährdet er die Gesundheit der Augen. Hier die wichtigsten Tipps.

Tipps für Kontaktlinsenträger

  • Bevor man die Linse anfasst immer die Hände waschen und abtrocknen.
  • Am Abend die Linse gründlich mit einer Reinigungslösung reinigen, dazu die Linse in der Hand sternförmig mit der Fingerkuppe abreiben. Noch mal mit frischer Lösung abspülen. Die Linsen in den Behälter legen, frische Lösung dazugeben und verschließen. Mindestens vier Stunden - am besten über Nacht - desinfizieren. Ganz wichtig: Immer frische Lösung nehmen und den Behälter täglich reinigen.
  • Die Flüssigkeit darf nie erwärmt werden. Laut Prof. Kurzai ist einer der häufigsten Fehler, dass die Flüssigkeit nahe der Heizung gelagert oder im Urlaub im Handgepäck transportiert wird.
  • Linse und Behälter dürfen nicht mit Wasser gereinigt werden, sondern nur mit spezieller Reinigungslösung.
  • Am besten jeden Monat, spätestens aber alle drei Monate den Behälter erneuern.
  • Wichtig: Linsen wie vorgegeben regelmäßig austauschen – egal wie oft sie tatsächlich benutzt wurden!
  • Die tägliche Tragezeit hängt von den Linsen und den Augen ab. Sie muss unbedingt eingehalten werden.
  • Nie mit Kontaktlinsen schlafen!

"Das ist eigentlich einer der häufigsten Fehler, dass die Leute die Linsen zu lange tragen wir sprechen von einem Übertragungssyndrom. Also die Linsen werden nicht zehn Stunden sondern eher 14 Stunden am Tag drin gelassen und statt vier ganze sechs Wochen benutzt oder man schläft damit ein. Das geht auf die Linse, es bilden sich Ablagerungen, das ist ein hygienisches Problem und kann zu bösen Infektionen führen. Außerdem droht die Einsprossung von Blutgefäßen in die Hornhaut. Das passiert, wenn man die Linse zu lange trägt und die Hornhaut zu wenig Sauerstoff bekommt. Das sind bleibende Schäden, die man an der Hornhaut sieht."

Carina Freytag-Hafen, Optikerin München

  • Jede Woche sollte man sich mindestens einen eher zwei Brillentage gönnen, damit sich die Hornhaut erholen kann.
  • Bei Schmerzen und Brennen, sollte man die Linse sofort rausnehmen. Für solche Fälle muss man immer eine Ersatzbrille dabei haben.
  • Beim Baden im Schwimmbad sollte man aus Hygienegründen, wenn möglich, Einmallinsen tragen, keine Monatslinsen.
  • Bei akuten Infekten wie Erkältungen oder Grippe niemals Linsen tragen.
  • Bei bestimmten Medikamenten kann sich der Tränenfilm ändern, das sollte man mit seinem Arzt besprechen.

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