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Kommunikation zwischen Arzt und Patient Wir müssen reden!

Etwa acht Minuten bleiben Ärzten pro Patient in Deutschland. Wenig Zeit, Vertrauen aufzubauen. Umso wichtiger ist es, gut miteinander zu kommunizieren. Gerade eine schwere Diagnose zu überbringen, fällt vielen Ärzten schwer. Mit Hilfe von Schauspiel-Patienten werden junge Mediziner im Studium darauf vorbereitet.

Von: Birgit Deiterding

Stand: 14.11.2017

Kommunikation zwischen Arzt und Patient | Bild: Screenshot BR

Am Uniklinikum in Würzburg werden die angehenden Ärzte seit zehn Jahren in speziellen Gesprächstrainings auf den Umgang mit Patienten vorbereitet. Was macht ein gutes Gespräch aus und warum ist reden für Ärzte in manchen Situationen eigentlich schwierig? Reporter Fero Andersen will herausfinden: Wie klappt das Gespräch zwischen Arzt und Patient? Dafür besucht er die kardiologische Station und begleitet Margarete Heinrichs, eine junge Assistenzärztin, bei der Arbeit.

Warum ist die Kommunikation manchmal für Ärzte schwierig?

"Als erstes muss man den Patienten überhaupt mal kennenlernen, versuchen ihn einzuschätzen und letztendlich hat man natürlich auch unglaublich wenig Zeit."

Margarete Heinrichs, Assistenzärztin, Uniklinikum Würzburg

Margarete Heinrichs beginnt ihren Dienst mit der Visite. Ein wichtiger Moment für Arzt und Patient. Zimmer für Zimmer. Patient für Patient. Gibt’s da ein bestimmtes Vokabular, das man anwendet?

"Natürlich nicht das Fachvokabular verwenden. Das ist ja so ein typischer Fehler, den Mediziner gerne begehen."

Margarete Heinrichs, Assistenzärztin, Uniklinikum Würzburg

Das wünschen sich Patienten

Fero Andersen fragt auch die Patienten nach ihrer Meinung: Was ist ihnen wichtig beim Gespräch mit einem Arzt?

"Dass ich Gehör finde und dass meine Fragen ausreichend oder zu meiner Zufriedenheit beantwortet werden. Das gab es früher schon mal, dass ich das Gefühl hatte, einfach schnell abgekanzelt zu werden. Es ist ja keine Zeit da. Ja, ja und alles gut und fertig. Tür zu, weg."

Frau Schlund

"Wenn der Arzt nicht nur mich technisch behandelt, medizinisch behandelt, sondern wenn er auch das, was er fühlt im Miteinander mit mir, zum Ausdruck bringt."

Herr Paschke

Kommunikations-Training mit Schauspielern

Nicht immer leicht. Gerade für junge Ärzte. Wie man auch in kurzer Zeit ein gutes Gespräch führen kann, das trainieren junge Mediziner mittlerweile im Studium. Denn: In einigen Situationen ist es besonders schwierig, mit den Patienten zu kommunizieren.

"Wenn man den Patienten zum Beispiel über eine schlimme Diagnose oder eine bevorstehende Operation informieren muss. Das ist schwierig. Insbesondere, wenn das nicht erwartet wurde. In vielen Fällen weiß der Patient, warum er ins Krankenhaus kommt. Manchmal ändert sich aber plötzlich alles. Das ist dann für den Patienten oft eine Überforderung - und manchmal auch für uns."

Margarete Heinrichs

Schwere Diagnosen vermitteln

Wie man sich auf solche Momente vorbereitet, lässt sich Fero Andersen an der Lehrklinik in Würzburg zeigen. Dort trainieren angehende Ärzte mit Schauspielern das Gespräch mit Patienten. Heute ist die schwierigste Disziplin dran: Die Studenten müssen dem Patienten eine schwere Diagnose wie eine Krebserkrankung mitteilen. Häufige Fehler dabei:

"Zu wenige Pausen lassen. Keine Pausen lassen. Nicht genug nachzufragen, wie es dem Patienten jetzt momentan damit geht."

Dr. Matthias Lukasczik

Wichtig: Empathie zeigen und zuhören

Studentin Hanna Starz übt mit einer Schauspielerin, eine schwere Diagnose zu überbringen. Nach zehn Minuten wird das Gespräch beendet. Zeit für die Bewertung. Ganz wichtig: Der Arzt muss Empathie zeigen und zuhören können.

"Ich habe versucht, erstmal ein bisschen ins Gespräch zu kommen, damit die Stimmung etwas lockerer wird. Und dann fällt man mit so einer fruchtbaren Nachricht ein und löst erstmal Schock und Entsetzen bei der Patientin aus. Mir ist es sehr schwer gefallen, sie da wieder aufzufangen und in die weitere Planung zu gehen."

Hanna Starz, Medizin-Studentin

Trainer Dr. Matthias Lukasczik ist zufrieden mit der Studentin.

"Es war ein sehr empathisches Gespräch. Es war ein sehr zugewandtes Gespräch. Die Studentin hat auf Fremdwörter verzichtet."

Dr. Matthias Lukasczik

Vertrauen zu Patienten aufbauen

Den Patienten zu überzeugen, mehr auf seine Gesundheit zu achten - auch das trainieren die Studenten mit Schauspielern. Diese Patienten entpuppt sich als besonders schwierig. Obwohl es für sie wichtig wäre, will sie ihre Ernährung nicht umstellen und keinen Sport machen. Nach zehn Minuten ist die Studentin erlöst. Wie löst ein Arzt so eine Situation konstruktiv?

"Da man weiß, dass man bei solchen Patienten eigentlich fast nichts erreicht, wenn man mit Belehrungen anfängt oder sich im Ton vergreift, ist das beste was man machen kann: In der Situation ruhig zu bleiben."

Ines Klohr, Medizin-Studentin

"Wenn eine Ärztin so eine schwierige Patientin überzeugen will, muss sie erstmal die Klappe halten können und muss ein bisschen zuhören. Dann bekommt sie nämlich raus, was ist für die Patientin wichtig und darauf kann sie dann eingehen. Da kann sie sie dann packen."

Hans-Dieter Wolf

Die richtige Kommunikation zwischen Arzt und Patient kann man also lernen. Und: Sie ist am Ende der Schlüssel, um Vertrauen aufzubauen.


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