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Gleichgewicht, Balance, Slacklining Training für die Körperbeherrschung

Spitzensportler und Artisten beherrschen ihren Körper perfekt. Sie besitzen Beweglichkeit, Koordination und nicht zuletzt Kraft. "Gesundheit!"-Reporterin Veronika Keller will herausfinden, wie es um ihre eigne Körperbeherrschung steht, und wie sie diese verbessern kann.

Von: Christian Brandt

Stand: 08.10.2018

Slackline-Profi Marius Kitowski mit Reporterin Veronika Keller an der TU München beim Test für die Körperbeherrschung | Bild: Screenshot BR

Marius Kitowski ist Deutscher Meister im Slacklinen und damit ein Profi in Sachen Körperbeherrschung. Sein Tanz über die Slackline sieht leicht aus, dahintersteckt aber viel Übung.

"Gleichgewichtsgefühl ist der eine Punkt, ja. Aber die Hauptsache ist die Orientierung im Raum. Auch die Koordinierung der einzelnen Körperteile; dass man weiß, wie man den Körper nach rechts dreht, wie man ihn nach links dreht. Dass man einfach weiß, was man mit seinem Körper anstellen muss, um eine bestimmte Bewegung durchzuführen."

Marius Kitowski, Deutscher und Österreichischer Meister im Slacklining

Tipps fürs Slacklining

Veronika Keller versucht es auch einmal mit der Slackline. Und bekommt Tipps vom Profi:

"Wichtig ist noch, dass du die Füße gerade hältst, also nicht quer laufen. Dass du die Arme ausbreitest und dass du ans Ende schaust. Das sind eigentlich so die drei Grundregeln. Und noch ein bisschen in die Knie gehen."

Marius Kitowski, Deutscher und Österreichischer Meister im Slacklining

Die ersten Schritte sind die Schwersten, sagt Marius. Die Leine ist gerade einmal fünf Zentimeter breit- und sie wackelt ständig.

"Also an der Hand traue ich mich es jetzt schon, aber wie das alleine gehen soll weiß ich jetzt noch nicht so richtig."

Veronika Keller, Reporterin

Seit sechs Jahren trainiert Marius Kitowski mehrmals die Woche. Viele der Sprünge und Drehungen beim Slacklining stammen aus der Akrobatik oder dem Turnen.

Kopfstand und Einbeinstand  - ein gutes Training

Um ihre Körperbeherrschung zu verbessern, geht Veronika Keller zu Cornelia Hein. Sie gibt spezielle Kurse, um die Körperbeherrschung zu trainieren. Dazu gehört auch: der Kopfstand.

"Für den Kopfstand braucht man ein gutes Gleichgewichtsgefühl. Die Koordination: Wo ist oben, wo ist unten? Und etwas Kraft."

Cornelia Hein, Übungsleiterin Reha-Sport, Yogalehrerin, München

Die nächste Steigerung für das Gleichgewichtsgefühl ist der Einbeinstand.

"Wir nehmen das rechte Bein als Standbein und heben das linke Bein ganz leicht mit. Und jetzt ziehen wir langsam das linke Bein höher und höher. Strecken es nach vorne aus."

Cornelia Hein, Übungsleiterin Reha-Sport, Yogalehrerin, München

Sturzprophylaxe auch für Senioren

Alle Übungen kann man zusätzlich erschweren, indem man die Augen schließt. Zum Gleichgewicht kommt jetzt noch die Koordination hinzu – beim Werfen. Veronika Keller soll sich einbeinig aufs Werfen konzentrieren.  

"Es macht total viel Spaß, aber es ist schwieriger als ich gedacht habe!"

Veronika Keller, Reporterin

Kopfstand-Training

Die Übungen helfen auch im Alltag: Damit man nicht hinfällt, sondern schnell sein Gleichgewicht wiederfindet - wenn man zum Beispiel in der vollen U-Bahn angerempelt wird. Vor allem Senioren profitieren von den Übungen. Viele der Übungen kommen aus der Sturzprophylaxe.

Körperbeherrschung - die wissenschaftliche Sicht

Was genau es mit der Körperbeherrschung auf sich hat, das schaut sich Veronika Keller in einem Speziallabor an. Mit Slackliner Marius Kitowski geht sie an den Lehrstuhl für Bewegungswissenschaftder TU München. Prof. Joachim Hermsdörfer erklärt, was Körperbeherrschung aus wissenschaftlicher Sicht bedeutet.

"Körperbeherrschung ist das wesentliche Mittel mit dem Sie sich bewegen, flüssig gehen und schnell handeln können. Wie zum Beispiel: Gleichgewichtssinn, die Fähigkeit schnell auf Bewegungen zu reagieren, schnell eine Kraft auszuüben, Orientierung im Raum gut zu beherrschen. Unterschiedliche Aspekte von Körperbeherrschung machen aus, wie gut man darin ist."

Prof. Dr. Joachim Hermsdörfer, Ordinarius am Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft, TU-München

Körperbeherrschung messen

Wie man seine Körperbeherrschung messen kann - auch das erfahren Veronika Keller und Marius Kitowski.

"Wir haben ein Bewegungsmesssystem aufgebaut, das im dreidimensionalen Raum Bewegungen messen kann. In dem Fall besteht es aus Kameras, die Marker sehen, die wir an Körperpunkten befestigen. Mit diesem Messsystem können wir ganz präzise bestimmen, wo und wie sich jedes Körperteil bewegt."

Prof. Dr. Joachim Hermsdörfer, Ordinarius am Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft, TU-München

Bewegung der Körperschwerpunkts entscheidend

Dazu werden Marius Kitowski und Veronika Keller komplett vermessen und mit jeweils über dreißig Markern beklebt. Später kann man daran ihre Bewegungen genau nachvollziehen. Jetzt wird gemessen. Fünf Sekunden soll Veronika Keller möglichst still auf der Slackline stehen. Das Ergebnis:

"Wir konzentrieren uns in der Auswertung auf ihren Körperschwerpunkt - der ist in der Höhe des Bauchnabels. Wenn sie auf der Slackline stehen wollen, muss der Körperschwerpunkt über dem Band sein, sonst fallen sie herunter. Sie sehen hier die Bewegung des Schwerpunktes auf der horizontalen Ebene. Und sie sehen schon, da ist eine Menge Bewegung bei Ihnen. Insgesamt hat sich in den fünf Sekunden, die wir aufgenommen haben, ihr Schwerpunkt um 305 Millimeter bewegt."

Prof. Dr. Joachim Hermsdörfer, Ordinarius am Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft, TU-München

30 Zentimeter in fünf Sekunden

Das heißt: Veronika Keller hat 30 Zentimeter hin und her gewackelt. Aber: Auch der Körper von Marius Kitowski hat sich während der Messung bewegt, allerdings nur 55 Millimeter insgesamt. Schon für die Fünfsekunden Messung hat Veronika Keller mehrere Anläufe benötigt. Wie steht es also um ihre Körperbeherrschung?

"Dafür, dass sie zum ersten Mal hier auf der Slackline waren, war das eine tolle Leistung."

Prof. Dr. Joachim Hermsdörfer, Ordinarius am Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft, TU-München

"Das freut mich. Und motiviert mich, gleich noch ein bisschen besser zu werden. Ich gehe noch einen Runde trainieren!"

Veronika Keller, Reporterin


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