BR Fernsehen - Gesundheit!


27

Knie-OP, Knorpelschaden Mit Stammzellen Gelenkgewebe reparieren

Grund für Gelenkschmerzen sind oft Knorpelschäden. Viele Patienten hoffen dann auf eine Operation. Wie weit sind moderne Operationsverfahren, die auf körpereigene Stammzellen und Reperaturmechanismen setzen?

Von: Veronika Keller

Stand: 04.06.2018

Menschen helfen – das treibt Lucas an, ob bei seinem Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr, im Rettungsdienst oder in seinem Medizinstudium. Und wer Brände löscht und Leben rettet, braucht einen belastbaren Körper. Doch seit ein paar Monaten kann Lucas nicht mehr so viel geben wie er will.

Kniegelenk: Schmerzen durch Knorpelschäden

Anfang des Jahres begann sein linkes Knie Probleme zu machen. Der Knorpel im Gelenk war stellenweise so abgenutzt, dass Lucas bei jeder Belastung Schmerzen hatte. Schon vor Jahren hatte er sich bei einem Skiunfall einen Knorpelschaden im rechten Knie geholt und wurde operiert. Und jetzt macht auch noch das andere Knie Probleme.

"In der Arbeit beim Reanimieren, beim Knien hat es wehgetan. Und da ich schon vorgeschädigt war, habe ich halt mal nachschauen lassen und da gab es leider wieder die eher schlechte Diagnose."

Lucas, wird am Knie operiert

Es ist wieder ein Knorpelschaden hinter der Kniescheibe. Der Orthopäde Prof. Peter Müller riet Lucas zu einer besonders modernen Operationsmethode, der Knorpelzelltransplantation. Vor drei Wochen wurden Lucas dafür bereits Knorpelzellen aus einer anderen Stelle im Knie entnommen. Im Labor wurden sie gezüchtet und sollen heute an der beschädigten Stelle eingepflanzt werden.

"Die Erfolgsquote ist sehr, sehr hoch. Das heißt über 90 Prozent haben ein Regenerat, wobei bei einem Teil der Patienten noch Restbeschwerden übrig bleiben. Das heißt, wir sagen eigentlich: 80 Prozent unserer Patienten haben im Alltag keinerlei Beschwerden mehr."

Prof. Dr. med. Peter Müller, Orthopäde und Unfallchirurg, Universitätsklinikum Großhadern, München

Gezüchtete Knorpelzellen: Mit Gel ins Gelenk transplantiert

Knie-OP: Das Gel mit gezüchteten Knorpelzellen wird für die Transplantation vorbereitet.

Intakter Knorpel ist als Gleitschicht wichtig, damit Gelenke gut funktionieren, ohne sich bei Belastung zu sehr abzunutzen. Lucas hofft, nach der Operation wieder ein voll belastbares Knie zu haben. In Verbindung mit einem Gel bekommt er heute seine eigenen Zellen mit einer Spritze ins Gelenk transplantiert.

"Früher musste man Zellen entnehmen und unter einen Knochenhautlappen nähen, dann kamen Vliese, wo man es einsetzen konnte. Heutzutage können wir das Ganze mit einem Gel machen. Das ist natürlich für den Patienten angenehm, weil wir nicht das Kniegelenk ganz aufmachen müssen, sondern über kleine Schnitte zurechtkommen."

Prof. Dr. med. Peter Müller, Orthopäde und Unfallchirurg, Universitätsklinikum Großhadern, München

Kniegelenk: Schmerzbekämpfung durch Mikrofrakturierung?

Problem Knieschmerzen: Rudi Dendl beansprucht seine Knie im Job erheblich.

Mit seinem Knie kämpft auch der Elektroinstallateur Rudi Dendl. Er muss regelmäßig auf Leitern steigen. In letzter Zeit geht das nur unter Schmerzen. Erstmal hat er die Zähne zusammengebissen. Inzwischen geht die Gartenarbeit nur noch schwer, und das geliebte Tennisspielen lässt er längst bleiben.

"Das schaust du dir zwei, drei Monate an und dann musst du es einfach operieren, dass es halt vorbei ist."

Rudi Dendl, Patient mit Knorpelschaden

Zur Operation hat ihm der Münchner Orthopäde  Dr. Alexander Rauch geraten. Denn auch Rudi Dendl hat Knorpelschäden im Kniegelenk. Um zu verhindern, dass sich das Gelenk weiter abnutzt, wird Dr. Rauch eine Methode anwenden, bei der das Gelenk angeregt wird, sich selbst zu regenerieren, die so genannte Mikrofrakturierung.

"Herr Dendl hat das Glück, dass der Schaden des Kniegelenks noch nicht so groß ist. Das heißt, er profitiert noch von dem einfacheren Verfahren der Mikrofrakturierung und er braucht noch nicht diese komplizierteren Verfahren wie die Knorpelzelltransplantation oder sogar eine Prothese."

Dr. med. Alexander Rauch, Orthopäde und Unfallchirurg, München

Löcher im Gelenk lösen Selbstreperatur aus

Mit modernen OPs können Knorpelschäden minimalinvasiv effektiv behandelt werden. Allerdings gilt das noch nicht für Arthrose.

Rudi Dendl bekommt eine Vollnarkose, und Dr. Rauch setzt zwei kleine Schnitte. Bei der Mikrofrakturierung werden minimalinvasiv kleine Löcher in den Gelenkknochen gebracht. Das geht mit einem Meißel oder mit einem dünnen Bohrer. So wird das Knochenmark stimuliert und löst einen Reparaturmechanismus aus: Das ausströmende Blut spült Stammzellen an die Knochenoberfläche. Die bleiben am Knochen haften und bilden neues Knorpelgewebe, so genannten Faserknorpel. So soll in den nächsten Wochen auch Rudi Dendls Knie regenerieren.

Moderne OP-Verfahren: Noch keine Wirkung bei Arthrose

Aber nicht jeder kann von Operationsmethoden wie der Mikrofrakturierung und der Zelltransplantation profitieren. Sie funktionieren nur bei punktuellen, umschriebenen Knorpelschäden und nicht bei Arthrose.

"Darauf  hoffen wir lange, dass wir auch die Arthrose damit therapieren können. Unsere Erfahrung ist: Nein, es funktioniert nicht. Das heißt: Es muss zumindest die Oberfläche des gegenüberliegenden Gelenkpartners intakt sein."

Prof. Dr. Peter Müller, Orthopäde und Unfallchirurg, Universitätsklinikum Großhadern, München

Mit einer Operation hoffen viele Patienten, Knieschmerzen loszuwerden.

Das Knie von Lucas eignet sich aber gut für die Transplantation. Auch hier reicht ein kleiner Hautschnitt aus, die Operation geht minimalinvasiv vonstatten. Prof. Müller beseitigt das kaputte Knorpelmaterial und gräbt eine Vertiefung in den Knorpel hinter Lucas Kniescheibe. Jetzt kommen die Zellen zum Zug. Per Spritze werden sie in die vorbereitete Knorpelwanne eingebracht, wo sie gelieren. Nach der Operation braucht Lucas Knie Ruhe.

Eine Woche später hat Medizinstudent Lucas die OP gut überstanden. Bis der Knorpel so fest ist, dass er wieder Feuerwehreinsätze übernehmen kann, wird es aber Monate dauern.


27