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Kinder & Übergewicht Baby-Ernährung in den ersten 1000 Tagen

Weltweit gibt es immer mehr übergewichtige Kinder – in Deutschland gelten laut Robert Koch Institut immerhin fast 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen als zu dick. Und das ist mitunter ein echtes Problem: Betroffene haben häufig mit massiven gesundheitlichen und sozialen Folgen zu kämpfen.

Von: Thomas Kempe

Stand: 10.10.2016

Early Nutrition | Bild: colourbox.com

Experten gehen davon aus, dass die Anlagen für die Neigung zum Übergewicht oft schon sehr früh gelegt werden, konkret bereits im Mutterleib und in den ersten Lebensjahren.

Übergewicht: „Programmierung“ im Mutterleib

Lebensstil und die richtige Ernährung von Mutter und Kind spielen demnach eine gewichtige Rolle, wenn es darum geht Übergewicht zu vermeiden. Unter dem Begriff „metabolische Programmierung“ fassen Fachleute die früh prägenden Auswirkungen auf den Organismus zusammen. Babys und Kleinkinder können offensichtlich eine generationenübergreifende Prädisposition für Stoffwechselstörungen entwickeln, die sich später im Leben als Übergewicht zeigt, ausgelöst unter anderem durch die Ernährung.

"Das heißt die Situation der Mutter, beeinflusst von der Ernährung der Mutter, aber auch von ihrer Gesundheit, wirkt sich sehr rasch auf das ungeborene Kind - und auf das Wachstum des ungeborenen Kindes - aus.  Wir wissen zum Beispiel: Wenn eine Frau bei Beginn der Schwangerschaft übergewichtig ist, dann ist das Risiko des Kindes doppelt so hoch, später selbst Übergewicht zu entwickeln."

Prof. Dr. med. Berthold Koletzko, Abteilung Stoffwechsel und Ernährung,  Dr. v. Haunersches Kinderspital, Klinikum der Universität München

Übergewicht bei Kindern: Erhöhte Risiken fürs Leben vermeiden

Das Forschungsprojekt „EarlyNutrition“ will die Grundlage für diese Programmierung  weiter untersuchen. Zum Beispiel sollen im Rahmen von Fachtagungen die Fortschritte in der Forschung  in alltagspraktische Empfehlungen umgesetzt werden. Die Vorrausetzungen für das Wohlbefinden im späteren Leben und für die langfristige Gesundheit im Erwachsenenalter entstehen bereits in einer sehr frühen Phase im Mutterleib. Das heißt, Lebensstil und Ernährung der Mutter haben großen Einfluss darauf, wie die weitere Entwicklung läuft.

"Mittlerweile gibt es immer mehr Beweise dafür, dass die Nährstoffe, Spurenelemente und Stresshormone, die vom mütterlichen Organismus in den Kreislauf des Kindes gelangen, maßgeblich darüber entscheiden, ob ein Mensch im Laufe seines Lebens an Zivilisationskrankheiten wie Hypertonie oder Diabetes erkranken wird. Auch darüber ob er  Übergewicht oder gefährlich hohe Cholesterinwerte entwickelt und deshalb für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels anfällig wird. Die positiven oder auch negativen Effekte der vorgeburtlichen Programmierung können sich noch viele Jahre später bemerkbar machen."

Prof. Dr. med. Berthold Koletzko, Abteilung Stoffwechsel und Ernährung,  Dr. v. Haunersches Kinderspital, Klinikum der Universität München

Schwangerschaft: Nicht für zwei essen

Eine einfache Regel, um dies vielleicht zu verhindern: Schwangere sollten Überernährung vermeiden und nicht für zwei essen. Ab dem Ende des zweiten und im dritten Trimester genügen zusätzlich 200 bis 300 Kilokalorien pro Tag – raten Experten.

Stillen: positiver Effekt auf Entwicklung des Gewichts

Weiter gilt: Stillen ist nach Expertenansicht die beste primäre Präventionsmaßnahme, denn es kann das Risiko für Übergewicht dauerhaft um ein Drittel senken. Dafür könnte vor allem der im Vergleich zu Säuglingsnahrung deutlich geringere Proteingehalt der Muttermilch sein. Aus Beobachtung leiten Fachleute ab, dass Kinder, die bis zu ihrem ersten Lebensjahr eiweißreicher ernährt werden, mehr an Gewicht zunehmen und stärker wachsen, weil die Fettzellen so zu mehr Aktivität angeregt werden.

Babynahrung: Bitte nicht zu süß!

Und auch nach der Geburt gibt es natürlich Möglichkeiten, der Neigung zu Übergewicht entgegen zu wirken. Süße Getränke zum Beispiel sollten tabu sein.

"Wir wissen, dass Kinder, die im Säuglingsalter regelmäßig gezuckerte Getränke zu sich nehmen, ein höheres Risiko haben, später übergewichtig  zu sein. Und es gibt Studien, die uns jetzt zeigen, dass die Gabe von gezuckerten Tees, von gezuckerten Fruchtsäften im ersten Lebensjahr und vor allem in den ersten 6 Monaten dazu führt, dass Kinder in den ersten Schuljahren mehr süße Getränke verzehren."

Prof. Dr. med. Berthold Koletzko, Abteilung Stoffwechsel und Ernährung,  Dr. v. Haunersches Kinderspital, Klinikum der Universität München

Kalorienfalle Süßgetränke

Übermäßig viel gezuckerte Getränke können zu Übergewicht führen. Für Säuglinge und Kleinkinder gilt grundsätzlich – wie auch für Erwachsene: Eine ausgewogene Mischkost ist das Beste. Ideal sind nach Meinung der Fachleute drei Hauptmahlzeiten und zwei kleinere Zwischenmahlzeiten – dazwischen Nichts! Viel über die richtige Ernährung für Babys und Kleinkinder ergibt sich eigentlich von selbst. Obst und Gemüse sind gut, viel Zucker eher schlecht.

Die ersten 1000 Tage: Tipps für den Alltag

Weitere Tipps und Tricks für die ersten 1000 Tage der Entwicklung haben verschiedene Institutionen in einer App zusammengefasst. Es gibt auch spezielle Schul-Programme, die Kindern gesunde Lebensweisen näher bringen können. Dafür ist es nie zu spät. Eine vernünftige Ernährung ist immer eine Investition in die Zukunft


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