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Wenn die Stimme versagt Was hilft bei Kehlkopfentzündung?

Halsschmerzen, Krächzen, Heiserkeit, Stimmverlust – das sind typische Anzeichen einer Erkältung. Es kann aber auch eine Kehlkopfentzündung dahinterstecken. Meist wird eine sogenannte Laryngitis durch virale Infekte verursacht. Neben diesen meist harmlosen akuten Infektionen gibt es auch chronische Kehlkopfentzündungen – zum Beispiel bei Rauchern oder Menschen, die ihre Stimme stark beanspruchen. Gesundheit! zeigt, was bei einer Kehlkopfentzündung hilft und ab wann man zum Arzt sollte.

Von: Julia Richter

Stand: 14.04.2019

Barbara-Schmidt-Gaden ist Opernsängerin. Seit sie klein ist, steht sie auf der Bühne. Musik ist ihr Leben. Seit ein paar Jahren ist sie außerdem festes Mitglied im Chor des Bayerischen Rundfunks. Berufsbedingt merkt sie sofort, wenn etwas mit der Stimme nicht „stimmt“. Schließlich ist sie ihr Werkzeug. Und genau das versagt vor ein paar Wochen plötzlich.

"Ich hatte erst Mal sehr starke Halsschmerzen. Dann kam so ein Krächzen der Stimme dazu, das klingt dann heiser und rau. Dann kam auch kein Schleim. Es ist wie ein Kloß im Hals, man versucht die ganze Zeit, dass irgendein Ton herauskommt aber da kommt überhaupt nichts."

Barbara Schmidt-Gaden

Im Winter häufiger

In manchen Fällen kann es auch zu Fieber, Reizhusten und Schluckbeschwerden kommen. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte wie Prof. Dr. Echternach sehen so etwas recht häufig, vor allem im Winter:

"Bei einer akuten Kehlkopfentzündung sind die Hauptursachen vor allem Infekte durch Viren hervorgerufen. Deutlich seltener haben wir Infekte durch Bakterien oder Pilze. Und am häufigsten betroffen sind die sogenannten Stimmlippen – volkstümlich die Stimmbänder, weil die auf dem Weg zwischen Mund und Lunge liegen."

Prof. Dr. med. Matthias Echternach, Phoniatrie und Pädaudiologie, HNO-Klinik, LMU München

Der Kehlkopf sitzt im Hals, trennt die Atem- und Speisewege und ist an der Stimmbildung beteiligt. Bei einer akuten Infektion ist die Schleimhaut des Organs entzündet, meist die Stimmlippen - oft Stimmbänder genannt.

Chronische Kehlkopfentzündung

Treffen kann es jeden – nicht nur Menschen, die viel sprechen oder singen. Das Problem: So eine Entzündung kann in manchen Fällen sogar chronisch werden.

"Sehr bekannt ist das Rauchphänomen, dass Nikotin dazu führen kann. Wir haben auch andere Reize – ein Refluxgeschehen, dass Säure über die Speiseröhre in den Kehlkopf übertreten kann. Es gibt Reize, wie die Überanstrengung der Stimmlippen, die zu einer chronischen Reaktion im Bereich der Stimmlippen führen kann."

Prof. Dr. med. Matthias Echternach, Phoniatrie und Pädaudiologie, HNO-Klinik, LMU München

Je nachdem wo die Ursache liegt, muss diese bekämpft werden - zum Beispiel durch ein logopädisches Training bei Überanspruchung oder eine konsequente Therapie bei Reflux.

Diagnose einer Kehlkopfentzündung

Wichtig ist, herauszufinden, wo genau die Infektion sitzt: Mit Hilfe eines speziellen Endoskops, das in den Mund eingeführt wird, wird der Kehlkopf gespiegelt. Das nennt man Stroboskopie. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Am Bildschirm sieht der Arzt das „Innere“ des Kehlkopfs. Etwa in der Mitte des Organs sitzen die Stimmlippen:

"Wenn wir atmen, sind die Stimmlippen auseinandergezogen, so dass der Atemstrom gut nach oben Richtung Mund gehen kann. Wenn wir Stimme bilden, dann schließen sich diese Stimmbänder und wenn wir eine Entzündung haben dann sind die Schwingungen dieser Stimmlippen gestört. Dadurch kann der Ton nicht mehr richtig erzeugt werden und das führt zu Heiserkeit."

Prof. Dr. med. Matthias Echternach, Phoniatrie und Pädaudiologie, HNO-Klinik, LMU München

Gesunde und entzündete Stimmlippen

Gesunde Stimmlippen sind hell und elastisch, das heißt sie können schwingen und dadurch Töne erzeugen. Bei einer Entzündung sind sie gerötet, geschwollen, können nicht mehr richtig schließen - und schwingen daher nicht optimal. Das Resultat: Die Stimme krächzt und klingt heiser. Je nachdem, wie weit fortgeschritten die Entzündung ist, kann die Stimme auch komplett versagen.

Das kann man nicht nur sehen, sondern auch hören. Bei der sogenannten Stimmqualitätsmessung muss die Patientin Vokale in ein Mikrofon singen und sprechen, eine Art Membran zeichnet die Stimme auf. So können Rauheit, Heiserkeit und Behauchtheit genau gemessen werden.

Wo hakt die Stimme?

Zum Abschluss gibt es eine Einlage am Klavier. Auch Nicht-Profis müssen im Zweifel singen. Das hilft bei der Diagnose - denn so hört der Arzt am besten, wo die Stimme hakt. Das ist vor allem wichtig, um zum Beispiel vor und nach einer OP zu untersuchen, ob die Stimme wieder rund klingt.

Behandlung einer Kehlkopfentzündung

Das Wichtigste ist, zu schweigen. Wer seine Stimme wiederhaben will, muss sie konsequent schonen.

"Es ist natürlich sehr schwierig, das einzuhalten. Aber drei, vier Tage Schweigen wäre schon gut. Zu Früh wieder mit dem Sprechen anfangen, hat sich leider überhaupt nicht bewährt. Je früher man anfängt, umso schlechter wird es wieder."

Barbara Schmidt-Gaden

Durch Inhalieren die Schleimhäute feucht halten

Das A und O: Die Schleimhäute gut befeuchten. Ihr Tipp: Inhalieren. Der feine Dampf – das Aerosol – gelangt tief in den Hals. Daneben trinkt sie mindestens zwei Liter warmen Tee. Je feuchter die Schleimhäute sind, umso besser.

Helfen kann auch Ibuprofen – das ist entzündungshemmend und schmerzlindernd. Ganz wichtig: Bei einer Kehlkopfentzündung sollte man kein Aspirin nehmen, weil das die Stimmlippen nachhaltig schädigen kann. In der Regel heilt eine akute Kehlkopfentzündung nach ein paar Tagen mit Hausmitteln aus – aber das klappt nicht immer.

"Dann kann es sein, dass wir auch mal Antibiotika geben müssen, weil es doch zu Überinfektionen mit Bakterien kommen kann. Zum anderen kann es sein, dass wir bei Sängern auch mal Kortison geben müssen. Damit die Entzündung schnell zurückgeht und die Bühnenfähigkeit wieder gewährleistet wird."

Prof. Dr. med. Matthias Echternach, Phoniatrie und Pädaudiologie, HNO-Klinik, LMU München

"Blubber"-Training

Effektiv und unkompliziert ist ein „Blubber-Training“: Einfach einen Silikonschlauch in eine Wasserflasche halten und pusten oder Töne bilden. Ein paar Minuten reichen am Tag. Das hat einen massageähnlichen Effekt auf die Stimmbänder. Generell gilt:

Eine Kehlkopfentzündung muss gut auskuriert werden, sonst drohen Polypen oder Ödeme, die operativ entfernt werden müssen, damit die Stimmlippen sich wieder schließen können.

Ab wann zum Arzt?

Wenn Beschwerden andauern oder sich verschlimmern, sollte man nicht zu lange warten.

"Wichtig für uns ist, dass eine Heiserkeit von drei Wochen nicht überschritten sein sollte. Dann sollte man tatsächlich einen Facharzt für HNO aufsuchen, weil auch mal ernstere Erkrankungen dahinterstehen können. Ganz wichtig ist, wenn eine Kehlkopfentzündung auf einmal zu Atembeschwerden führt, dass man sehr zeitnah einen HNO-Kollegen aufsucht. Denn andere Erkrankungen, zum Beispiel im Bereich des Kehldeckels oder der Kehlkopfstrukturen, können den Atemweg einengen. Das könnte gefährlich sein."

Prof. Dr. med. Matthias Echternach, Phoniatrie und Pädaudiologie, HNO-Klinik, LMU München


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