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Die nachhaltige Alternative aus Kiefernharz Kaugummi ohne Plastik

Kaugummi ist seit 150 Jahren ein beliebter Trend. Aber ist er auch gesund? Und wie gut sind die Alternativen zur üblichen Kaumasse? Zum Beispiel der nachhaltige Kaugummi aus Baumharz? Reporterin Veronika Keller testet sich durch ein riesiges Sortiment.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 19.09.2022

Was hat Kaugummi mit dem Wald zu tun? In manchen Fällen eine ganze Menge. Denn hier wird ein natürlicher Rohstoff abgebaut, aus dem man Kaumasse herstellen kann. Wie das geht, schaut sich Reporterin Veronika Keller an und reist dafür nach Österreich. In einem Waldstück bei Wien wird die nachhaltige Kaumasse gewonnen – noch ist das allerdings eine Seltenheit.

Allein in Deutschland kauen knapp 9 Millionen Menschen mehrmals pro Woche Kaugummi. Woraus diese hauptsächlich bestehen, erklärt die Ernährungsberaterin Daniela Krehl

"Die meisten Kaugummis sind tatsächlich auf Erdölbasis. Also ich kaue auf Plastik. Außerdem brauchen Weichmacher, wir brauchen Aromastoffe, wir brauchen Emulgatoren, und das schlucken wir natürlich alles. Und bei den Weichmachern haben wir vor allem das Problem, dass sie sich anreichern im Körper und dann dauerhaft gesundheitsgefährdend werden können."

- Daniela Krehl, Ernährungsberaterin, Verbraucherzentrale Bayern

Alte Handwerkstradition trifft Start-Up

Star-Up-Gründerin Sandra Falkner, Reporterin Veronika Keller und Pecher Bernhard Kaiser.

Bereits amerikanische Ureinwohner haben aus Baumharz und Bienenwachs Kaugummi hergestellt. Eine Kaumasse ohne künstliche Polymere wird jetzt auch hierzulande mehr und mehr zum Trend. Reporterin Veronika Keller trifft Sandra Falkner. Die österreichische Start Up-Unternehmerin produziert aus nachwachsenden Rohstoffen einen Kaugummi.

"Wir nutzen das Harz, das über Winter die beste Qualität gebildet hat. Es hat ein unheimlich gutes Aroma. Es duftet herrlich. Und wenn man es kostet, schmeckt man die vielen Bitterstoffe. Früher waren Kaugummis immer aus Harzen gemacht und wir greifen dabei auf alte Traditionen zurück."

- Sandra Falkner, Start-Up-Unternehmen Alpengummi, Wien

Der Pecher Bernhard Kaiser unterstützt Sandra Falkner. Mithilfe seiner alten Handwerkstradition wird das Harz in Handarbeit aus der Schwarzkiefer gewonnen – die Basis für die natürliche Kaumasse.

"Ich habe das von meinen Vorfahren lernen dürfen und ich bin jetzt soweit, dass ich es meinen Jungen wieder weitergebe. Und die Jungen sind sehr bemüht, dieses Handwerk zu lernen und aus dem wertvollen Rohstoff Produkte zu produzieren. Das hier ist ganz frisches Maipech – das ist das beste Harz, das es gibt. Das ist ein einmaliges Aroma."

- Bernhard Kaiser, Pecher und Waldpädagoge, Waidmannsfeld, Niederösterreich

Die Herstellung des Natur-Kaugummis aus dem Harz der Schwarzkiefer

Für die Rohstoffgewinnung eignet sich die robuste Schwarzkiefer besonders gut. Als erstes wird mit dem Rindler die grobe Borke herunter geschält. Bis zu 4000 Bäume im Jahr haben die Pecher früher so bearbeitet.

Der nächste Schritt: In den Stamm werden circa zwei Zentimeter große Kerben geschlagen. Dann läuft langsam das Harz heraus.

Sogenannte Scharten werden eingesetzt, um das Harz zu leiten. Pro Jahr gibt eine Schwarzkiefer ca. 3-6 Kg Harz ab. Für 200 Packungen Kaugummi wird ein Kilo Föhrenharz benötigt.

Die Produktion von Alpengummi läuft mittlerweile maschinell – früher war das noch Handarbeit. Der nächste Verarbeitungsschritt muss jetzt schnell gehen, bevor das Harz fest wird.

Hinzu kommt Bienenwachs. Das macht den Kaugummi geschmeidig. Weitere Zutaten sind: Birkenzucker und getrocknetes Harz vom Akazienbaum. Aromen ergänzen die Masse. Dadurch, dass nur natürliche Zutaten verwendet werden, sind die Alpengummis acht bis zehn Monaten haltbar.

Wie gut ist der ökologische Fußabdruck bei der Kaugummi-Alternative?

Weil die Rohstoffe aus Österreich beziehungsweise Europa kommen, ist der ökologische Fußabdruck beim Alpengummi gering. Und auch nachher, wenn der Kaugummi gekaut ist, ist er biologisch abbaubar. Das heißt, falls er in der Natur runterfallen sollte, dann ist es kein Problem. Denn er enthält kein Mikroplastik wie herkömmliche Kaugummis. Etwa 60.000 Packungen jährlich kann Sandra aus den nachwachsenden Rohstoffen produzieren - für die studierte Umweltwissenschaftlerin eine Herzensangelegenheit. 

Wie gesund sind Kaugummis für die Zähne?

Kaugummis sind auf jeden Fall geeignet, um Zähne oder Mund zu erfrischen. Doch sind sie auch gut für unsere Zähne? Reporterin Veronika Keller trifft Zahnarzt Prof. Dr. Christoph Benz von der Bundes- und Landeszahnärztekammer in München.

"Zwei wichtige Effekte hat Kaugummi: es reinigt ein wenig Kauflächen, zum Beispiel Bereiche, die man gut erreicht und es regt den Speichelfluss an. Der Speichel ist so ein Zaubersaft im Mund, der Mineralien zurückführt, der Bakterien bekämpft, der auch ein bisschen spült und je mehr Speichel wir im Mund haben, umso besser. Und das ist ein wichtiger Effekt von Kaugummi."

- Prof. Dr. med. Christoph Benz, Patienten und Versorgungsforschung, Bayerische Landeszahnärztekammer, München

Aber Kaugummikauen ersetzt das Zähneputzen nicht und eignet sich nicht für die Pflege der Zahnzwischenräume. Dafür sollte man Zahnseide oder ein Brüstchen benutzen. 

"Wenn ich im Stundenbereich von Kaugummikauen am Tag unterwegs bin, dann kann ich Muskelschmerzen kriegen, dann kann ich Gelenkschmerzen kriegen. Und Menschen, die zu Migräne neigen, vor allen Dingen, wenn sie diesen Spannungstyp Kopfschmerz haben, die sollten ganz die Finger davon lassen."

- Prof. Dr. med. Christoph Benz, Patienten und Versorgungsforschung, Bayerische Landeszahnärztekammer, München

Dennoch empfiehlt Zahnarzt Dr. Christoph Benz das Kaugummikauen. Gerade auch Senioren, an die man oft gar nicht denk, wenn es um Kaugummikauen geht. Aber tatsächlich gibt es viele Studien, die zeigen, dass sich das Mund-Gesundheitsgefühl dadurch deutlich verbessert. Doch welchen Kaugummi man schließlich am liebsten kauen mag – das entscheidet nicht zuletzt der eigene Geschmack.


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