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Kalte Dusche Kalt Duschen für die Gesundheit?

Wie, der Januar war euch zu kalt? Ist halt so im Winter, na und? Ein bisschen Abhärtung hat schließlich noch keinem geschadet. Für alle, die daran Zweifel haben, geht’s hier zu den 5 top Gründen, warum es sich auch in dieser Jahreszeit nicht lohnt, Warmduscher zu sein.

Von: Susanne Wimmer

Stand: 28.11.2017

Fünf Gründe, warum es uncool ist, ein Warmduscher zu sein:

1. Wer regelmäßig kalt duscht, ist seltener krank!?

So das Ergebnis einer niederländischen Studie, an der über 3000 Probanden teilgenommen haben. Sie wurden dafür in vier Gruppen eingeteilt:

Kalt Duschen: Niederländische Studie mit 3000 Probanden.

Das erste Viertel mußte täglich 30 Sekunden lang kalt duschen, ein weiteres 60 Sekunden, die dritte Gruppe 90 Sekunden lang – das letzte Viertel durfte warm duschen. Das Ergebnis: Unter den Kalt-Duschern gab es rund ein Drittel weniger Krankmeldungen als unter den Warmduschern. Wobei es natürlich gut möglich ist, dass die Tester in Wirklichkeit nur die Zähne zusammengebissen haben.

Kalt duschen und weniger krank? Ob das Immunsystem dadurch gestärkt wird, ist noch nicht ganz klar.

Denn, ob kalt Duschen wirklich das Immunsystem trainiert, ist bis heute nicht eindeutig erwiesen. Forscher aus Jena konnten aber zeigen, dass regelmäßige kalte Güsse am Oberkörper die Immunabwehr ankurbeln können. Probanden hatten danach mehr Abwehrzellen im Blut als vorher. Auch Naturheilmediziner schwören seit langem auf die (kneippsche) Kältetherapie und haben damit viel gute Erfahrung gemacht.

2. Kalte Güsse machen widerstandsfähig

Richtig abhärten, Freunde. Kälteunempfindlich sein -  Wer von euch hat das eigentlich noch drauf? Wasserdoktor Kneipp, der Urvater der kalten Dusche,  war so tough, der sprang sogar krank in die Donau! Nein, das sollt ihr nicht nachmachen.

Winterbaden: Dann doch besser kalt duschen!

Aber grundsätzlich ist die Idee des Abhärtens nicht schlecht. Denn so trainiert ihr die Gefäße: Bei Kälte verengen sie sich, bei Wärme weiten sie sich wieder. Das kurbelt die Durchblutung an und macht nebenbei hellwach. Heutzutage haben wir leider kaum mehr Übung darin, weil unsere Wohnungen angenehm temperiert sind und funktionelle Kleidung uns nie frieren läßt.

Wechselfussbäder entspannen nebenbei auch noch.

Doch Widerstandsfähigkeit kann man trainieren, zum Beispiel mit Wechsel-Fußbädern. Am besten behutsam anfangen, erst warm, dann kalt - auf die Regelmäßigkeit kommt es an. Oder ihr probiert es mit Wassertreten, das funktioniert übrigens auch in der Badewanne. Schöner Nebeneffekt: Es entspannt und läßt euch abends wohlig schlafen. 

3. Kalt Duschen senkt den Stress-Level

Auch bei geistiger Ermüdung empfiehlt Kalt-Wasser-Guru Kneipp körperliche Abhärtung: Schneetreten, Waschungen oder Güsse sollen die seelische Widerstandskraft steigern.

Kalte Güsse helfen auch bei bei geistiger Ermüdung.

Denn mit kaltem Wasser stärkt ihr nicht nur die Gefäße, sondern auch eure Nerven. Genauer gesagt, ihr trainiert eine Verschiebung vom Sympathikus (dem Leistungsnerv) zum Parasympathikus, der für die Erholung des Körpers zuständig ist.

Wichtig bei allen kneippschen Anwendungen, egal ob Wechseldusche oder Armbäder: Zu Beginn muß der Körper warm sein. Hinterher Wasser einfach nur abtropfen und dann gleich was Warmes anziehen. Ist einen Versuch wert, oder? Vielleicht gelingt es euch ja dann auch, mit Stress gelassener umzugehen.

4. Kalt Duschen macht die Haut schön

Warmduscher müssen sich oft mit strohigen Haaren oder trockener Haut herumschlagen. Der Grund: Zu heiß Duschen entzieht Feuchtigkeit. Kaltes Wasser hat den gegenteiligen Effekt. Es läßt den natürlichen Schutzfilm der Haut intakt, denn es verschließt die Poren von Haut und Haaren. Damit beugt ihr Falten und Spliss vor.

5. Kalt Duschen macht schlank

Kältezittern verbraucht sportlich viele Kalorien.

Klingt verrückt, ist es aber nicht. Kältereize aktivieren im Körper braune Fettzellen. Die funktionieren wie ein Verbrennungsmotor: Sie produzieren Wärme und verbrauchen dafür Kalorien. Weiße Fettzellen dagegen halten überschüssige Energie im Körper. Bekannt auch als Hüftgold. Man müßte also weiße Fettzellen zu braunen machen können. Und, wow!

Australische Forscher haben es ausprobiert. Eine Viertel Stunde Kältezittern soll ähnlich effektiv gewesen sein wie eine Stunde gemäßigt Radfahren. Trotzdem, besser nicht nachmachen!

Wir bedanken uns bei den Stadtwerken München (insbesondere den Mitarbeitern im Bad Forstenrieder Park)

Tipps und fachliche Beratung:

Prof. Dr. med. Dieter Melchart
Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat)

Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Kaiserstr. 9
80801 München


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