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Krank durch Winterkälte Kälteurtikaria: Eine Allergie, die keine ist

Es ist Winter in Bayern! Für die meisten Menschen heißt es, trotz Kälte, raus an die frische Luft! Schlittschuhfahren, Eisstockschießen oder Skifahren – Wintersport tut einfach gut und macht Spaß! Doch für Menschen wie Martina Hofmann ist der Winter die schlimmste Jahreszeit überhaupt! An Wintersport ist nicht zu denken, selbst der Gang zum Supermarkt wird zur Qual. Die 63-Jährige leidet an der sogenannten „Kälteallergie“.

Von: Robert Grantner

Stand: 11.02.2019

"Das erste Mal gemerkt, dass da was nicht stimmt, habe ich letzten Herbst im Ostseeurlaub. Ich habe Muscheln gesammelt und bin barfuß durch das Wasser gestapft. Das war schon kalt, aber ich hatte da niemals Probleme zuvor. Doch dann kribbelte es plötzlich, wurde rot und juckte!"

Martina Hofmann, Krankenschwester

Kälteurtikaria: gefährliche Körperreaktion auf Kälte

Was hier noch relativ harmlos begann, sollte sie nur eine Woche später fast das Leben kosten! Wie jeden Morgen zieht sich die 63-Jährige zum Schwimmen an und geht zu ihrem kleinen Pool im Garten.

"Das Wasser hatte so circa 18 Grad, aber da ich seit Jahren jeden Morgen bei Wind und Wetter schwimme, hat mir das nicht viel ausgemacht."

Martina Hofmann, Krankenschwester

Nach einigen Minuten im kalten Wasser beginnt ihr Körper heftig zu reagieren. Als sie den Pool verlässt, hat sie überall einen roten Ausschlag.

"Ich habe auch Atemnot bekommen und richtiges Herzrasen. Das war schon heftig."

Martina Hofmann, Krankenschwester

Geistesgegenwärtig reagiert die gelernte Krankenschwester genau richtig: Weil sie gegen Bienenstiche allergisch ist, hat sie immer ein Notfallset zuhause. Sie spritzt sich das Adrenalin und alarmiert den Notarzt. Das rettet ihr das Leben.

Kälteurtikaria: eine Allergie, die keine ist

Prof. Franziska Rueff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie in München hat immer wieder Patienten mit ähnlichen Symptomen wie Frau Hofmann. Viele waren zuvor beim Hausarzt, der oft Schwierigkeiten mit der Diagnose hat. Die Krankheit ist sehr selten und unbekannt. Nur circa 50.000 Menschen leiden in Deutschland daran. Außerdem herrschen viele Missverständnisse, wie der Name „Kälteallergie“ zeigt.

"Es handelt sich hierbei um keine Allergie, sondern um eine Urtikaria-Erkrankung. Das bedeutet es gehört zu den chronischen Nesselfiebererkrankungen. Und bei der Kälteurtikaria, wie bei allen anderen Urtikaria-Erkrankungen auch, können wir den Patienten oft keine zu beseitigende Ursache anbieten, weil es die nicht gibt. Die Therapie erfolgt erst Mal symptomatisch."

  Prof. Dr. med. Franziska Rueff, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München 

Kälteurtikaria: Warum keine Allergie?

Eine Allergie beruht auf der Bildung von Antikörpern gegen ein Allergen. Ein Allergen ist eine an sich harmlose Substanz aus unserer Umwelt, gelegentlich auch ein im Körper vorhandener Stoff. Bei Kontakt des Antikörpers mit dem Allergen entsteht dann die allergische Reaktion. Da gegen Kälte keine Antikörper gebildet werden können, kann es auch keine Kälteallergie geben.

Kälteurtikaria: Eine Nesselsuchterkrankung

Kälteurtikaria: Eine Allergie, die keine ist.

Bei Nesselsuchterkrankungen wird die Haut plötzlich rot, es beginnt zu jucken und zu brennen. Ausgelöst wird diese Reaktion in den sogenannten Mastzellen, die in unserer Haut sitzen. Dort wird der Botenstoff Histamin freigesetzt. Der verursacht, dass die Hautzellen durchlässiger werden. Wasser tritt aus den Zellen und sammelt sich als Ödem auf der Hautoberfläche an. Da die Zellen auch durchsichtiger werden, erscheint die Haut rötlich. Auslöser sind zum Beispiel Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln, Medikamente oder in seltenen Fällen eben – Kälte!

Die Kälteurtikaria ist eine der häufigeren Formen der Physikalischen Urtikaria. Sie wird in den  meisten Fällen erworben, das heißt, sie entwickelt sich im Laufe des Lebens. Und genau so plötzlich kann sie auch wieder verschwinden. Im Durchschnitt leiden die Patienten fünf bis sieben Jahre unter einer Kälteurtikaria.


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