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Intervallfasten Abnehmen mit dem Ernährungstrend?

Erfolgreich abnehmen und gleichzeitig das Risiko für chronische Erkrankungen senken – das verspricht der Ernährungstrend Intervallfasten: Aber bringen regelmäßige Hungerphasen wirklich so viel? Und kann man das durchhalten?

Von: Veronika Keller

Stand: 19.03.2018

Iris will abnehmen, aber ihr Job in der Bäckerei macht das nicht gerade leicht. Ständig ist sie von schmackhaftem Gebäck umgeben, dabei sollte sie eigentlich Kalorien sparen, schließlich möchte sie runter von ihren knapp 90 Kilo.

Ernährungstrend in sozialen Medien

In letzter Zeit ist ihr immer wieder der Ernährungstrend „Intermittierendes Fasten“ oder „Intervallfasten“ begegnet, von dem in den sozialen Medien oft die Rede ist. Menschen tauschen sich aus über ihre Erfahrungen mit regelmäßigen Fastenphasen, die sie in ihren Alltag einbauen. Das klingt oft äußerst positiv: Man könne damit schnell Fett verlieren und sich vor chronischen Erkrankungen schützen.

"Es klingt alles super, ich bin wirklich gespannt ob man dabei auch abnimmt. Und ob ich das dann durchhalte? Mal schauen."

Iris Diker, testet den Trend Intervallfasten

Beim Intervallfasten gibt es drei Varianten:

  • Die 5:2-Methode. Pro Woche legt man zwei Fastentage ein, die nicht aufeinanderfolgen sollen. An den anderen fünf Tagen isst man ganz normal.
  • Intensiver ist das Alternate Day Fasting. Auf einen Fastentag folgt ein normaler Esstag. Dann wieder einen Tag fasten, dann wieder essen, und so weiter.
  • Etwas entschärft: Die 16:8-Methode. Jeden Tag wird 16 Stunden lang auf Nahrung verzichtet. In den verbleibenden acht Stunden des Tages darf man zuschlagen.

Intervallfasten mit der 16:8-Methode

Iris will es ausprobieren. Für sie klingt die 16:8-Variante realistisch. Wenn sie vor 20 Uhr zu Abend isst, darf sie am nächsten Tag um 12 Uhr mittags wieder etwas zu sich nehmen. Das klingt machbar für sie.

Damit sie nichts falsch macht, holt sie sich Rat bei Ernährungsmediziner Dr. Gert Bischoff. Vom Intervallfasten hört auch er immer öfter. Er vermutet: Es ist in, weil es unkompliziert ist.

"Es funktioniert deshalb ganz gut, weil es wahrscheinlich für viele einfacher ist komplett auf etwas zu verzichten als immer gut auf die Ernährung zu achten. Erfahrungsgemäß ist für die Menschen schwarz-weiß einfacher als grau."

Dr.med. Gert Bischoff, Ernährungsmediziner, München

Viel trinken, viele Vitamine und Mineralstoffe

Wichtig beim Intervallfasten: viel trinken

Dr. Bischoff rät, in den Fastenphasen viel zu trinken und in den Essphasen auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen zu achten. Besonders wichtig beim Intervallfasten ist, dass man in den „Essphasen“ nicht plötzlich viel zu viel isst. Die eingesparten Kalorien aus den Fastenphasen könnten sonst schnell wieder zunichte gemacht sein. Eine universelle Wunderdiät ist das Intervallfasten für ihn nicht.

"Im Grunde ist es immer eine Frage der Kalorienbilanz, die man am Tag hat: Schaffe ich es, mehr zu verbrauchen, als ich zu mir nehme? Erfahrungsgemäß, wenn man solche Extreme ausprobiert, fällt man irgendwann wieder in seine Alltagsmuster zurück."

Dr. med. Gert Bischoff, Ernährungsmediziner, München

Zwei Fastentage pro Woche

Simone Sedler hat sich längst an die Fastenphasen gewöhnt. Sie lebt seit eineinhalb Jahren nach der 5:2-Methode, legt also pro Woche zwei Fastentage ein.

"Für mich sind die eigentlich schon normal. Weil Montag und Donnerstag sind meine Fastentage und allein schon in der Früh, wenn ich aufstehe, weiß mein Körper, heute ist Fastentag, heute bekomme ich wenig."

Simone Sedler, hat mit Intervallfasten stark abgenommen

An den Fastentagen wird bei ihrer Diät nicht komplett auf Nahrung verzichtet, sondern man reduziert die Kalorienzufuhr stark. Um den Überblick zu behalten, nutzt Simone eine App. Frauen sollten an Fastentagen nicht über 500 Kilokalorien kommen, Männer nicht über 600. Mit der 5:2-Methode hat sie 27 Kilogramm abgenommen und ihr erhöhter Blutdruck ist deutlich runtergegangen.

Intervallfasten: Folgen für die Gesundheit

Im Labor: Forschung zum Intervallfasten

Zu den gesundheitlichen Folgen des Intervallfastens forscht Prof. Stephan Herzig am Helmholtz Zentrum München. Was man weiß: Bei Stoffwechselprozessen entstehen Abfallprodukte, die der Körper entsorgen muss.

"Wenn man hungert, dann scheint es dazu zu kommen, dass eben diese Abfallprodukte besonders gut entsorgt werden, sodass dann die einzelne Körperzelle in den einzelnen Organen wieder besser funktioniert und sich nicht belasten muss mit Abfallprodukten."

Prof. Dr. rer. nat. Stephan Herzig, Stoffwechselbiologe, Helmholtz Zentrum München

Mit Leberzellen, die sein Team im Labor züchtet, erforscht er, welchen Einfluss Hungerphasen auf chronische Erkrankungen wie Diabetes haben. Das Ergebnis: Intervallfasten kann sich zur Prävention eignen.

Hungerphasen und chronische Krankheiten

"Man kann seinen Blutdruck senken, man kann Gewicht verlieren, man kann die Insulinsensitivität verbessern, man kann abnehmen und auch Entzündungen vermeiden. Und das hat offensichtlich positive Auswirkungen auf das Risiko einen Tumor zu bekommen. Und das hat positive Auswirkungen auf Diabetes, man kann das Diabetesrisiko senken."

Prof. Dr. rer. nat. Stephan Herzig, Stoffwechselbiologe, Helmholtz Zentrum München

In zwei Wochen zwei Kilo abgenommen

Iris fällt das Einhalten der 16-stündigen Fastenphasen relativ leicht. Die meiste Disziplin muss sie aufbringen, wenn sie sich bei ihrer Arbeit das Gebäck verkneift. Auch abends auf dem Sofa, wo sie normalerweise nach 20 Uhr gerne nascht, wird es hart.

"Ich empfinde es abends netter, wenn da eine Tafel Schokolade auf dem Tisch liegt oder wenn man gemütlich ein Glas Rotwein trinkt. Das fehlt mir dann schon."

Iris Diker, testet den Trend Intervallfasten

Zwei Wochen hat Iris durchgehalten, ohne schwach zu werden und hat dabei zwei Kilo abgenommen. Ihr Fazit:

"Für mich war wahnsinnig schön zu sehen, dass sich beim Gewicht etwas tut. Und dass es im Endeffekt doch nicht so schwer ist, das Fasten einzuhalten."

Iris Diker, testet den Trend Intervallfasten


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