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Internetportale für Patienten im Check So verstehen Patienten ihre Befunde

Krankheiten oder Symptome von Krankheiten googlen? Das hat wahrscheinlich jeder schon gemacht. Doch seriöse und hilfreiche Informationen zu finden, ist gar nicht so einfach. Oft landet man in Foren, die vom Schlimmsten ausgehen. Wir verraten, welchen Online-Portalen Sie vertrauen können.

Von: Antonia Böhm, Isabel Hertweck-Stücken

Stand: 14.11.2017

Eine Patientin beim Internisten. Sie hat Darmbeschwerden. Der Arzt erklärt ihr den Befund mit folgenden Worten:

"…einen gewissen Verdacht auf psychovegetative Dysregulation, einen guten AZ, HF 84, Cor o.B., und was Ihre Pulmo betrifft: beidseitig belüftet, sonorer KS und da würde ich Ihnen gerne verschreiben: Laxantien, Da werden Sie auch bald keine Beschwerden mehr haben…"

Arzt

Geweberheuma: Welche Medikamente helfen?

Die Patientin ist ratlos. Sie versteht nichts. Auch Manuela Minholz ging es so. Sie leidet seit Jahren an Geweberheuma. Kommt ein Schub, fangen ihre Hände an zu schmerzen, die Finger sind entzündet, manchmal kann sie sie kaum bewegen. Ohne Medikamente würde sie die Schmerzen nicht aushalten.

Eine Gewebeprobe soll klären, welche Art von Rheuma sie genau hat und welche Medikamente am besten wirken. Der Befund liegt ihr zwar vor, doch sie versteht nichts.  

"Die vorliegende Biopsie zeigt ein lokalisationstypisches Epidermisband mit kompakter Hyperorthekeratose, Hypergranulose sowie Akantose. Das verstehe ich ja überhaupt nicht."

Manuela Minholz, Patientin

Mehr Verwirrung als Erklärung: Doktor Google hilft oft nicht weiter

In ihrer Verzweiflung hofft sie auf Hilfe aus dem Internet. Sie googelt die einzelnen Fachbegriffe, recherchiert auf verschiedenen Gesundheitsseiten, versucht, sich über Leser-Foren und Blogs schlau zu machen. Am Ende ist sie total verunsichert.

"Wenn man Symptome eingibt, findet man im Internet oft Foren dazu. Viele Leute schreiben da einfach irgendetwas rein, schildern Horrorszenarien oder schreiben etwas, was überhaupt nichts mit den Symptomen zu tun hat. Das verwirrt einen mehr, als dass es einen aufklärt."

Manuela Minholz, Patientin

Seriöse Informationen erkennen

Der Gesundheitsladen München ist eine unabhängige Patientenberatungsstelle. Leiter Peter Friemelt warnt immer wieder vor unseriösen Informationen aus dem Netz.

"Ich würde in jedem Fall Vorsicht walten lassen, wenn sie etwas zahlen müssen für die Informationen. Also wenn sofort Paypal oder ähnliches eingeblendet wird und sie zu einer Zahlung aufgefordert werden. Ich wäre auch vorsichtig, wenn Werbungen geschaltet sind. Generell sollten Sie vorsichtig sein, wenn es einzelne Anbieter sind, Pharmafirmen, die natürlich ein Interesse daran haben, ihr eigenes Produkt zu bewerben."

Peter Friemelt, Patientenberater

Ärztelatein-Übersetzer: www.washabich.de

Lisa Pechtold und Janik Karl studieren beide Medizin in München. In ihrer knappen Freizeit arbeiten sie ehrenamtlich für das Internetportal: washabich.de. Dort können Patienten sich kostenlos Laborbefunde, Entlassungsbriefe oder die Ergebnisse von Röntgen-oder CT-Untersuchungen übersetzen lassen.

"Der Hausarzt hat vielleicht fünf Minuten Zeit, um dem Patienten alles zu erklären. Das ist nicht genug. Unsere Seite erklärt das dem Patienten gut und verständlich."

Janik Karl, Medizinstudent und Mitarbeiter von www.washabich.de

Studenten und Ärzte übersetzen

Bis zu sechs Stunden dauert es, einen medizinischen Befund in verständliches Deutsch zu übersetzen. Dabei werden die Studenten bei Bedarf von erfahrenen Ärzten unterstützt.

"Ich mache das vor allem, weil es mir in erster Linie Spaß macht. Das mag vielleicht ein bisschen komisch klingen, sich da stundenlang an so einen Befund hinzusetzen und quasi Lexikon zu spielen. Aber man hat für sich selber was gelernt, man hat jemand anderem geholfen, und das ist einfach eine schöne Kombi."

Lisa Pechtold, Medizinstudentin und Mitarbeiterin von www.washabich.de

An Patienten-Anfragen fehlt es dem Portal nicht. Deshalb sucht die Seite immer nach weiteren Mitarbeitern. Medizinstudenten dürfen allerdings erst ab dem achten Semester mitmachen.

Anonyme Angaben

Auch Manuela Minholz stößt schließlich auf washabich.de. Sie kann ihren Befund faxen, einscannen oder direkt auf der Internetseite eingeben. Alles läuft anonym, nur Geburtsjahr, Geschlecht und eine Emailadresse muss die 43-Jährige angeben.

Diese Daten sind alles, was die Medizinstudenten von hilfesuchenden Patienten erfahren. Was sie nicht leisten können, und auch nicht dürfen: die erhaltenen Befunde irgendwie bewerten oder neue Therapieempfehlungen geben.

Von Experten empfohlen

Doch wie sinnvoll sind solche Internetportale? Für Stiftung Warentest haben unabhängige Ärzte unter anderem „washabich.de“ unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Übersetzungen waren von „empfehlenswerter Qualität“ und ein „nützliches Angebot“ für den Patienten. Allerdings mussten die Tester bis zu 25 Tage auf die Antwort warten.

Manuela Minholzs Befund wurde innerhalb von fünf Tagen übersetzt. Sie ist zufrieden.

"Also endlich habe ich diese schwierigen Wörter verstanden und was sich so schlimm angehört hat, ist gar nicht so schlimm und jetzt kann ich mir auch drunter was vorstellen und bin auch total erleichtert."

Manuela Minholz, Patientin

Nützliche Seiten

Auch andere Internetseiten werden von Stiftung Warentest und dem Gesundheitsladen empfohlen:

www.gesundheitsinformation.de

www.patienten-information.de

www.patienten-universität.de

www.weisse-liste.de

www.igel-monitor.de

Bei „frag-den-professor.de“ beantworten Medizin-Professoren die häufigsten Fragen der Patienten.

Seriöse Informationen sind eine gute Grundlage für das Arztgespräch. Ein gut informierter und mündiger Patient sollte gezielt Fragen stellen und sich dann gemeinsam mit dem Arzt für eine Therapie entscheiden.


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