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Corona, Impfen Corona-Impfung: Das müssen Sie wissen

Wie und wo kann ich mich für eine Impfung im Corona-Impfzentrum anmelden? Bin ich schon berechtigt, geimpft zu werden? Und ist es sinnvoll, sich impfen zu lassen, wenn man bereits an Corona erkrankt war? Alles, was es zu beachten gibt, wenn man sich für eine Corona-Impfung anmelden möchte, erfahren Sie hier.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 18.01.2021 20:10 Uhr

Es gibt derzeit 99 Corona-Impfzentren in Bayern, zuständig sind die Landkreise oder die kreisfreien Städte. Impfen lassen kann man sich in dem Landkreis, in dem man wohnt.

Beispiel: Das Ehepaar Schlosser aus dem Landkreis Augsburg. Helga Schlosser ist 81 Jahre alt, sie wird wie alle Über-80-Jährigen in Bayern per Brief vom Landratsamt angeschrieben und über die Impfung informiert. Unter einer dort angegebenen Telefonnummer kann sie sich anmelden.

Doch noch hat sie ihren Brief nicht bekommen. Sie wartet täglich mit Spannung darauf.

"In unserem Alter ist das nicht einfach, wenn man Corona kriegt. Und ich bin schon etwas vorgeschädigt. Also warten wir jetzt auf die Impfung. Und ich freue mich auch, wenn es jetzt losgeht."

Helga Schlosser

Prioritätsstufe 1 ist mit Impfen dran

Doch der Corona-Impfstoff ist knapp, deswegen gibt es drei Prioritätsstufen. Derzeit ist Stufe 1 dran: Das sind Ärzte, Pflegekräfte, Menschen, die in Altenheimen wohnen oder älter sind als 80 Jahre. Nur diese Personen sind derzeit berechtigt, geimpft zu werden.

Anmeldung in den Impfzentren

Manche Impfzentren bieten die Anmeldung oder Vorregistrierung direkt auf ihrer Webseite oder per E-Mail an. Auch telefonisch kann man sich direkt beim zuständigen Impfzentrum anmelden. Oder: Unter der Rufnummer 116 117 wird der Anrufer direkt zum zuständigen Impfzentrum verbunden.

Das Problem: Viele Impfzentren können wegen des Lieferengpasses noch keine Termine vergeben oder müssen diese verschieben. Die Hotlines sind zudem oft überlastet –  auch weil Menschen anrufen, die noch gar nicht mit Impfen dran sind.

Online-Anmeldung bereitet älteren Menschen Probleme

Für diese Menschen ist das Portal impfzentren.bayern gedacht: Hier können sich alle bayerischen Impfwilligen online registrieren und ihre Gesundheitsdaten eingeben, etwa ob man an Vorerkrankungen wie Diabetes oder Übergewicht leidet. Anhand der Daten wird der Benutzer automatisch einer Prioritätsstufe und dem zuständigen Impfzentrum zugewiesen. Sobald eine Terminauswahl möglich ist, wird der Nutzer per SMS oder E-Mail kontaktiert.

Auch Helga Schlossers Ehemann Bernhard versucht sich über dieses Portal anzumelden. Er ist 79, zählt also nicht zur höchsten Prioritätsstufe und muss sich selbst um einen Termin kümmern. Mit dem Internet ist Schlosser, wie viele in seiner Altersgruppe, allerdings wenig vertraut. Er fühle sich überfordert, meint Bernhard Schlosser. Doch er kämpft sich durch – und nach einigen Versuchen meldet er sich erfolgreich mit einer Mail-Adresse an. Die anschließende Eingabe seiner Gesundheitsdaten bereitet ihm Probleme, letztlich gelingt ihm aber auch das. Jetzt heißt es für ihn warten, bis er berechtigt ist, einen Termin auszumachen.

Welche Unterlagen sind am Impftermin notwendig?

Die Impfung in den Corona-Impfzentren ist kostenlos. Zum Impftermin muss jeder seinen Personalausweis oder Reisepass mitbringen, auch der Impfausweis kann, falls vorhanden, mitgebracht werden. Je nach Patient und Krankengeschichte sollte auch der Herzpass, Diabetikerausweis, eine Medikamentenliste und ein Allergiepass vorgezeigt werden.
Wichtig sind auch das Anamneseblatt und ein Aufklärungsbogen, die ausgefüllt und unterschrieben werden müssen.

Corona-Test bislang nicht vorgeschrieben

Ein vorheriger Coronatest ist laut Bayerischen Gesundheitsministerium beim Impfstoff von Biontech nicht nötig. Zu den Impfstoffen von Moderna und AstraZeneca liegen noch keine Informationen vor. Bevor man aber ins Impfzentrum eingelassen wird, wird standardmäßig abgefragt, ob man Beschwerden wie Husten oder Fieber hat und ob man in jüngster Zeit Kontakt zu jemandem hatte, der positiv auf Corona getestet wurde.

So läuft der Impftermin ab

Nach der Anmeldung heißt es meistens noch kurz warten, dann geht es zum ärztlichen Gespräch. Hier werden alle Fragen rund um die Impfung beantwortet. Der Arzt oder die Ärztin klärt zudem ab, ob derzeit gesundheitliche Probleme bestehen und ob die Impfung ausgeführt werden kann. Nach der Unterzeichnung einer Einwilligungserklärung kann dann geimpft werden.

Medizinisches Fachpersonal spritzt den Impfstoff in den zuvor desinfizierten Oberarmmuskel. Danach muss der oder die Geimpfte noch für zehn bis 30 Minuten in den Beobachtungsraum, um bei eventuellen Impfreaktionen oder allergischen Reaktionen eingreifen zu können.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Wie bei jeder Impfung oder der Gabe von Medikamenten kann es zu Nebenwirkungen oder Impfreaktionen kommen. In den Zulassungsstudien des Biontech-Impfstoffs haben sich folgende Impfreaktionen gezeigt: Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Kopf- und Gelenkschmerzen, auch leichtes Fieber, Schüttelfrost oder Übelkeit können auftreten. Diese Reaktionen sollen laut Bayerischen Gesundheitsministerium aber nur mild oder mäßig ausgeprägt sein und nach ein bis zwei Tagen abklingen.

Zweiter Impftermin nötig

Die Corona-Impfung wird mit einer Impfbescheinigung dokumentiert. Es muss direkt vor Ort aber noch ein weiterer Impftermin ausgemacht werden: Denn nach 21 Tagen ist beim Biontech-Impfstoff eine zweite Impfung notwendig.

"Weil so eine Immunantwort erst so richtig ausgeprägt ist, wenn man das Immunsystem noch mal triggert. Erst dann haben Sie die volle Immunantwort, die dann auch zu der relativ hohen Wirksamkeit von 95 Prozent führt."

Dr. med. Florian Fischer, leitender Notarzt des Landkreises Dachau, Impfzentrum Dachau

Gelten die Infektionsschutzregeln auch nach der Impfung?

Die Impfung ist kein Freifahrtschein: Jeder Geimpfte muss sich weiterhin an die geltenden Regeln wie Abstand halten oder Masken tragen halten. Denn: Noch ist unbekannt, wie lange der Impfschutz anhält – und ob trotz Impfung das Virus noch an andere ungeimpfte Menschen weitergegeben wird.

Kann ich mich impfen lassen, obwohl ich schon mal Corona hatte?

Nach derzeitigem Forschungsstand sollte man sich nicht impfen lassen, wenn man schon mal mit dem Coronavirus infiziert war.

Zumindest gelte das für die jetzige Corona-Variante.


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