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Therapiehunde Therapeuten auf vier Pfoten

Sie sind verspielt und verschmust - doch Hunde können mehr leisten. In der Psychotherapie helfen sie Patienten ihre Stärken wiederzufinden. "Gesundheit!"-Reporter Fero Andersen lernt die vierbeinigen Therapeuten kennen und erfährt, was sie alles bewirken können.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 16.04.2018

Therapiehunde | Bild: Screenshot BR

In den Kliniken des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen und Peißenberg werden Therapiehunde zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt. Bereits im Patienteneinsatz sind: Ferrusco, Amira und Yes (alle sieben Jahre alt) und die elf Jahre alte Bailey. Um die vierbeinigen Therapeuten kümmern sich Christine Fischbach und Veronika Seitz.

"Hunde haben einen hohen Aufforderungscharakter, was die Kontaktaufnahme und Zuwendung betrifft, und können so zum Beispiel depressive Patienten gut aus dem Schneckenhaus holen."

Christine Fischbach, Ärztin und Therapiehundeführerin, Peißenberg

Ausbildung zum Therapiehund dauert zwei Jahre

Eignen sich manche Hunderassen denn besser als andere?

"Prinzipiell eignet sich jede Rasse von Hunden. Wir haben jetzt hier drei Gebrauchshunde. Das ist der deutsche Schäferhund Baily. Yes und die Hovawarthündin Amira sind die Gebrauchshunde, die sehr aktiv sind und Aufforderungscharakter haben."

Viktoria Seitz, Dipl.-Psychologin und Therapiehundeführerin, Garmisch-Partenkirchen

Alle durchlaufen eine zweijährige Ausbildung zum Therapiehund. Der belgische Schäferhund Kellan wird gerade zum Thema Geräusche geschult. Da die Hunde sich oft im Krankenhaus aufhalten, müssen sie sich zum Beispiel an Krücken oder Rollatoren gewöhnen. Wie bringt man das einem Hund bei?

"Man übt das natürlich viel. Man lässt die Krücken zum Beispiel oft fallen und verknüpft das Geräusch mit etwas Positivem."

Viktoria Seitz, Dipl.-Psychologin und Therapiehundeführerin, Garmisch-Partenkirchen

Therapiehunde helfen bei Depression

Reporter Fero Andersen sitzt im Rollstuhl und hat Zwergdackeldame Zilly auf dem Schoß.

Auch Zwergdackeldame Zilly will Therapiehund werden. Beim Rollstuhleinsatz muss sie allerdings aufpassen, dass sie nicht unter die Räder kommt. Also rauf auf den Schoß. So kommen auch Zillys Schmusequalitäten zur Geltung – ebenfalls ein wichtiger therapeutischer Aspekt.

Mit Yes und Ferrusco geht es als nächstes in die Therapiestunde. Im Patientengarten wartet schon die ehemalige Krankenschwester Sabine. Sie leidet wegen Mobbing an einer chronischen Depression.

"Ich hatte eine belgische Schäferhündin. Sie war immer für mich da, wenn es mir schlecht ging und auch, wenn es gut ging. Sie war ein toller Therapiehund für mich. Man kann zusammen Spaß haben und muss dann auch lachen."

Sabine, ehemalige Krankenschwester

Patienten bringen Hunden Kunststücke bei

Seit 2014 sind die Hunde hier ein Teil der Einzel- und Gruppentherapie. Die Patienten lernen beispielsweise, den Hund zu motivieren und ihm Kunststücke beizubringen. Das gelingt natürlich nur mit Leckerlis. Aber auch Nähe ist wichtig.

"Die Therapiehunde sind auch Lebewesen und sie sind für uns Therapeuten oft gute Indikatoren, um zu sehen, wie geht der Patient mit einem anderen Lebewesen um."

Viktoria Seitz, Dipl.-Psychologin und Therapiehundeführerin, Garmisch-Partenkirchen

Der Chefarzt der Klinik unterstützt die tiergestützte Therapie.

"Die vierbeinigen Therapeuten stellen oft eine gute Brücke dar. Man kann erst mal, wenn man viel Misstrauen hat, dem Hund vertrauen und dieses Vertrauen breitet sich auf den Ko-Therapeuten oder auf das Frauchen aus. Dann geht das über auf unser Team und auf die Klinik, sodass wir dann in den klassischen Therapieverfahren gut zum Zug kommen."

PD Dr. med. Florian Seemüller, kbo-Lech-Mangfall-Klinik, Garmisch-Partenkirchen

Patienten lernen, Nein zu sagen

Therapiehund Amira

Therapiehund Amira hat gelernt, dass ihr Einsatz gefordert ist, sobald ihr das Geschirr umgelegt wird. Für die Hündin ist Käse ein besonderer Leckerbissen. Umso schwieriger wird es für die Patientinnen, da Nein zu sagen. Doch das ist jetzt wichtig.

"Thema ist jetzt: Recht durchsetzen, Nein sagen. Viele Patienten haben Schwierigkeiten damit und diese Übung hilft ihnen dabei, weil sie den Hund mit ihrer Körperhaltung und ihrer Stimme vom Fressen des Käses abhalten sollen."

Christine Fischbach, Ärztin und Therapiehundeführerin, Peißenberg

"Ich habe für mich immer Schwierigkeit, dass ich sage NEIN. Ich bin eher der Typ, der JA sagt. Und dann kommt man in so einen Strudel rein, wenn man nie NEIN sagt. Und von daher bringt mir das wahnsinnig viel."

Barbara, Patientin 

Agility-Training

In Garmisch-Partenkirchen gibt es auch ein ganz neues Angebot: Agility-Training.

"Bewegen ist ein großer Faktor in der Therapie. Es bringt einen wieder raus aus diesem ganzen Gedankenkarussell und es ist ein hoher Aufforderungscharakter der Hunde, dieses Agility zusammen mit den Patienten zu machen. Es geht für die Patienten darum, die Ziele, die sie sich selber stecken, erreichen zu können. Und hier haben sie sofort eine positive Rückmeldung."

Viktoria Seitz, Dipl.-Psychologin und Therapiehundeführerin, Garmisch-Partenkirchen

"Also eines steht fest: An meine menschlichen und tierischen Mitstreiter der heutigen Sendung werde ich mich noch eine ganze Weile erinnern. Und ich nehme mit: Tiergestützte Therapie macht nicht nur sehr viel Spaß, sie hilft vor allem auch den Menschen."

Fero Andersen, Reporter


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