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HPV-Impfung HPV-Impfung jetzt auch für Jungen

Vor 12 Jahren war sie bei uns neu, jetzt macht die Impfung gegen HPV, Humane Papillomviren, wieder Schlagzeilen. Seit neuestem empfiehlt die Ständige Impfkommission nicht wie bisher nur Mädchen, sondern auch Jungen gegen die meist durch Geschlechtsverkehr übertragenen Viren zu impfen.

Von: Veronika Keller

Stand: 16.07.2018

Familie Kronschnabl aus Kaufbeuren hat davon gehört. Ihre Jungs Korbinian und Konstantin sind zehn und zwölf. Vater Oliver und Mutter Isabell machen sich Gedanken, ob sie die beiden impfen lassen sollten - auch wenn die Herzen der Jungs momentan noch vor allem für Fußball schlagen.

"Klar ist es im Moment kein Thema, und für die Jungs ist es eher ein peinliches Thema. Aber für mich als Mama ist es wichtig zu wissen, dass sie geschützt sind, dass sie sich nicht anstecken können und dass sie nicht Überträger sein können für so eine Infektion für die Mädels, die kommen werden. Dass dann eben alles sicher ist."

Isabell Kronschnabl

HPV-Impfung für Jungen: positives Echo der Ärzte

HPV-Impfung für Jungen: Der Kinderarzt gibt Auskunft.

Bei ihrem Kinderarzt Dr. Volkmar Reschke holt sich Familie Kronschnabl Rat. Die Impfung sollte vor dem ersten Sexualkontakt gemacht werden, am besten zwischen neun und vierzehn Jahren. Bisher galt die Impfempfehlung nur für Mädchen, doch Dr. Reschke begrüßt die Erweiterung durch die Ständige Impfkommission auf Jungen.

"Aus der Praxis heraus kann ich sagen, dass wir eine Impfverträglichkeit haben, die sehr gut ist und die auch in Studien und von meinen Kollegen bestätigt ist. Ich denke, Geschlechter sollten gleichbehandelt werden. Und auch aus diesem Gleichheitsgrundsatz finde ich es wichtig, dass die Jungs auch geimpft werden."

Dr. med. Volkmar Reschke, Kinderarzt, Kaufbeuren

HPV-Impfung: Schutz vor Krebserkrankungen  

HP-Virus: Auch bei Männern kann das HP-Virus Krebserkrankungen verursachen.

HPV kann Krebserkrankungen auslösen, die in 90 Prozent der Fälle Frauen betreffen, denn meist handelt es sich um Gebärmutterhalskrebs. Weltweit erkranken daran jedes Jahr etwa 500.000 Frauen, 250.000 sterben daran.

"Dabei muss man bedenken, dass der Gebärmutterhalskrebs eine Erkrankung der eher jüngeren Frauen ist. Es ist eben kein Alterskrebs, sondern das sind die 40- bis 50-jährigen Frauen, die betroffen sind. Und häufig Frauen, die sogar noch nicht einmal die Familienplanung begonnen haben."

Prof. Dr. med. Christian Dannecker, Gynäkologe, Uniklinikum München Großhadern

Der 36-jährigen Nina Solanski wurde wegen der Erkrankung vor kurzem ein Tumor entfernt, nun kann sie keine Kinder mehr bekommen. Mit einer hohen Impfrate gegen die Humanen Papillomviren könnte man solche Krebserkrankungen verhindern. Doch obwohl die Impfung in Deutschland für Mädchen kostenlos ist, sind nur 45 Prozent der 17-Jährigen geimpft.

"Jetzt, wo ich mich mit dem Thema beschäftige, muss ich sagen, ist es sehr schade. Ich bin der Meinung dass man das machen sollte. Ich habe auch meine Schwestern angesprochen, habe ihnen gesagt, sie sollen das auf jeden Fall bei ihren Kindern machen, weil soweit ich weiß, gibt es da jetzt keine Riesennachteile oder Nebenwirkungen, sondern eigentlich nur Vorteile."

Nina Solanski, Patientin

HPV: Auslöser für Krebserkrankungen auch bei Männern

Auch bei Männern kann HPV Krebserkrankungen auslösen: seltenere Formen wie Analkarzinome, Hals-Kopf-Krebs oder Peniskarzinome. Auch die zwar nicht bedrohlichen, aber äußerst unangenehmen Genitalwarzen sind meist auf eine HPV-Infektion zurückzuführen und können auch Männer betreffen.

HPV-Impfung für Jungen: Schutz vor möglichen Krebserkrankungen

HPV-Impfung: Inzwischen wird die HPV-Impfung auch für Jungen empfohlen.

Wenn Konstantin Kronschnabl und sein Bruder Korbinian groß sind, könnten sie also nicht nur den Erreger weitergeben, sondern selbst auch erkranken. Um das zu verhindern, ertragen sie beim Kinderarzt Dr. Reschke den kleinen Piks. In ein paar Monaten wird eine zweite Impfung nötig sein, dann erst sind sie geschützt. Die Impfung kostet etwa 400 Euro. Bisher wird sie bei Jungen nur von wenigen Krankenkassen erstattet. Der gemeinsame Bundesausschuss wird nun entscheiden, ob sich das bald ändert.


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