BR Fernsehen - Gesundheit!


5

Honig Wie gut ist seine antibakterielle Wirkung?

Kratzen im Hals, Erkältung im Anflug - viele setzen auf Tee mit Honig. Kann das Naturprodukt Medikamente schlagen? Und wofür wird Honig in Kliniken eingesetzt?

Author: Stefanie Waldschmidt

Published at: 21-11-2022

Honig - wird seit Jahrtausenden als wirksames Heilmittel geschätzt. Bereits im Alten Ägypten nutzten die Menschen Honig als Heilmittel gegen Husten oder Wunden. Und auch im ersten und zweiten Weltkrieg wurden Verwundete mit Umschlägen mit Honig behandelt.

Die Anwendungsgebiete – wogegen kann Honig helfen?

Nina Spiegel aus Bad Dürrheim ist Hobby-Imkerin. Vor vier Jahren hat sie mit ihren Bienenvölkern angefangen. Damit die Imkerin auch in der nächsten Saison genug Honig hat, brauchen die Tiere genug Futter für die Einwinterung.

"Ich bin an die Bienen gekommen, weil ich immer sehr viele Bienenprodukte gekauft habe und meine Cremes und Salben und alles selber gemacht habe und dann habe ich angefangen selber Bienen zu halten ich habe mich tierisch in diese Tiere verliebt."

- Nina Spiegel, Hobby-Imkerin und Influencerin, Bad Dürrheim

Seit zwei Jahren betreibt Nina Spiegel einen Instagram-Kanal zu Honig und seinen vielseitigen Einsatzgebieten im Alltag. Dafür produziert sie regelmäßig kleine Videos. Auch bei Erkältungen und Husten schwört sie auf Honig. Die Imkerin wendet Honig aber auch auf der Haut an. Er ist ein entscheidender Inhaltstoff in ihren Salben, die sie selbst herstellt.

"Der Honig hat bei uns gerade in der Familie häufig bei Wundheilung sehr gut geholfen, insbesondere nach Verbrennungen und eben bei aufgeplatzten Lippen."

- Nina Spiegel, Hobby-Imkerin und Influencerin, Bad Dürrheim

Wie medizinisch sinnvoll sind Honigprodukte?

Hermann Glaser arbeitet in der onkologischen Abteilung der Filderklinik in der Nähe von Stuttgart. Hier behandeln die Pfleger schwer heilende Wunden von Krebspatienten unterstützend zu schulmedizinischen Therapien mit medizinischem Manuka-Honig.

"Der Honig hat eben diese verschiedenen Eigenschaften, dass er zum einen eben die Bakterien reduziert, weil er sie über den Zuckergehalt zum Beispiel austrocknet.Der Honig hat verschiedene Inhaltsstoffe, die direkt die Bakterien angreifen."

- Hermann Glaser, Pfleger, Filderklinik bei Stuttgart

Honig bekämpft aber nicht nur die Bakterien in Wunden, sondern er reguliert auch die Feuchtigkeit. Er besteht zu 80% aus Zucker und zu circa 17 % aus Wasser. Es sind die restlichen 3%, die den Honig so einzigartig machen: Vitamine, Enzyme, Mineralien und Pflanzenfarbstoffe - insgesamt stecken im Honig rund 180 verschiedene Inhaltstoffe.

Die Produkte, die in der Filderklinik verwendet werden, enthalten den sogenannten Manuka-Honig. Er kommt aus Neuseeland. Dort sammeln ihn Bienen an wildwachsenden Manuka-Teebäumen. Er enthält besonders viel Methylglyoxal - abgekürzt: MGO. Forschende der TU Dresden haben nun in Laborexperimenten entdeckt, dass besonders dieses Zuckerabbauprodukt für die antibakterielle Wirkung von Honig verantwortlich ist:

"MGO kommt in Manuka-Honigen in extrem hohen Gehalten vor, entsprechende Gehalte findet man in keinem anderen Lebensmittel und wir konnten dann eben eindeutig dokumentieren, dass diese spezifische Komponente in Abhängigkeit ihrer Konzentration gegen Bakterien wirksam ist, sogar gegen Antibiotika-resistente Bakterien."

- Prof. Thomas Henle, Lebensmittelchemiker, TU Dresden

Der Forschungsstand: Ist eine Wirksamkeit wissenschaftlich belegt?

Dass zumindest Manuka-Honig tatsächlich eine antibakterielle Wirkung hat, zeigen verschiedene Studien im Reagenzglas und auch an Patienten.

"Die Datenlage, was die Wirksamkeit von Methylglyoxal beziehungsweise Manuka-Honig anbelangt, ist insbesondere in der Wundheilung mittlerweile sehr gut. Hier gibt es auch entsprechende Wundheilungshonige. Aber Honig, den wir im Reformhaus oder im Laden kaufen, ist ein Lebensmittel und nicht für Heilanwendungen gedacht."

- Prof. Thomas Henle, Lebensmittelchemiker, TU Dresden

In Bezug auf die Wirkung von Honig gegen Husten gibt es nur wenige Studien, die Anhaltspunkte für eine Wirksamkeit geben: Vermutlich legt sich Honig Dank seiner Zähflüssigkeit wie ein Schutzfilm auf die gereizten Schleimhäute.  

Risiken: Wer sollte Honig nicht therapeutisch verwenden?

"Im Bereich der Wundbehandlung sehe ich keine Risiken zur Anwendung des Honigs. Ausnahme in der Anwendung, wo man aufpassen muss, ist die innerliche Einnahme durch Säuglinge unter einem Jahr des steht auf jedem Glas drauf, weil der Verdauungstrakt der Kinder eben noch nicht in der Lage ist, Sporen, die im Honig enthalten sein können, zu bekämpfen."

- Prof. Thomas Henle, Lebensmittelchemiker, TU Dresden

Das Fazit

Die meisten Inhaltstoffe von Honig sind bekannt, die Anwendung ist einfach . Die antibakterielle Wirkung des medizinischen Manuka-Honigs in der Wundheilung ist durch viele Studien auch an Patienten belegt. Für die Wirkung bei Husten sind weitere Untersuchungen nötig. Risikoreich ist die Einnahme von Honig lediglich bei Kindern unter 1 Jahr.


5