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Honig in der Medizin Die Heilkraft des Honigs

Der Bienenstock gilt als die Apotheke der Natur: Honig enthält unter anderem Enzyme, Mineralstoffe und Vitamine. Auch im Krankenhaus kommt Honig zum Einsatz. Reporter Fero Andersen ist der Heilkraft des Honigs auf der Spur.

Von: Annette Hammerschmidt

Stand: 17.07.2018

Heilkraft des Honigs | Bild: Screenshot BR

Auf dem Ammersee Bienenhof trifft Reporter Fero Andersen auf Imker Martin Wieser. Für seine Bienen hat der eine Pfeife dabei. Wenn Martin Wieser Rauch aus seiner Pfeife bläst, beruhigen sich die ohnehin sanftmütigen Bienen. Daher benötigt er auch keine Schutzkleidung wie den klassischen Imkerhut. Das Summen der Bienen verändert sich, je nachdem, wie schnell ihre Flügel schlagen. In einem Bienenkasten leben 40.000 bis 80.000 Bienen. Wann weiß Imker Martin Wieser, dass der Honig reif ist?

"Wenn diese Wachsdeckel von den Bienen auf die Waben gemacht werden, ist das ein Zeichen, dass der Honig vom Wassergehalt her in Ordnung und dass er reif ist. Wir ernten in der Regel zweimal im Jahr: so Ende Mai bis Anfang Juni den Frühtrachthonig von Löwenzahn, Obstblüte, Raps und Ahorn. Gerade in der Zwischenzeit von Mai bis Juni kann der Honig ganz unterschiedlich pro Wabe schmecken. Je nachdem, aus welcher Pflanze er kommt."

Martin Wieser, Imker und Dozent für Bienenkunde, Fachhochschule Weihenstephan

Honig: Unterschiedliche Pflanzen - unterschiedliche Sorten

Imker Martin Wiese mit der Entdeckelungsgabel

Die zweite Ernte erfolgt in der Zeit von Juli bis August. Schon seit 35 Jahren ist Martin Wieser Imker. Er nimmt Fero Anersen mit zum Schleudern ins Honighäusel. Dazu hängen sie eine Wabe in die sogenannte Entdeckelungsmaschine, die die Deckel der Waben wegschneidet. Falls das nicht vollständig passiert, wird mit einem alten Handwerksgerät, der Entdeckelungsgabel, nachgearbeitet.

In die Maschine passen 20 Waben, die zehn Minuten geschleudert werden. Martin Wieser produziert jährlich zwei bis vier Tonnen Honig. Dabei entsteht heller Honig im Frühjahr aus den Blüten von Klee, Raps und Obstbäumen. Der dunkle Waldhonig wird aus Honigtau gewonnen.

Honigmassage vom Heilpraktiker

Fero Andersen bekommt eine Honigmassage

Vom Lebensmittel bis zum Kosmetikprodukt, Honig ist vielseitig. Es gibt sogar Wellness-Anwendungen. Gerhard Fredel ist Heilpraktiker mit ungewöhnlichen Massage-Methoden: Er massiert mit reinem Blütenhonig. Damit klebt und zwickt die Massage Fero Andersen ein wenig. Das ist zwar nicht komplett entspannend, aber vom Heimpraktiker so gewollt.

"Dadurch entsteht eine Hyperämie, eine vermehrte Durchblutung der Haut; das sieht man an der Rötung, die jetzt entsteht: Die ist gewollt. Das Besondere an dieser Massage ist, dass in Honig Zucker enthalten ist. Der hat die Eigenschaft, dass er Flüssigkeit anzieht und wir ziehen damit Lymphflüssigkeit durch die Haut und somit aus dem Körper."

Gerhard Fredel, Heilpraktiker und Apitherapeut

Gerhard Fredel ist Apitherapeut. Bei dieser Therapieform werden ausschließlich Bienenprodukte verwendet: Honig, Propolis, Wachs, Gelee-Royal und sogar Bienengift. Zum Schluss gibt’s für unseren Reporter noch eine Honig-Gesichtsmassage, gut geeignet zum Beispiel gegen Akne.

"Honig hat eine antibakterielle Eigenschaft und wirkt regenerierend auf die Haut und Schleimhäute."

Gerhard Fredel, Heilpraktiker und Apitherapeut

Medizinischer Honig: Einsatz bei der Wundversorgung

Medizinischer Honig in der Wundversorgung

Auch das Klinikum Dritter Orden nutzt Honig: Schwer heilende Wunden werden hier mit medizinischem Honig behandelt. Dieser medizinische Honig wird mit Gammastrahlen steril aufbereitet. Er wir in der Wundversorgung schon längere Zeit verwendet. Die offene Wunde am Bein eines Patienten wird von Dr. Matthias Löppert und dem Wundmanagement-Team behandelt. Sterile Kleidung und Hygiene sind das A und O in der Wundversorgung.

"Honig hat den Vorteil, er wirkt hyperosmol. Das heißt, er kann die Wunde reinigen. Der medizinische Honig, der aus Neuseeland kommt, hat noch einen zusätzlichen antibakteriellen Faktor: Methylglyoxal. Damit kann man Keime, sogar Problemkeime, gut behandeln. Wenn man eine akute Wunde hat, sich selber mal weh tut, kann man bedenkenlos Honig drauf tun. Wir hier arbeiten natürlich mit chronischen Problemwunden und da ist es schwieriger."

Dr. med.  Matthias Löppert, Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie, Klinikum Dritter Orden, München

Der medizinische Honig muss aus Neuseeland importiert werden. Das hat einen einfachen Grund.

"Wir können ihn nicht selber herstellen, weil der Grundstoff der Manuka-Nektar von der Manuka Pflanze ist. Aus dem können die Bienen diesen Honig herstellen, aber diese Pflanze wächst bei uns leider nicht. Deshalb haben wir zwar einen sehr guten, auch medizinisch wirksamen Honig, der aber leider nicht so hochwertig ist wie der aus Neuseeland."

Martin Wieser, Imker und Dozent für Bienenkunde, Fachhochschule Weihenstephan

Fazit:  Honig ist köstlich und auch noch gesund!


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