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Sommerwetter in Bayern Gesundheit! macht den Hitzecheck

Die letzten Wochen hatten es in sich, mit Sonnenschein und Temperaturen von teils über 35 Grad. Auch wenn es gerade eine kurze Abkühlung gibt: Der Sommer ist noch lang. Doch Hitze ist nicht nur manchmal nervig, sondern oft eine unterschätzte Gefahr. Deshalb macht Gesundheit! den Hitzecheck - in der Notaufnahme und im Einsatz mit den Rettungssanitätern vom Roten Kreuz.

Von: Florian Heinhold

Stand: 08.07.2019

Auf dem Münchener Tollwood Festival gab es auch in der vergangenen Woche wieder Temperaturen bis zu 30 Grad. Was viele Besucher freut, ist für die Mitarbeiter an den Essensständen eine echte Herausforderung.

"Der heiße Maiskolbengrill und dann die Rosmarinkartoffeln im Ofen, die geben natürlich auch Hitze ab, genau wie vorne der Hamburgergrill. Da ist es bestimmt noch zehn Grad heißer als draußen."

Standbesitzerin

Hitzeeinsatz auf dem Tollwood

Viel Hitze bedeutet auch: viel Arbeit für die Rettungssanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes auf dem Festgelände. Gesundheit! begleitet Ärztin Nina Thies bei der Festival-Schicht. Zurzeit häufen sich hier die Einsätze wegen der hohen Temperaturen.

"Die Patienten äußern häufigen Schwindel, haben Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen. Oft auch einen heißen, roten Kopf."

Nina Thies, Ärztin, Bayerisches Rotes Kreuz, München

Typische Symptome eines Sonnenstichs. Plötzlich wird es für das Sanitäter-Team um Nina Thies hektisch. Über Funk wird ein Hitzenotfall gemeldet. Die Ärztin rückt mit einer Rettungsassistentin in Richtung Festzelt aus, wo ein junger Mann in der Hitze kollabiert ist. In solchen Fällen ist das Wichtigste: Raus aus der Sonne. Nachdem der Patient wieder bei Bewusstsein ist, nimmt Ärztin Nina Thies ihn erstmal zur Beobachtung mit auf die Sanitäts-Station.

"Das ist ein typischer Patient. Jetzt gerade bei der Hitze kommt es oft vor, dass die Leute das unterschätzen und nicht genug trinken. Es ist wichtig, dass man nicht auf das Durstgefühl wartet, sondern schon vorher trinkt. Denn das Durstgefühl ist ein Zeichen, dass der Körper bereits zu wenig Flüssigkeit hat."

Nina Thies, Ärztin, Bayerisches Rotes Kreuz, München

Hitzschlag – ein Fall für die Notaufnahme

Zum Sonnenstich oder Hitzekollaps kommt es, wenn der Körper zu viel Flüssigkeit verliert. In der Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar in München hatten die Ärzte um Dr. Michael Dommasch in den letzten Wochen fast täglich mit den Folgen der Hitze zu tun – und damit ist nicht zu spaßen.

"Das kann schlimmstenfalls auch bleibende Schäden hervorrufen. Insbesondere unsere Nieren, die ja auf Flüssigkeit angewiesen sind, können schnell Schaden davontragen."

Dr. med. Michael Dommasch, Internist, Klinikum rechts der Isar

In der Nacht ist auch Nick in die Klinik gekommen. Der 21-Jährige hat eine stundenlange Schlauchbootfahrt mit Freunden gemacht und sich zunächst nur einen heftigen Sonnenbrand zugezogen. Die richtigen Probleme kamen mit Verzögerung.

"Ich hatte brutale Kopfschmerzen, auch Schwindel und so einen Druck im Kopf. Und dann hieß es eben: Du bleibst jetzt erstmal eine Nacht in der Klinik."

Nick, Patient

Gekühlte Infusionen

Dr. Dommasch nimmt noch einmal Blut zur Kontrolle ab. Das Problem bei Hitze ist der hohe Flüssigkeitsverlust. Im schlimmsten Fall droht ein Hitzschlag, bei dem der Wärmehaushalt des Körpers komplett aus dem Ruder läuft. Anders als bei einem Sonnenstich haben die Patienten dann meist starkes Fieber, es droht sogar Lebensgefahr. Für solche Fälle gibt es im Klinikum spezielle gekühlte Infusionen.

"In schlimmeren Fällen, das heißt bei Patienten, die in einem Schockzustand sind, einem Kreislaufschock, kühlen wir den Patienten von innen. Wir geben über die Vene direkt gekühlte Flüssigkeit und können so die Körpertemperatur schnell und adäquat senken."

Dr. med. Michael Dommasch, Internist, Klinikum rechts der Isar

Hitzealarm auf der Baustelle

Die hohen Temperaturen sind vor allem für all diejenigen eine Gefahr, die draußen arbeiten müssen. Auf einer Baustelle in Lenggries bei Bad Tölz begleitet Gesundheit! den Bauunternehmer Kilian Willibald und seine Crew. Das härteste: Die Arbeit im Schacht, wo die Luft steht. Und dann auch noch mit Helm.

"Speziell bei großer Hitze wird es unter den Helmen so heiß, dass uns die Leute auch schon umgefallen sind, in Ohnmacht gefallen sind."

Kilian Willibald, Bauunternehmer, Lenggries

Wann immer es das Gesetz erlaubt, tauschen die Arbeiter hier deshalb den Helm gegen Strohhüte.

"Die Hüte haben Löcher, da kann der Wind durch. Und sie haben eine breite Krempe und beschatten die Ohren und die Schultern."

Kilian Willibald, Bauunternehmer, Lenggries

Der wichtigste Tipp: viel trinken!

Noch wichtiger als Kopfbedeckung und luftige Kleidung ist regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme. Am besten trinkt man Wasser, Tee oder auch Saftschorlen – und zwar sollten es statt der normalerweise empfohlenen zwei Liter pro Tag bei besonders heißen Temperaturen drei Liter oder mehr sein. Von zu viel Koffein und natürlich von Alkohol ist bei Hitze abzuraten. Auf dem Tollwood-Festival hat jeder so seinen Geheimtipp für das beste Erfrischungsgetränk – von der frischen Kokosnussmilch, über die Ingwer-Hibiskus-Schorle bis hin zum alkoholfreien Caipirinha.

Auch wichtig: Sport sollte man auf die Morgen- oder Abendstunden verlegen, tagsüber die Sonne meiden und öfter mal eine Abkühlung suchen. Und mit ein bisschen Vorsicht wird Bayern auch die nächste Hitzewelle gut überstehen.


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