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50 Jahre Herztransplantation Viel erreicht, aber noch viel zu tun

Im Dezember 1967 blickte die Welt nach Südafrika. Denn dort fand damals das erste Mal überhaupt eine Herztransplantation statt. Diese OP rettet seitdem hunderten Menschen im Jahr das Leben. Dennoch gibt es einen Grund zur Sorge: Die Zahl der Herztransplantationen geht seit Jahren zurück.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 04.12.2017

In Bernd Ullrichs Körper schlägt ein transplantiertes Herz: Schon seit 34 Jahren. Er ist damit der Mensch in Deutschland, der am längsten mit ein und demselben Spenderherz lebt.

"Ich bin stolz drauf, dass ich so lange damit leben kann. Ich erzähle es auch vielen Menschen, ob die das hören wollen oder nicht. Ich erzähle es einfach, weil ich freue mich daran und ich bin stolz darauf. Ich möchte andere daran teilhaben lassen, ich erzähle es ihnen und frage sie gleichzeitig, ob sie einen Organspendeausweis haben."

Bernd Ullrich

Die OP leitete damals Herzchirurg Prof. Bruno Reichart vom Klinikum Großhadern in München. Auch für ihn ist der Fall Bernd Ullrich besonders.

"Anfang der 80er Jahre haben alle Leute geglaubt, mit einer Herztransplantation lebt man nicht lange, maximal ein bis zwei Jahre. In dieser ersten Gruppe von zehn Patienten haben aber sieben langzeitüberlebt."

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Bruno Reichart, Klinikum der Universität München

Die erste Herztransplantation

Der weltweit erste herztransplantierte Patient Louis Washkansky mit seiner Frau

Am 3. Dezember 1967 wurde das erste Mal überhaupt das Herz eines Menschen in einen anderen transplantiert. Christiaan Barnard war es, der als erster Chirurg diesen Meilenstein in der Medizin wagte. Der Patient Louis Washkansky überlebte zunächst die OP und bekam Immunsuppressiva, damit das Herz nicht abgestoßen wird. Doch Washkansky starb 18 Tage nach dem Eingriff an einer Lungenentzündung. Ein herber Rückschlag für Christiaan Barnard. Dennoch wurde er zum weltweiten Star.

"Die erste Herztransplantation war medizinisch gesehen, einfach die Transplantation eines anderen Organs. Davor gab es schon Nierentransplantationen und Lebertransplantationen - was die medizinischen Laien gar nicht so zur Kenntnis genommen hatten. Das war erstaunlich, denn eine Lebertransplantation ist sehr komplex. Aber für den Laien bedeutete der Austausch eines Herzen pure Emotion - das Herz der Sitz der Emotionen."

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Bruno Reichart, Klinikum der Universität München

 Herausforderungen gibt es bis heute

Ab den 80er Jahren transplantierten Chirurgen weltweit erfolgreich Herzen. Bruno Reichart ist einer von ihnen und leitete duzende Herz-OPs, in Südafrika und in München. Die Technik an sich hat sich seit der ersten Transplantation kaum verändert. Dennoch gibt es bis heute Herausforderungen.

"Man müsste die Medikamente, die jetzt Usus sind und die sehr gute Kurzzeitergebnisse bringen - mit Kurzzeit meine ich zehn Jahre - die müsste man dahingehend ändern, dass Patienten 20, 30 Jahre überleben. Dass Spätfolgen wie Nierenschäden nicht kommen."

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Bruno Reichart, Klinikum der Universität München

Größtes Problem: die sinkende Spendebereitschaft

Organspendeausweis

Eine Besorgnis ist die rückläufige Spendebereitschaft. Wurden 2012 in Bayern noch 70 Herzen im Jahr transplantiert, so waren es 2016 nur noch 37. Ein deutschlandweiter Trend, der sich auf alle Organe erstreckt.

Deshalb forscht Bruno Reichart an Xenotransplantationen, das heißt Transplantationen zwischen verschiedenen Spezies. Er ist optimistisch, dass seine Forschungen bald in die klinische Praxis eingebracht werden können.

"Wir wollen, das, was wir erreicht haben, so umsetzen, dass wir jetzt in den nächsten Jahren verstärkt arbeiten, dass man es beim Menschen machen kann."

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Bruno Reichart, Klinikum der Universität München


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