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Fehlerhafte Herzschrittmacher Was die Rückrufaktion für Patienten bedeutet

Herzschrittmacher verbessern die Lebensqualität vieler Patienten – doch in den letzten Wochen sorgt ein Rückruf möglicherweise funktionsgestörter Modelle des Herstellers Medtronic für Schlagzeilen. Weltweit müssen rund 157.000 Geräte überprüft werden. Gesundheit! zeigt, welche Arten von Herzschrittmachern es gibt und was betroffene Patienten erwartet.

Von: Florian Heinhold

Stand: 22.02.2019

Im Klinikum der Universität München in Großhadern trifft Gesundheit! auf eine der vielen Betroffenen, die sich in Bayern Sorgen um ihren Herzschrittmacher machen. Barbara Rebel hat das Gerät erst seit einem knappen Jahr. Damals begann ihr Herzrhythmus Probleme zu bereiten.

"Das Herz hat ganz langsam und ganz laut geschlagen. Und dann habe ich den Puls gemessen, der war bei 30."

Barbara Rebel

Dieagnose: Rhythmusstörung

Ihr Puls ist viel zu langsam. Mit Schwindel und Übelkeit kommt sie ins Klinikum Großhadern in München. Die Diagnose der Ärzte um Dr. Stephanie Fichtner: Ein AV-Block – eine häufige Rhythmusstörung.

"Die Patientin ist letzten Sommer zu uns gekommen, nachdem sie ohnmächtig geworden ist, ihr schwindlig war und sie plötzlich gar keine Herzleistung mehr hatte."

PD Dr. med. Stephanie Fichtner, Kardiologin, Klinikum der Universität München

Rückruf des Herzschrittmachers

Die Ärzte implantieren ihr einen Herzschrittmacher. Eigentlich mit Erfolg. Ihr Zustand bessert sich deutlich. Doch vergangene Woche muss Barbara Rebel wieder ins Krankenhaus.

"Da hieß es, ich muss kommen und alles überprüfen lassen. Die Firma hat also das Gerät zurückgerufen."

Barbara Rebel

So wie sie bekommen zur Zeit tausende Patienten Briefe - über 150.000 Geräte weltweit müssen überprüft werden, weil es bei Schrittmachern des Herstellers Medtronic möglicherweise zu Stimulationspausen kommen kann. Für die meisten Betroffenen genügt ein Software-Update und eine Neueinstellung des Schrittmachers. Auch bei Barbara Rebel wurde das versucht.

"Die haben das Gerät umprogrammiert, damit nichts passieren kann. Jetzt war es aber so, dass diese Umprogrammierung bei mir nicht funktioniert hat. Mir war danach total schwindlig und schlecht. Dann bin ich wieder ins Klinikum und die Ärzte meinten: Wir müssen das Gerät austauschen."

Barbara Rebel

OP: neuer Herzschrittmacher

Gesundheit! darf bei der OP dabei sein. Dr. Stephanie Fichtner und Dr. Sebastian Sadoni führen den Austausch und die Überprüfung des neuen Herzschrittmachers gemeinsam durch. Die Operation erfolgt unter lokaler Betäubung. Der alte Schrittmacher wird herausgeholt.

Neuer Herzschrittmacher wird eingesetzt

Wie bei Barbara Rebel bestehen Herzschrittmacher gewöhnlich aus einem Aggregat, von dem eine oder zwei Sonden zum Herz führen und es über elektrische Impulse stimulieren. Bei ihr muss jetzt das fehlerhafte Aggregat ausgetauscht werden, die Elektroden können im Körper verbleiben. Zuletzt wird die OP-Wunde vernäht und der neue Herzschrittmacher über einen von außen auf die Haut gelegten Ablesekopf kontrolliert und nachjustiert.

"Wir überprüfen jetzt, dass die Einstellungen richtig sind. Das heißt, dass das Gerät stimuliert, wenn es notwendig ist, aber nicht stimuliert, wenn es nicht notwendig ist. Die gleiche Überprüfung muss man nach der OP in regelmäßigen Abständen wiederholen."

PD Dr. med. Stephanie Fichtner, Kardiologin, Klinikum der Universität München  

Herzschrittmacher im Alltag

Vorsicht gilt mit älteren Herzschrittmachern bei MRT-Scans.

Neben den regelmäßigen Kontroll-Terminen, müssen Herzschrittmacherpatienten einige Dinge beachten: Vor allem sollten sie immer einen speziellen Ausweis bei sich tragen. Den braucht man zum Beispiel an der Sicherheitsschleuse am Flughafen und für bestimmte medizinische Untersuchungen. Für MRT-Scans sind ältere Herzschrittmacher-Geräte zum Beispiel nicht geeignet.

Im Alltag halten sich die Einschränkungen dagegen in Grenzen – auch Induktionsherde oder Mikrowellen stellen bei normalem Gebrauch dagegen keine Gefahr dar.

Kabellose Mini-Schrittmacher

Vom Rückruf betroffen sind bestimmte Geräte des Herstellers Medtronic – also nur ein kleiner Teil der Herzschrittmacher auf dem Markt. Die Technik entwickelt sich immer weiter: Gegen einfache Rhythmusstörungen werden mittlerweile immer öfter kabellose Mini-Schrittmacher eingepflanzt, erklärt Professor Lars Maier vom Uniklinikum in Regensburg.

"Diese kleinen Herzschrittmacher haben allerdings den Nachteil, dass sie nur in eine Herzkammer eingesetzt werden können. Das heißt, es handelt sich um ganz einfache Ein-Kammer-Schrittmacher."

Prof. Dr. med. Lars Maier, Kardiologe, Universitätsklinikum Regensburg  

Dreikammer-Schrittmacher

Dreikammer-Schrittmacher

In Regensburg dürfen wir bei einer komplexeren Herzschrittmacher-OP dabei sein. Ein Patient mit Herzschwäche benötigt einen sogenannten Dreikammer-Schrittmacher. Dabei handelt es sich um ein Gerät mit Schrittmacher und Defibrillatorfunktion. Anstatt nur zwei Sonden, wie beim herkömmlichen Schrittmacher, führt eine dritte Elektrode zur linken Herzkammer und soll die Pumpleistung des Herzens unterstützen. Der Patient, der vor der OP nur noch eine Herzleistung von circa 18 Prozent hatte, soll nach der OP ein deutlich besseres Allgemeinbefinden haben.

Am Nachmittag nach ihrer Operation trifft Gesundheit! Barbara Rebel noch einmal zu Hause. Sie fühlt sich schon deutlich besser und hofft, dass die Sorge um den elektronischen Helfer in ihrer Brust endgültig der Vergangenheit angehört.

Dringende Sicherheitsinformation zum aktuellen Produktrückruf

Die betroffenen Zweikammerherzschrittmachern des Herstelles Medtronic haben die Markennamen Adapta™, Versa™, Sensia™, Relia™, Attesta™, Sphera™, und Vitatron™ A, E, G, Q Serie. Sie wurden weltweit zwischen dem 10. März 2017 und dem 7. Januar 2019 vertrieben.


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