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Frühjahrsputz von innen Wie gesund ist Heilfasten?

Viele nutzen die Fastenzeit, um abzunehmen, zu entgiften oder einfach mal zu verzichten. Besonders populär ist die klassische Heilfastenkur: mehrere Tage ohne feste Nahrung, nur Gemüsebrühe, Tee, Säfte und Wasser. Begleitend dazu wird eine Darmreinigung durchgeführt. Doch wie schwer und sinnvoll ist die Fastenphase?

Von: Florian Heinhold

Stand: 02.03.2021 12:15 Uhr

Es ist Fastenzeit und viele Menschen in Bayern setzen auf Heilfasten. Gesundheit!-Reporter Fero Andersen tut sich schwer: Fast kein Essen und dann auch noch regelmäßige Darmentleerung. Was Heilfasten für unseren Körper bedeutet und ob Fero Andersen die Sache durchzieht?

"Heilfasten habe ich schon mal versucht – und das war überhaupt nicht mein Fall. Ob ich das jetzt, gerade in Pandemiezeiten, hinkriege, wo sowieso alles total stressig und kompliziert ist?"

Fero Andersen, Reporter

Flüssige Nahrung und Darmreinigung

Heilfasten heißt: Tagelang kein festes Essen, nur Säfte und Brühe. Und dazu Darmreinigung, mithilfe abführender Mittel. Im Internet hat das Fasten begeisterte Anhänger. So wie Alexandra Mayer.

"Mir geht es beim Heilfasten nicht ums Abnehmen, sondern um einen körperlichen Reinigungsprozess."

Alexandra Mayer, Youtuberin und Personaltrainerin

Von ihr will sich Fero Andersen Tipps holen. Denn: Alexandra Mayer hat schon oft selbst gefastet – für Fero Andersen klingt die Vorstellung, tagelang nichts Richtiges zu essen, eher abschreckend. 

"Das Beste am Fasten ist, dass du so einen Restart machst. Dass man sagt: Ich leere jetzt meinen Körper und dann fülle ich ihn nur noch mit guten Sachen. Und ändere vielleicht eine Gewohnheit, trinke jetzt weniger Kaffee oder verzichte mehr auf Fleisch. Und du hast unglaublich viel Zeit für dich, weil du nicht einkaufen musst, du musst nicht kochen, du musst nicht spülen. Sondern du hast die ganze Zeit, um etwas für dich zu machen."

Alexandra Mayer, Youtuberin und Personaltrainerin

Festes Essen ist tabu

Das Herzstück des Heilfastens ist die tägliche Gemüsebrühe und die kann man für die ganze Woche vorbereiten: Geschnittenes Gemüse in einen Topf geben, Wasser dazu und das Ganze eine halbe Stunde köcheln lassen. Gegessen wird beim Heilfasten aber eben nur die Brühe – nicht das Gemüse. Festes Essen ist schließlich tabu.  

"So ganz ohne Salz - also das ersetzt jetzt nicht die Chips vorm Fernseher abends."

Fero Andersen, Reporter

Am Küchentisch wird ihm aber erst klar: Es kommt noch viel schlimmer! Denn: Alle zwei Tage soll man den Darm entleeren – mit Einläufen oder Abführmitteln wie Glaubersalz. Danach verbringt man viel Zeit auf der Toilette.

Heilfasten in der Fastenklinik

Zur weiteren Unterstützung geht Fero Andersen in die Fastenklinik. In der Malteser Klinik von Weckbecker, trifft er zwei Patienten: Georginia Weber und Moritz Graf Brühl. Die zwei beginnen den Morgen mit einem Kneipp-Armbad. Beide sind überzeugte Heilfaster.

Es geht ihnen dabei nicht nur ums Abnehmen, sondern auch um Geist und Seele. Moritz Graf Brühl hat einen stressigen Job und achtet auf die Signale, die ihm sein Körper sendet.

"Das ist ein Zusammenspiel aus mentaler, körperlicher und seelischer Erschöpfung. Das merkt man, wie man auf andere Menschen reagiert, wie man mit sich umgeht. Und da merke ich, es wird langsam wieder Zeit."

Moritz Graf Brühl

Fasten medizinisch betreut

Fero Andersen nutzt die Gelegenheit für ein schnelles Kneipp Fußbad, erst warm, dann kalt. So früh am Morgen - das macht das wach.

"Das krallt sich so richtig um den Fuß. Das ist wie barfuß durch den Schnee laufen."

Fero Andersen

Danach heißt es: Aufnahmeuntersuchung beim Chefarzt. Denn in der Weckbecker Klinik werden die Patienten rund ums Fasten medizinisch betreut. Viele kommen mit Grunderkrankungen, gegen die das Fasten helfen soll - oder wollen "entgiften und entschlacken".

"Die Begriffe entgiften und entschlacken sind volkstümlich, sie sind nicht wissenschaftlich. Der wesentliche Vorgang ist, dass der Organismus im Fasten dazu gebracht wird, eine Fettsäureverbrennung durchzuführen. Fasten wirkt antientzündlich. Das bedeutet: entzündlich, rheumatische Erkrankungen sind ein Thema. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind gute Indikationen. Dann haben wir natürlich Patienten mit metabolischem Syndrom. Und wir sind der Meinung, dass es eben auch angstlösend wirkt, antidepressiv. Und gerade auch Menschen mit innerer Unruhe ausgleicht."

Dr. med. Rainer Matejke, Allgemeinmediziner, Malteser Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau

Langsam machen beim Sport

Zeit für das Frühstück. Keine Croissants, keine Brezen, stattdessen: Karottensaft.

"Man kann sich gar nicht vorstellen, dass man das als Mensch kann. Dass man aufhören kann, zu essen. Ich habe es auch zwei, drei Mal schon zu Hause probiert und dann war ich am Nachmittag schon anderer Meinung. Und habe meiner Frau gesagt: Vergiss die Suppe!"

Moritz Graf Brühl

"Ich dachte nicht, dass ich es durchhalte. Und ich habe auch für mich entschieden, wenn ich das nicht kann, dann gehe ich wieder. Aber es ist für jeden machbar - ohne große Hungergefühle zu haben."

Georginia Weber 

Moritz Graf Brühl lässt es nach dem Frühstück beim Osteopathen ruhig angehen, Georginia Weber macht derweil Sport. Die Gewichte hat sie während des Fastens beim Krafttraining reduziert.

Nach dem Fasten langsam an feste Nahrung gewöhnen

Man muss ja schließlich bis zur nächsten Mahlzeit durchhalten. Zum Mittagessen gibt es: Gemüsebrühe. Sie soll wichtige Vitamine und Mineralstoffe liefern.   

Um das Essen nach dem Fasten geht es in der Lehrküche. Denn nach Tagen des Verzichts sollte man den Körper nur langsam wieder an feste Nahrung gewöhnen.

"Die Umsetzung ist nach dem Fasten ganz wichtig, weil wir dann nicht alle Lebensmittel gut vertragen. Die Gefahr wäre, dass wir starke Magenkrämpfe, Bauchschmerzen, Blähbauch, Migräne, Unwohlsein bekommen."

Sarah Reinmold, Diätassistentin, Malteser Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau

Deshalb gibt es hier jede Menge Tipps für die Zeit danach – vom gesunden Frühstück bis hin zu Gemüsegerichten. Zum Abschluss des Tages in der Fastenklinik macht Reporter Fero Andersen noch eine Runde Meditation und Achtsamkeitstraining.

Fasten: realistische Ziele setzen

Wieder daheim muss er sich entscheiden: Fasten oder lieber nicht? Trainerin Alexandra Mayer gibt ihm beim Yoga noch ein paar Tipps für den Fastenalltag und die Aktivitäten drumherum.

"Falsch ist, glaube ich, wenn man sich sehr hohe Ziele setzt und dann versucht, diese durchzudrücken. Der Frust ist sehr hoch, wenn man seine gesteckten Ziele nicht erreichen kann."

Alexandra Mayer, Youtuberin und Personaltrainerin

Man sollte sich beim Heilfasten also nicht überfordern. Was man aber sollte ist: Regelmäßig den Darm entleeren. Zum Glaubersalz kommen also noch Einläufe. Für Reporter Fero Andersen ist das eine Nummer zu viel.


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