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Übertragung durch Rötelmaus Infektionen durch Hantavirus nehmen zu

Die Rötelmaus hat Knopfaugen und ein süßes Gesicht – doch sie überträgt eine gefährliche Krankheit: das Hantavirus. Allein in Bayern sind dieses Jahr mehr als 250 Menschen daran erkrankt, manche von ihnen lebensbedrohlich.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 01.10.2019

Beim Hantavirus handelt es sich um ein meldepflichtiges Virus, das lebensbedrohlich sein kann. 2019 sind auffällig viele Menschen betroffen – besesonders in Unterfranken mit bis dato 87 Fällen und Niederbayern mit 117 Fällen, wie das Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitteilt. Laut LGL kam es zudem in den vergangenen Jahren zu einem gehäuften Auftreten von Hantavirus-Erkrankungen auf der Schwäbischen Alb, in Nordost-Hessen, dem Teutoburger Wald und im Münsterland.

Symptome ähnlich wie bei einer Grippe

Die Symptome für eine Hantavirus-Infektion können sehr vielfältig sein, ähnlich der einer Grippe: Fieber, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, teilweise Übelkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen. Gut 90 Prozent der Hantavirus-Erkrankungen verlaufen symptomlos und sehr mild. Neben diesen Allgemeinsymptomen kann es aber auch zu schweren Verläufen kommen, sagt Bernhard Böll, Facharzt für Innere Medizin am Klinikum Passau.

"Es kann zu Nierenversagen kommen, teilweise auch zu Symptomen, die die Lunge betreffen. Und das ist letztlich bei jedem Patienten anders."

Dr. med. Bernhard Böll, Facharzt für Innere Medizin am Klinikum Passau

Von Sehstörungen bis hin zu Nierenversagen

Sabine Loibl aus dem Landkreis Passau hat sich dieses Jahr mit dem Virus angesteckt: Die 39-Jährige bekommt im Mai aus dem Nichts gesundheitliche Probleme.

"Zuerst hatte ich Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel – das über zwei, drei Wochen. Und von jetzt auf gleich, innerhalb einer Stunde, kam Fieber dazu, starke Gliederschmerzen, ich war komplett platt, also es ging gar nicht mehr."

Sabine Loibl, eine Betroffene

Plötzlich kommen dann auch noch Sehstörungen dazu – Sabine Loibl geht es so schlecht, dass sie ins Passauer Klinikum muss. Ihre Nieren versagen, sie kommt auf die Intensivstation. Erst ein Bluttest bringt die Diagnose: Loibl ist am Hantavirus erkrankt.

Eine spezielle Behandlungstherapie für das Virus existiert bis jetzt nicht, erklärt Facharzt Böll. Es gebe nur die Möglichkeit einer symptomatischen, unterstützenden Therapie. In schweren Verläufen, beim schweren Nierenversagen, könne es auch dazu kommen, dass die Patienten zur Dialyse müssten.

Vorsicht in Schuppen oder auf Dachböden, im Garten oder Wald

Doch wo stecken sich die Betroffenen mit dem Hantavirus an? Infizierte Nagetiere wie die Rötelmaus scheiden die Viren über Urin, Kot und Speichel aus. Beim Aufräumen und Fegen in Schuppen oder Dachböden, oder auch beim Arbeiten in Garten oder im Wald, atmet der Mensch dann die Viren über den aufgewirbelten Staub ein.

Es ist auch möglich, dass die Viren über kleine Wunden an den Händen bei Kontakt mit kontaminierten Stellen oder durch einen Biss eines Nagers übertragen werden.  Die Hantaviren gelangen über das Blut zu den Nieren. Dort kommt es nach gut zwei Wochen zu Entzündungen und Einblutungen. Die Nieren schwellen an und sorgen für Schmerzen. Es kann zu Nierenversagen kommen.

Von Mäusen fernhalten und Hände waschen

Einen zugelassenen Impfstoff gibt es nicht. Das Robert-Koch-Institut und das LGL Bayern sagen, dass man sich am besten schützen kann, indem man den Kontakt zu Nagern und deren Ausscheidungen meidet. Das gilt vor allem für Menschen, die in den bekannten Risikogebieten in Wäldern, Gärten, Scheunen, Schuppen oder Ställen arbeiten und draußen unterwegs sind, etwa beim Joggen oder beim Zelten.

Das Robert-Koch-Institut hat ein Merkblatt mit Infos und Tipps herausgegeben, wie man sich vor einer Infektion schützen kann. Darin heißt es unter anderem, dass man in Risikogebieten besser immer mit Atemschutzmasken des Typs FFP3 und Handschuhen in Schuppen oder Kellern arbeiten sollte, gerade wenn es staubig und trocken ist. Der Abfall sollte in verschließbaren Tonnen gelagert sein, sodass keine Mäuse rankommen. Und natürlich: Immer gründlich die Hände waschen.

2019 ist ein starkes Hantavirus-Jahr

Die Hantavirus-Infektionen schwanken stark von Jahr zu Jahr. So waren beispielweise laut LGL Bayern das Jahr 2012 mit 438 und 2017 mit 374 gemeldeten Infektionen in Bayern starke Hanta-Jahre. In den Jahren 2016 und 2018 wurden dagegen gerade mal 28 beziehungsweise 31 Infektionen in Bayern gemeldet. 2019 hingegen sind es wieder sehr viel mehr Fälle.

"Wir wissen von der Rötelmaus, dass sie in bestimmten Jahren Massenvermehrung zeigt. Und diese Massenvermehrung führt dann zu einem erhöhten Infektionsrisiko und damit zu einer erhöhten Anzahl an Erkrankungen."

PD Dr. Rainer Ulrich, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Hantaviren am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems

Im Hochsicherheitslabor erforschen Ulrich und seine Mitarbeiter Viren, die von Nagern übertragen werden. Sie untersuchen Nagetier-Proben aus ganz Deutschland auf das Hantavirus. In Deutschland kommen zwei Formen des Virus vor: zum einen das von der Rötelmaus übertragene Puumalavirus, das besonders in Nordwest-, West- und Süddeutschland auftritt. Und zum anderen das Dobrava-Belgrad-Virus, das von der Brandmaus übertragen wird und in nördlichen und östlichen Regionen Deutschlands vorkommt, sagt Ulrich. In Amerika und Asien gibt es sogar noch aggressivere Formen.


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